Dangote-IPO: Milliarden-Chance lockt Millionen Nigerianer an die Börse
Aliko Dangote startet den größten Börsengang Afrikas – Aktien bereits ab 525 Naira.

Der nigerianische Milliardär Aliko Dangote hat den größten Börsengang in der Geschichte Afrikas gestartet. Mit einem angestrebten Emissionsvolumen von 1,6 Milliarden US-Dollar und einer Bewertung von rund 49 Milliarden US-Dollar soll die Dangote-Raffinerie an die Nigerian Exchange (NGX) kommen. Der Preis pro Aktie liegt bei umgerechnet etwa 0,40 US-Dollar (525 Naira) – ungefähr so viel wie eine Flasche Pepsi.
Damit will Dangote nach eigenen Angaben einen „Volks-IPO“ schaffen. Das Angebot richtet sich gezielt an Kleinanleger: Bereits ab zehn Aktien können Interessierte einsteigen. Ziel ist es, rund zehn Millionen neue Privatanleger zu gewinnen. Der Börsengang läuft seit Montag und endet am 13. Oktober. Der Handelsstart an der NGX wird für Mitte November erwartet.
Ein Wendepunkt für Nigerias Kapitalmarkt
Für viele Nigerianer ist dies die erste Gelegenheit, überhaupt in Aktien zu investieren. Neue Online-Broker wie die App Bamboo, die an das US-Modell Robinhood angelehnt ist, ermöglichen den einfachen Zugang. Bamboo rechnet mit mindestens einer Million neuer Registrierungen allein für diesen IPO. „Es geht so sehr um Retail-Anleger, wie es nur geht“, sagte Mitgründer Richmond Bassey der Financial Times.
Gbadebo Adenrele, Investmentbanker bei United Capital, spricht von einem „Wendepunkt“. Der IPO biete die Chance, den nigerianischen Kapitalmarkt durch die Gewinnung neuer Anleger zu vertiefen. „Dieser IPO wird eine bedeutende Rolle bei der Beschleunigung der Entwicklung einer Investitionskultur unter Einzelpersonen und Familien spielen“, sagte er.
Philip Anegbe, Leiter der Investmentforschung bei CardinalStone, berichtet, dass jeder, der in Nigeria mit Aktien arbeite, mit Anfragen von Interessenten überschüttet werde. Das Wertpapierhaus erwartet, dass der Kurs der Dangote-Aktie über zwölf Monate um rund 30 Prozent steigen wird.
Die Raffinerie als nationales Prestigeprojekt
Die Dangote-Raffinerie mit einer Kapazität von 700.000 Barrel pro Tag nahm vor zwei Jahren ihren Betrieb auf. Im Februar erreichte sie ihre volle Kapazität – zeitgleich mit dem Iran-Krieg, der die Energieversorgung störte und die Rohölpreise in die Höhe trieb. Nigeria, obwohl ein wichtiger Ölförderer, importierte lange Zeit raffinierte Produkte. Die Dangote-Raffinerie hat das Land nun zu einem kritischen Exporteur von Diesel und Flugzeugtreibstoff gemacht.
Der Erlös aus dem Börsengang soll den Ausbau der Kapazität auf 1,4 Millionen Barrel pro Tag bis 2028 finanzieren. Bereits im Vorfeld hatte eine private Platzierung 2,5 Milliarden US-Dollar für einen Anteil von etwa sechs Prozent eingebracht. Die Baukosten der Anlage beliefen sich auf rund 20 Milliarden US-Dollar – die aktuelle Bewertung liegt mit 49 Milliarden US-Dollar mehr als doppelt so hoch.
Vertrauen in die Marke Dangote
Viele Nigerianer betrachten Dangote, der aus einem Zementgeschäft im Norden des Landes ein weitverzweigtes Konglomerat aufbaute und zum reichsten Mann Afrikas wurde, als vertrauenswürdigen Unternehmer. „Ich vertraue Dangote in allem, was mit Geschäft zu tun hat“, sagte Abdulkadir Abdulkadir, ein Agrarplaner aus dem äußersten Norden Nigerias. Er erwägt, zwischen 100 und 200 Aktien zu kaufen.
Muzakallah Muzammil, ein Mathematiklehrer in Zentralnigeria, hat sich extra die Bamboo-App heruntergeladen, um rund 100 Aktien erwerben zu können. „Die Dangote-Raffinerie hat mich dazu gebracht, dies zu tun, aber wenn ich eine andere Marke sehe, der ich vertraue, könnte mich das dazu ermutigen, ein Portfolio zu erstellen“, sagte er.
Herausforderungen und Hürden
Trotz des Optimismus gibt es auch Hindernisse. Die nigerianische Securities and Exchange Commission hatte im Juni ein striktes Werbeverbot für den IPO verhängt. Dadurch erfuhren vor allem jüngere Nigerianer über soziale Medien von dem Angebot. In ärmeren Vierteln rund um die Raffinerie und in Lagos war das Wissen um den Börsengang gering.
Die Financial Times sprach mit zwei Dutzend Nigerianern in diesen Gegenden. Nur wenige wussten vom IPO. Abdullahi Umari, ein Granitverkäufer, forderte mehr Aufklärung: „Wenn sie wollen, dass wir es wissen, müssen sie kommen und einen Jingle machen. Er kann kaufen, ich kann kaufen, aber sie müssen hierherkommen und es erklären.“
Andere haben existenzielle Sorgen. „Wenn ich das Geld hätte, könnte ich es kaufen. Ich würde kaufen und halten“, sagte Alimi Oluwafemi, ein Schweißer. „Ich habe jetzt kein Essen. Ich bin pleite. Dangote hat sein Geld bereits gemacht. Vielleicht weiß er nicht, dass das Gehalt hier unten so schwach ist.“
Laut Weltbank haben fast 40 Prozent der erwachsenen Nigerianer kein Bankkonto. Der IPO könnte dennoch einen lang erwarteten Aufschwung für die nigerianische Wirtschaft bringen, die von Krise zu Krise schwankte. Schmerzhafte Wirtschaftsreformen wie die Abschaffung teurer Kraftstoffsubventionen und die Vereinheitlichung der Wechselkurse sollen die Produktion stärken. Die Notierung der Dangote-Raffinerie könnte beweisen, dass eine Beschaffung erheblicher Eigenmittel auf heimischen Märkten möglich ist.
