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Japan warnt EU vor Abschottung bei neuer Industriepolitik

Japan kritisiert EU-Pläne für Industrial Accelerator Act als Gefahr für vertrauenswürdige Partner

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Japan warnt EU vor Abschottung bei neuer Industriepolitik

Der japanische Botschafter bei der Europäischen Union hat in einem Gastbeitrag für die Financial Times scharfe Kritik an den Plänen der EU für einen Industrial Accelerator Act (IAA) geübt. Die geplanten Regeln zur Förderung von Elektrofahrzeugen drohten, langjährige und vertrauenswürdige Partner wie Japan zu benachteiligen.

Der Diplomat warnt davor, dass die EU mit dem IAA denselben Weg einschlage wie die USA mit dem Inflation Reduction Act – nur noch konsequenter. Während das Ziel, die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und strategische Verwundbarkeiten zu reduzieren, nachvollziehbar sei, riskierten einige Elemente der Gesetzgebung unbeabsichtigte negative Folgen für Europas engste Partner.

Problematische Inhaltsanforderungen

Im Zentrum der Kritik stehen die vorgeschlagenen Bedingungen des IAA für finanzielle Unterstützung von Unternehmens-Elektrofahrzeugen. Die Förderfähigkeit soll von detaillierten EU-Inhaltsanforderungen abhängen, die aus Sicht des Botschafters im Licht der WTO-Regeln fragwürdig sind. Diese Regelungen übersähen die Realität des heutigen integrierten Lieferketten-Ökosystems und bestraften unbewusst vertrauenswürdige Partner, die bereits tief in die europäische Industriestruktur eingebunden seien.

Besonders problematisch: Auch europäische Unternehmen selbst könnten betroffen sein, wenn in der EU hergestellte Komponenten außerhalb des Binnenmarkts verarbeitet werden und später als fertige Produkte zurückkehren – sie würden dann nicht mehr als EU-Produkte behandelt.

Japanische Investitionen als Teil der europäischen Industrie

Der Botschafter verweist auf die enge Verflechtung der japanischen Automobilindustrie mit Europa. Ein Automobil sei das Ergebnis jahrelanger Forschung und Entwicklung, langfristiger Kapitalinvestitionen und eines grenzüberschreitenden Netzes von Zulieferern. Ein Fahrzeug könne in einem Land entworfen werden, Komponenten aus mehreren anderen Ländern enthalten und an einem wieder anderen Ort montiert werden.

Die Zahlen belegen die Tiefe der japanischen Präsenz: Im Jahr 2025 produzierten japanische Automobilunternehmen rund 614.000 Fahrzeuge innerhalb der EU. Sie betreiben derzeit 13 Produktionsstandorte und 19 Forschungs- und Entwicklungszentren mit insgesamt 160.000 europäischen Mitarbeitern. Sie trügen damit effektiv zur industriellen Stärke Europas bei.

Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Sicherheit

Der Botschafter betont, dass Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Sicherheit zunehmend zwei Seiten derselben Medaille seien. Japan und die EU zeigten, wie dies in der Praxis funktioniere. Als Beispiel nennt er das Projekt zur Seltenerd-Raffination Caremag in Frankreich, das durch Japans Jogmec und Iwatani unterstützt wird. Japan und Frankreich investieren gemeinsam bis zu 206 Millionen Euro und haben eine langfristige Versorgungsvereinbarung für schwere Seltene Erden gesichert. Das Projekt werde zudem recycelte Materialien verarbeiten.

Dies sei genau das, was widerstandsfähige Lieferketten sein sollten: Europäische Industriekapazität kombiniert mit vertrauensvollem internationalem Investment, Technologie und langfristigen Verpflichtungen.

Appell zur Zusammenarbeit

Europa habe jedes Recht, inländische Investitionen zu fördern und seine industrielle Basis zu stärken, räumt der Botschafter ein. Auch sei es nicht unangemessen, dass Regierungen öffentliche Unterstützungsmaßnahmen gemäß internationalen Regeln an Bedingungen knüpfen. Die entscheidende Frage sei jedoch, ob diese Bedingungen die Realitäten des heutigen grenzüberschreitenden Lieferketten-Ökosystems und den Wert vertrauenswürdiger internationaler Partnerschaften anerkennen.

Der IAA dürfe – selbst unbeabsichtigt – die Unternehmen enger Partner nicht benachteiligen, die tief in Europa investiert hätten und Teil seiner industriellen Netzwerke geworden seien, nur weil ihre Hauptsitze zufällig woanders lägen. Vertrauenswürdige internationale Partner seien Teil der industriellen Stärke Europas.

In der zunehmend herausfordernden geopolitischen und geoökonomischen Umgebung würden Japan und die EU zusammen stärker sein. Man habe wiederholt bewiesen, dass Herausforderungen durch Zusammenarbeit und Kooperation überwunden werden könnten – und solle dies diesmal ebenso tun.

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