DAX erholt sich – doch Ölpreise und Zinsdruck bleiben das große Thema

Rekordhohe Firmenpleiten, steigende Anleiherenditen und ein nervöser Ölmarkt – und trotzdem beendeten deutsche Anleger die Börsenwoche mit einem Lächeln. Rückenwind aus New York sorgte am Freitag für Kauflaune hierzulande, der DAX schloss mit einem Plus von 0,8 Prozent bei 25.568 Punkten. Das reichte jedoch nicht, um die Verluste der gesamten Woche wettzumachen: Unter dem Strich steht ein Wochenminus von rund 1,8 Prozent.
Wenig Beachtung schenkten die Märkte den neuen Insolvenzzahlen des Statistischen Bundesamts. Im ersten Halbjahr meldeten über 12.800 Unternehmen Insolvenz an – ein Anstieg von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und der höchste Wert seit 2013. Die Stimmung an den Börsen trübte das dennoch kaum ein.
Der eigentliche Belastungsfaktor bleibt der Ölmarkt. Brent-Rohöl verteuerte sich in der Nacht zeitweise auf bis zu 110 Dollar je Barrel, bevor Gewinnmitnahmen den Preis wieder auf rund 105 Dollar drückten – ein Tagesrückgang von etwa 2,5 Prozent. Für Privatanleger und Verbraucher ist das ein zweischneidiges Schwert: Günstigeres Öl entlastet kurzfristig, doch das strukturell hohe Preisniveau heizt die Inflation weiter an.
Genau das zwingt die Notenbanken zum Handeln. Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte erst gestern ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf nun 2,5 Prozent. Analysten der US-Investmentbank JPMorgan gehen davon aus, dass bis Jahresende acht von neun Zentralbanken der Industrieländer die Zinsen anheben werden – ein Szenario, das Anleihe- und Aktienmärkte gleichermaßen unter Druck setzt.
Besonders deutlich spürt man das am Rentenmarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf den höchsten Stand seit drei Jahren, die Rendite 30-jähriger US-Bonds erreichte zwischenzeitlich sogar ein 19-Jahres-Hoch bei 5,38 Prozent. In Deutschland liegt die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ebenfalls auf einem Mehrjahreshoch bei 3,5 Prozent. Hintergrund ist nicht nur die Inflationsangst: Auch die wachsende Staatsverschuldung lässt Anleger höhere Risikoprämien einfordern.
Aus den USA kamen derweil Inflationsdaten, die weitgehend den Erwartungen entsprachen. Im August stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 3,4 Prozent. Die Kerninflation – ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise – lag bei 2,4 Prozent. Beide Werte lagen im Rahmen der Prognosen. Die US-Notenbank Fed strebt mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent an.
Die entscheidende Frage für die Märkte lautet nun: Hebt die Fed bei ihrer Sitzung am kommenden Mittwoch die Zinsen an oder wartet sie ab? Fed-Chef Kevin Warsh hatte zuletzt einen möglichen Handlungsbedarf bei anhaltend hoher Inflation angedeutet. Derzeit liegt der US-Leitzins in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent.
Die Inflationsdaten sorgten an der Wall Street für Erleichterung. Anleger interpretierten die Zahlen als Signal, dass die Fed vorerst stillhalten könnte – was zuvor noch nicht als Mehrheitsmeinung galt. Der Dow Jones legte rund ein Prozent zu.
'Alle Daten für den anstehenden Zinsentscheid der Fed liegen jetzt auf dem Tisch. Der noch moderate Monatsanstieg der Kernrate spricht eher für ein Abwarten, andere Entwicklungen deuten auf weiterhin erhöhte Inflationsrisiken hin. Die Würfel für oder gegen eine Zinserhöhung sind damit noch nicht gefallen', kommentierte Bastian Hepperle von Bethmann Hal.
Christoph Balz von der Commerzbank sieht das ähnlich kritisch: 'Ein Stillhalten der Fed auf der Sitzung in der kommenden Woche hätte wohl bessere – also niedrigere – Inflationsdaten erfordert.' Der Fed-Entscheid am Mittwoch dürfte damit zur wichtigsten Weichenstellung für die Märkte in den kommenden Wochen werden.
