DAX auf Talfahrt: EZB-Zinserhöhung und Ölpreisschock belasten Märkte

Die Europäische Zentralbank hat heute die Zinsen wie erwartet um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent angehoben – doch die Reaktion der Märkte fiel eindeutig negativ aus. Denn gleichzeitig sorgt die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus im Persischen Golf für explodierende Energiepreise, die Anleger weltweit in Alarmstimmung versetzen.
Der DAX schloss am heutigen Handelstag bei 25.361 Punkten – ein Minus von 0,84 Prozent. Bereits am Vortag hatte der Deutsche Leitindex kräftig nachgegeben und 1,7 Prozent auf 25.576 Punkte verloren. Damit notiert der DAX auf dem Niveau von Ende Juli und hat seit seinem Rekordhoch Ende August mehr als 1.200 Punkte eingebüßt.
Der eigentliche Belastungsfaktor liegt jedoch nicht in Frankfurt, sondern am Persischen Golf. Infolge der erneuten Eskalation zwischen den USA und dem Iran ist die strategisch wichtige Straße von Hormus weiterhin gesperrt. Der Ölpreis der Nordsee-Referenzsorte Brent ist daraufhin über die psychologisch bedeutsame Marke von 100 Dollar je Fass gestiegen – am Abend werden sogar rund 106 Dollar bezahlt. Für die ohnehin schon angespannte Inflationslage ist das ein denkbar schlechtes Signal.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde machte in ihrer heutigen Pressekonferenz keinen Hehl aus den Risiken: Die Aufwärtsrisiken für die Inflation bleiben bestehen, und die erhöhten Preissteigerungen dürften länger anhalten als bislang erwartet. Im August lagen die Inflationsraten in Europa bei 3,3 Prozent, in Deutschland bei 2,9 Prozent – und damit deutlich über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Besonders besorgniserregend: Die Kerninflationsrate, die volatile Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert, dürfte in den kommenden beiden Jahren ebenfalls deutlich über der Zwei-Prozent-Marke verharren.
Ökonomen warnen vor sogenannten Zweitrundeneffekten – also einer Spirale, bei der hohe Energiepreise zu steigenden Löhnen führen, was wiederum die Inflation weiter antreibt. Zwar ist es noch nicht so weit, doch die Warnsignale mehren sich.
Ulrich Reuter, Präsident des Sparkassenverbands DSGV, zeigte sich dennoch zufrieden mit dem Vorgehen der Notenbank: „Die EZB hat heute konsequent gehandelt. Die höheren Energiepreise infolge der Sperrung der Straße von Hormus kann sie zwar nicht verhindern, sie kann aber beeinflussen, dass die Preise nicht dauerhaft und auf breiter Front steigen.
