Deutschlands Fiskalpaket zeigt Wirkung – Goldman warnt vor Verzögerungen
Massive Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung treiben Wachstum, doch Umsetzung könnte hinter Zielen zurückbleiben.

Deutschlands historisches Konjunkturpaket beginnt sich in den Wirtschaftsdaten bemerkbar zu machen. Die massive fiskalische Expansion umfasst einen außerplanmäßigen Infrastruktur-Investitionsfonds von 500 Milliarden Euro sowie eine deutliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben um mehr als 1% des BIP. Analysten von Bank of America verweisen auf einen beeindruckenden Anstieg der deutschen Auftragseingänge in der Industrie um 40% auf annualisierter Dreimonatsbasis.
Die Zahlen deuten auf einen deutlichen Anstieg verteidigungsbezogener Aufträge hin, insbesondere bei Schwermaschinen, Waffen und Rüstungsgütern. Eine aktuelle BofA-Umfrage unter europäischen Fondsmanagern zeigt, dass 74% der Befragten eine Beschleunigung des Wachstums in Europa erwarten. Fast zwei Drittel (63%) nennen das deutsche Konjunkturpaket als Hauptkatalysator und bestätigen damit Deutschlands Rolle als "Motor Europas".
Verteidigungshaushalt mit Umsetzungsrisiken
Trotz der positiven Signale warnt Goldman Sachs vor Verzögerungen bei der Umsetzung. Der deutsche Verteidigungshaushalt ist in diesem Jahr um 25 Milliarden Euro auf 119 Milliarden Euro gestiegen – ein Zuwachs von mehr als 25%. Niklas Garnadt, leitender europäischer Ökonom bei Goldman Sachs, prognostiziert jedoch, dass die tatsächlichen Ausgaben hinter diesem ehrgeizigen Ziel zurückbleiben werden.
Garnadt erwartet dennoch Verteidigungsausgaben von insgesamt 109 Milliarden Euro, was etwa 2,4% des BIP entspricht. Dies würde einer Erhöhung um 21 Milliarden Euro oder fast 0,5% des BIP gegenüber dem Vorjahr entsprechen. Die deutsche Finanzpolitik werde 2026 "im Mittelpunkt" stehen und fast die Hälfte des erwarteten Wachstums von 1,1% ausmachen.
Infrastrukturpaket mit gemischten Aussichten
Neben der Verteidigung fließen erhebliche Mittel in die Bereiche Verkehr, Energie und Digitales. Die gesamten Bundesausgaben im Kernhaushalt und den drei großen Sondervermögen sollen von 554 Milliarden Euro auf 600 Milliarden Euro steigen. Goldman Sachs rechnet jedoch damit, dass die Ausgaben das ehrgeizige Regierungsziel um etwa 33 Milliarden Euro verfehlen werden.
Die Festschreibung höherer Militärausgaben ist Teil eines Verteidigungs-"Megatrends" in Europa. Bundeskanzler Friedrich Merz warnte auf der Münchner Sicherheitskonferenz, dass die regelbasierte Ordnung der Nachkriegszeit "nicht mehr existiert". Deutsche Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall gelten als gut positioniert, um von dem wachsenden Streben nach militärischer Autonomie zu profitieren.
Die Haushaltsführung bei den verschiedenen Infrastrukturprojekten dürfte laut Goldman Sachs gemischt ausfallen. Während die Mittel bereitstehen, bleibt die Frage der effizienten Umsetzung zentral für den Erfolg des Gesamtpakets.
