Brexit-Britannien bleibt bei EU-Kanada-Liebelei außen vor
Brüssel pflegt enge Bande zu Kanada – und ignoriert den Nachbarn Großbritannien.

Andy Burnham war jahrelang ein entschiedener Gegner des Brexit und eine lautstarke Befürworterin eines Wiedereintritts in die Europäische Union. Als er im Juli zum neuen britischen Premierminister ernannt wurde, schien dies vielversprechende Aussichten für die Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU zu bieten.
Doch die Hoffnungen auf eine schnelle Annäherung haben sich zerschlagen. Stattdessen blickt Brüssel an seinem Nachbarn vorbei und pflegt enge Bande zu Kanada. Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, schlug am Mittwoch vor, Kanada den ersten assoziierten Mitgliedstatus der EU zu verleihen.
Ein neuer Status für Kanada
Mit diesem Schritt wird ein maßgeschneiderter Titel geschaffen, mit dem sich das Handelsblock daran bemüht, seine Grenzen zu erweitern und sich nach dem berüchtigten Austritt Großbritanniens neu zu erfinden. Der Vorschlag von der Leyens signalisiert eine strategische Neuausrichtung der EU, die über den eigenen Kontinent hinausreicht.
Für Großbritannien bedeutet dies eine herbe Enttäuschung. Ausgerechnet ein Land außerhalb Europas soll nun eine privilegierte Partnerschaft mit der EU erhalten, während das geografisch direkt angrenzende Vereinigte Königreich weiterhin mit den Folgen des Brexits kämpft.
Bittere Pille für die neue Regierung
Die Ankündigung kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für Premierminister Burnham. Er hatte im Wahlkampf mit einer Wiederannäherung an die EU geworben und Hoffnungen auf einen Neuanfang in den Beziehungen geschürt. Nun muss er zusehen, wie Brüssel demonstrativ andere Wege geht.
Der assoziierte Mitgliedstatus für Kanada wäre ein Novum in der Geschichte der Europäischen Union. Bislang gibt es ein solches Konstrukt nicht. Die EU-Kommission scheint damit ein neues Modell der Zusammenarbeit mit Drittstaaten etablieren zu wollen – eines, das über klassische Handelsabkommen hinausgeht.
Für deutsche Anleger und Unternehmen ist die Entwicklung ebenfalls relevant. Eine engere Anbindung Kanadas an die EU könnte neue Handelswege eröffnen und bestehende Lieferketten beeinflussen. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, wie sich die Beziehungen zu Großbritannien langfristig entwickeln werden.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Vorschlag von der Leyens von den EU-Mitgliedstaaten angenommen wird und welche konkreten Rechte und Pflichten mit dem assoziierten Status verbunden sein werden. Für London ist die Botschaft jedoch bereits jetzt eindeutig: Die EU hat sich neu orientiert – und Großbritannien steht vorerst abseits.
