China drängt Japan zu Reaktion auf US-Zölle
Peking warnt vor Abkommen mit Washington und sucht neue Allianzen in Asien

Die chinesische Regierung hat Japan zu einer gemeinsamen Reaktion auf die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle aufgefordert. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, richtete sich diese Aufforderung in Form eines Schreibens des chinesischen Ministerpräsidenten Li Qiang an seinen japanischen Amtskollegen Shigeru Ishiba. Der Brief wurde über die chinesische Botschaft in Tokio übermittelt. Darin wird nach Angaben mehrerer japanischer Regierungsvertreter betont, dass es notwendig sei, dem wachsenden Protektionismus geschlossen entgegenzutreten.
Die chinesische Initiative erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen im Handelskonflikt zwischen China und den Vereinigten Staaten. Erst kürzlich hatte die Volksrepublik andere Staaten gewarnt, keine umfassenden Wirtschaftsabkommen mit den USA auf Kosten Chinas einzugehen. Mit diesen Äußerungen verschärft Peking den Ton in einem Konflikt, der bereits erhebliche Auswirkungen auf den globalen Handel zeigt. Die US-Strafzölle betreffen eine Vielzahl von Ländern, darunter auch Japan, das zu den engsten Verbündeten der Vereinigten Staaten zählt.
Trotz der engen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Tokio und Washington ist auch die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt von den US-Zöllen betroffen. Japan hat daher Gespräche mit den Vereinigten Staaten aufgenommen, um eine Lösung der Handelsstreitigkeiten zu erzielen. Die japanische Regierung reagierte zunächst nicht öffentlich auf das chinesische Schreiben. Auch das Außenministerium in Peking äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorstoß.
Die diplomatischen Beziehungen in der asiatisch-pazifischen Region sind derzeit durch verschiedene Konflikte belastet. Neben Handelsfragen spielen auch territoriale Streitigkeiten eine Rolle. Besonders im Südchinesischen Meer kam es im vergangenen Jahr zu einer Reihe von Zwischenfällen zwischen China und mehreren Anrainerstaaten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Spratly-Inseln, ein Gebiet mit vermuteten Öl- und Gasvorkommen, das strategisch an einer der wichtigsten globalen Schifffahrtsrouten liegt. Die Spannungen zwischen China und den Philippinen haben in diesem Zusammenhang deutlich zugenommen.
Vor diesem Hintergrund versucht China offenbar, im Handelskonflikt mit den USA neue Allianzen zu schmieden. Die Aufforderung an Japan, sich gegen den protektionistischen Kurs Washingtons zu stellen, könnte Teil einer breiter angelegten diplomatischen Strategie sein, um den eigenen Einfluss in der Region und darüber hinaus zu sichern.
