BOJ-Chef Ueda: Zinserhöhung möglich trotz unveränderter Leitzinsen
Bank of Japan lässt Zinsen unverändert, doch Gouverneur Ueda signalisiert klare Bereitschaft zur Straffung bei steigendem Inflationsdruck.

Die Bank of Japan (BoJ) hat auf ihrer jüngsten Sitzung die Zinssätze unverändert gelassen. Dennoch sendete Gouverneur Kazuo Ueda auf der anschließenden Pressekonferenz deutliche Signale: Eine Zinserhöhung in den kommenden Monaten ist möglich. Drei der neun Ratsmitglieder hatten bereits eine Anhebung der Kreditkosten vorgeschlagen.
Hintergrund der Entscheidung ist die wachsende Unsicherheit durch den Nahostkonflikt. Die Zentralbank hob ihre Preisprognosen deutlich an und betonte ihre Wachsamkeit gegenüber einem möglichen Überschießen der Inflation. Ueda machte klar, dass die BoJ die Entwicklungen genau beobachtet und bereit ist, zu handeln.
Nahostkonflikt erhöht Unsicherheit
„Angesichts der hohen Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt hat die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Prognosen eintreffen, abgenommen", sagte Ueda. Er verwies auf erhebliche Abwärtsrisiken für das Wachstum sowie Aufwärtsrisiken für die Inflation, insbesondere für das Geschäftsjahr 2026. Die BoJ wolle sich mehr Zeit nehmen, um die Auswirkungen des Konflikts auf Wirtschaft und Preise zu beurteilen.
Ein zentrales Thema ist der Anstieg der Kosten für ölbezogene Güter. Da sich die Kerninflation der Marke von 2 Prozent nähere, müsse man berücksichtigen, dass Unternehmen steigende Energiekosten aktiver an Verbraucher weitergeben könnten. „Wir möchten verschiedene Daten sorgfältig prüfen, um sicherzustellen, dass wir nicht hinter die Kurve geraten", betonte Ueda.
Bedingungen für eine Zinserhöhung
Zur Frage, wann eine weitere Zinserhöhung in Betracht käme, äußerte sich Ueda bewusst offen: „Wir haben keine vorgefasste Meinung darüber, wie viele Monate wir benötigen würden." Entscheidend sei, ob sich Inflationsrisiken materialisieren oder deutlich verstärken – und ob gleichzeitig die wirtschaftlichen Abwärtsrisiken begrenzt bleiben.
Die Kerninflation liege nach wie vor leicht unter 2 Prozent und werde sich allmählich auf dieses Niveau zubewegen, so Ueda. Die mittel- und langfristigen Inflationserwartungen seien noch nicht vollständig bei 2 Prozent verankert und neigten zu Schwankungen. Die heutige Entscheidung basiere auf der Auffassung, dass Zentralbanken über eine vorübergehende, durch Angebotsschocks getriebene Inflation hinwegsehen sollten – sofern keine Zweitrundeneffekte auf die Kerninflation entstehen.
Vergleich mit dem Ölschock der 1970er Jahre
Ueda zog auch einen historischen Vergleich: Er sehe keine große Wahrscheinlichkeit, dass Japan eine Wiederholung des Ölschocks der 1970er Jahre erleben werde. Eine Gemeinsamkeit bestehe jedoch darin, dass der aktuelle Leitzins unter dem als neutral geltenden Niveau liege. Dies werde die BoJ bei der Steuerung ihrer Politik berücksichtigen.
Für den Fall, dass die Inflation – insbesondere die Kerninflation – das Ziel deutlich überschreiten sollte, stellte Ueda eine erhebliche Straffung der Geldpolitik in Aussicht. „Das würde bedeuten, dass unser Endzins über das für die Wirtschaft als neutral erachtete Niveau hinausgehen könnte, was die wirtschaftliche Volatilität erhöhen könnte", warnte er.
Für deutsche Anleger und Investoren mit Engagements in Japan oder im Yen-Raum sind diese Aussagen von Bedeutung: Eine straffere Geldpolitik der BoJ könnte den Yen stärken und japanische Anleiherenditen beeinflussen. Die Entwicklungen im Nahostkonflikt und deren Auswirkungen auf die globalen Energiepreise bleiben dabei ein entscheidender Faktor für den weiteren geldpolitischen Kurs Japans.
