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DAX-Konzerne im Klimacheck: Wer liegt auf Kurs?

Nachhaltigkeitsberatung "Right.based on science" berechnet Erderwärmungspotenzial von 71 deutschen Index-Unternehmen.

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DAX-Konzerne im Klimacheck: Wer liegt auf Kurs?

Die Frankfurter Nachhaltigkeitsberatung "Right.based on science" hat die Klimabilanzen von 71 Unternehmen aus DAX, MDAX und SDAX unter die Lupe genommen. Mit ihrer Methode "What if" berechnen die Analysten, um wie viel Grad sich die Erde erwärmen würde, wenn die gesamte Weltwirtschaft wie das jeweilige Unternehmen wirtschaften würde. Die Ergebnisse zeigen ein gemischtes Bild.

Grundlage der Analyse sind die Nachhaltigkeitsberichte der Konzerne sowie deren Emissions- und Finanzdaten. Diese werden mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens verglichen, das eine globale Erwärmung von maximal 1,7 Grad bis 2100 vorsieht.

Positive und negative Entwicklungen

Die Deutsche Telekom liegt mit prognostizierten 1,8 Grad knapp über dem Paris-Ziel – ein deutlicher Fortschritt gegenüber früheren 5 Grad. Robert Metzke, Leiter Unternehmensverantwortung bei der Telekom, führt dies auf den Einsatz von Grünstrom und höhere Energieeffizienz zurück. So habe man den Energieverbrauch pro Terabyte von über 90 auf 48 Kilowattstunden gesenkt. Bis 2040 will der Bonner Konzern klimaneutral sein.

Doch der Gesamttrend gibt Anlass zur Sorge. Hanna Helmke, Geschäftsführerin von "Right.based on science", erklärt: "Wir haben mehr Unternehmen, die sich verschlechtert haben, als sich verbessert haben." Das zeige, dass "ein bisschen Dynamik rausgegangen ist". Die Beratungsfirma verkauft zudem Software, die Unternehmen den Weg zur Klimaneutralität erleichtern soll.

Bayer mit hohem Wert – Chemie bleibt problematisch

Ein Negativbeispiel ist der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer. Der Report bescheinigt dem Unternehmen einen Wert von 7,5 Grad. Laut Helmke liegt dies unter anderem an milliardenschweren Rechtsstreitigkeiten, die die Bilanz belasten. Bayer selbst sieht das anders. Daniel Schneiders, zuständig für Nachhaltigkeitsthemen, betont: "Unser Geschäftsmodell mit einer Kombination aus Pharma und Agrar ist einzigartig. Auch das sehen wir im Ansatz des Reports nicht abgebildet."

Man stehe im Austausch mit den Analysten. Bayer strebt Klimaneutralität bis spätestens 2050 an, sieht sich jedoch mit Herausforderungen konfrontiert, insbesondere bei der Dekarbonisierung der Lieferkette und Rohstoffbeschaffung.

Die Chemiebranche insgesamt tut sich laut Report schwer, Emissionen zu senken. Helmke kritisiert zudem, dass selbst gesetzte Klimaziele von Unternehmen oft wenig mit der Realität zu tun hätten: Manche Konzerne formulierten hochgesteckte Ziele, zeigten aber zu wenig Anstrengungen. Andere hätten niedrige oder gar keine Ziele, stünden aber überraschend gut da.

Stahlindustrie mit Potenzial

Großes Potenzial sieht Helmke in der Stahlindustrie. Die Salzgitter AG steht laut Report aktuell bei 6,4 Grad, will aber durch den Kauf und die Eigenproduktion von Wasserstoff massiv CO2 einsparen. Aktuell emittiert das Unternehmen rund 8 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Das Ziel: Klimaneutralität bis 2030.

Klimaökonom Paul Lehmann von der Universität Leipzig gibt jedoch zu bedenken, dass in Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs schlechtere Emissionswerte bei manchen Unternehmen auftreten könnten. Dennoch könnten Reports wie dieser motivieren und Druck aufbauen. Lehmann plädiert für verschiedene Instrumente zur Förderung der Klimaneutralität, darunter auch den Emissionshandel.

Für Anleger bleibt festzuhalten: Die Klimastrategie eines Unternehmens wird zunehmend zum Bewertungsfaktor. Wer frühzeitig auf Nachhaltigkeit setzt, könnte langfristig nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch regulatorische Risiken minimieren.

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