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Deutsche Konjunktur 2026: Staatsausgaben treiben Wachstum – doch Reformen fehlen

Nach zwei Rezessionsjahren steht Deutschland vor einem moderaten Aufschwung. Experten warnen jedoch vor einem Strohfeuer.

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Deutsche Konjunktur 2026: Staatsausgaben treiben Wachstum – doch Reformen fehlen

Die deutsche Wirtschaft steht 2026 vor einem spürbaren Aufschwung. Nach zwei Rezessionsjahren und einem mageren Wachstum von 0,2 Prozent im Vorjahr rechnen Ökonomen nun mit deutlich besseren Zahlen. Während die Bundesregierung ihre Prognose auf 1,0 Prozent BIP-Wachstum reduziert hat, zeigen sich private Experten optimistischer.

Das DIW Berlin traut der deutschen Wirtschaft ein Plus von 1,3 Prozent zu. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW, geht sogar von 1,5 Prozent aus: "Das ist nach Jahren der Stagnation – zumindest für deutsche Verhältnisse – ein recht ordentliches Wachstum." Erste positive Signale kommen aus der Industrie, deren Aufträge zuletzt so stark wuchsen wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Rüstungsausgaben als Wachstumstreiber

Der entscheidende Impuls für 2026 kommt vom Staat. Die Bundesregierung plant Verteidigungsausgaben von über 108 Milliarden Euro. Goldman Sachs und Vanguard beziffern den Effekt dieser Ausgaben auf 0,5 Prozentpunkte BIP-Wachstum. "Das Wachstum wird vor allem vom Fiskalimpuls getragen", betont KfW-Experte Schumacher.

Doch was passiert, wenn dieser einmalige Effekt verpufft? Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management, warnt: "Dieses Risiko besteht durchaus." Ohne begleitende Strukturreformen drohe Deutschland ein konjunkturelles Strohfeuer. Die höheren Staatsausgaben müssten durch grundlegende Reformen ergänzt werden.

Strukturreformen dringend erforderlich

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sieht das größte Risiko im Inland: "Der Staat gibt zwar viel Geld aus – aber die Unternehmen bekommen nicht die Reformen, die sie brauchen." Der mangelnde Konsens innerhalb der Bundesregierung gefährde den nachhaltigen Aufschwung.

Die Wunschliste der Ökonomen ist lang, aber eindeutig: Bürokratieabbau, Deregulierung, niedrigere Unternehmenssteuern, stabile Lohnnebenkosten, bessere Infrastruktur und günstigere Energiepreise. "All das ist bekannt – es müsste nur gehandelt werden", mahnt Krämer.

Südeuropa als Vorbild

Ein Blick nach Südeuropa zeigt, wie erfolgreich konsequente Reformen sein können. Spanien, Portugal und Griechenland verzeichnen seit Jahren überdurchschnittliche Wachstumsraten und dürften Deutschland auch 2026 abhängen. Diese Länder hätten während der Staatsschuldenkrise ab 2010 schmerzhafte, aber notwendige Strukturreformen durchgesetzt, erklärt Metzler-Ökonom Walk.

Die damals erzwungenen Reformen verbesserten langfristig Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und Investitionsklima. "Diese Reformen, die jetzt in Deutschland dringend notwendig sind, die haben sie schon gemacht – und davon profitieren sie", so Walk. Die südeuropäischen Länder liefern damit eine Blaupause für Deutschland.

Für Anleger bedeutet die aktuelle Situation: Kurzfristig profitieren vor allem Rüstungskonzerne und Infrastrukturunternehmen von den Staatsausgaben. Langfristig bleibt die deutsche Wirtschaft jedoch anfällig, solange grundlegende Reformen ausbleiben. Die Erholung ist fragil – nur mit konsequenten politischen Weichenstellungen wird aus dem Aufschwung ein nachhaltiger Trend.

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