IWF warnt vor globaler Wachstumsflaute
US-Zölle belasten Wirtschaft weltweit – Deutschland droht Nullwachstum, USA und China stark betroffen

Der Internationale Währungsfonds erwartet aufgrund der aktuellen US-Zollpolitik eine deutliche Abkühlung der Weltwirtschaft. Die globale Wachstumsprognose wurde um 0,5 Prozentpunkte nach unten korrigiert und liegt nun bei 2,8 Prozent. Nach Einschätzung des IWF markiert diese Entwicklung den Beginn einer neuen Phase in der Weltwirtschaft. Die wirtschaftliche Neuausrichtung infolge von Handelskonflikten stellt laut IWF-Chefvolkswirt Pierre-Olivier Gourinchas eine tiefgreifende Veränderung des globalen Wirtschaftssystems dar.
Für Deutschland fällt die Prognose besonders schwach aus. Der IWF geht für das laufende Jahr von einem Nullwachstum aus, was die Bundesrepublik erneut zum Schlusslicht unter den G7-Industrienationen macht. Erst im kommenden Jahr sei mit einer leichten Erholung auf 0,9 Prozent zu rechnen, was allerdings immer noch unter den bisherigen Erwartungen liegt. Gestützt wird die Hoffnung auf Erholung durch reale Lohnzuwächse und neue finanzpolitische Spielräume wie die Lockerung der Schuldenbremse im Bereich Verteidigung.
Die Einschätzung des IWF erfolgt unter besonderen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Trotz der Aussetzung mancher US-Zollerhöhungen in letzter Minute, habe das Hin und Her aus Strafmaßnahmen und Gegenreaktionen weltweit zu historisch hohen Zollsätzen geführt. Die damit einhergehende Unsicherheit belaste das Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung und gefährde das Wachstum zusätzlich. Außerdem steige das Risiko weiterer Vergeltungsmaßnahmen, die auch Inflationsdruck erzeugen könnten.
Die Vereinigten Staaten selbst sind laut IWF in besonderem Maße von den wirtschaftlichen Folgen ihrer eigenen Handelspolitik betroffen. Für die US-Wirtschaft wird nur noch ein Wachstum von 1,8 Prozent erwartet, was 0,9 Prozentpunkte unter der vorherigen Prognose liegt. In der US-amerikanischen Bevölkerung schlage sich dies inzwischen auch in einer deutlich eingetrübten Stimmung nieder. Auch China, als bedeutender Handelspartner der USA, ist stark betroffen. Dort wird nur noch mit einem Wachstum von vier Prozent gerechnet, ebenfalls deutlich weniger als bisher prognostiziert.
Der IWF äußert grundsätzliche Bedenken hinsichtlich der protektionistischen Ausrichtung der US-Handelspolitik. Die hohen Zölle könnten internationale Lieferketten und Finanzströme beeinträchtigen. In einer zunehmend vernetzten Weltwirtschaft habe dies weitreichendere Konsequenzen als in früheren Jahrzehnten. Die Folge seien geringere Produktivität, steigende Produktionskosten und ein schwächerer Innovationsanreiz.
