Bundesanleihen-Renditen nahe Mehrjahreshoch: EZB-Zinserhöhung eingepreist
Der Nahostkonflikt treibt Inflationssorgen und Ölpreise – die Märkte rechnen fest mit einer EZB-Zinserhöhung bis Juli.

Die Renditen deutscher Bundesanleihen bewegen sich am Donnerstag in der Nähe von Mehrjahreshochs. Die 10-jährige Bundesanleihe kletterte um 0,2 Prozent auf 2,938 Prozent und erreichte zwischenzeitlich 2,963 Prozent – den höchsten Stand seit Oktober 2023. Ausschlaggebend sind wachsende Inflationssorgen infolge des Nahostkonflikts.
Die Ölpreise steigen, weil Marktteilnehmer befürchten, dass der Konflikt und mögliche Störungen der Ölströme durch die Straße von Hormus länger andauern könnten. Höhere Energiepreise gelten als klassischer Inflationstreiber und erhöhen den Druck auf die Europäische Zentralbank. Die Geldmärkte reagieren entsprechend deutlich.
Märkte preisen EZB-Zinserhöhung vollständig ein
Laut Reuters haben die Geldmärkte eine Zinserhöhung der EZB bis Juli inzwischen vollständig eingepreist. Die Wahrscheinlichkeit einer zweiten Anhebung bis Dezember liegt bei 60 Prozent. Das ist eine dramatische Kehrtwende gegenüber den Erwartungen vom Jahresbeginn.
Noch Ende Februar – also vor Ausbruch des aktuellen Krieges – schätzten Händler die Wahrscheinlichkeit einer EZB-Zinssenkung vor Jahresende auf rund 40 Prozent. Innerhalb weniger Wochen hat sich das Bild damit grundlegend gewandelt. Steigende Anleiherenditen signalisieren, dass Investoren höhere Zinsen für die Zukunft erwarten.
Für deutsche Privatanleger bedeutet das: Bestehende Anleihen verlieren an Kurs, während neu emittierte Papiere attraktivere Konditionen bieten könnten. Auch Immobilien- und Unternehmensfinanzierungen dürften sich bei anhaltend hohen Renditen weiter verteuern. Die Entwicklung an den Anleihemärkten bleibt damit ein zentraler Indikator für die wirtschaftliche Lage in der Eurozone.
