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Kevin Warsh trifft bei der Fed auf starken Widerstand

Der designierte Fed-Chef will einen „Familienstreit" – doch die Mehrheit der Notenbanker dürfte Zinssenkungen blockieren.

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Kevin Warsh trifft bei der Fed auf starken Widerstand

Kevin Warsh, der designierte Chef der US-Notenbank Federal Reserve, hat angekündigt, er wünsche sich einen „ordentlichen Familienstreit" am geldpolitischen Entscheidungstisch. Doch genau das könnte ihn erwarten: Sollte er die drastischen Zinssenkungen durchsetzen wollen, die Präsident Donald Trump von ihm erwartet, steht er einer skeptischen Mehrheit gegenüber. Powells Amtszeit endet am 15. Mai 2026.

Von den 19 stimmberechtigten Fed-Vertretern tendiert etwa die Hälfte zu einer restriktiven Haltung – sogenannte „Hawks". Diese Gruppe ist primär über steigende Inflation besorgt und kaum bereit, Zinssenkungen zu unterstützen. Etwa ein Drittel gilt als zentristisch, und lediglich drei Mitglieder haben sich bislang offen für kurzfristige Zinssenkungen ausgesprochen.

Warshs Weg an die Fed-Spitze

Der Bankenausschuss des US-Senats soll am Mittwoch Warshs Nominierung zur Prüfung durch den gesamten Senat vorantreiben. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der 56-jährige Jurist und Finanzexperte bereits die Fed-Sitzung am 16. und 17. Juni leiten wird. Fed-Gouverneur Stephen Miran, der zur taubenhaften Minderheit der sogenannten „Doves" gehört, wird zurücktreten, um Warsh Platz im Gouverneursrat zu machen – womit die zinssenkungsfreundliche Fraktion noch weiter geschwächt wird.

Bei seiner Bestätigungsanhörung erklärte Warsh, die US-Wirtschaft laufe „im Großen und Ganzen nahe an der Vollbeschäftigung". Wenn Amerikaner, die einen Job wollen, einen finden können, sei das nach den Maßstäben der Fed Vollbeschäftigung. In diesem Punkt dürfte er am Tisch kaum auf Widerspruch stoßen. Die Arbeitslosenquote sank im März auf 4,3 Prozent, unter anderem weil sich die Zuwanderung stark verlangsamt hat und die in den USA geborene Bevölkerung zunehmend das Rentenalter erreicht.

Dennoch gibt es Stimmen, die auf Schwächen am Arbeitsmarkt hinweisen. Fed-Gouverneur Christopher Waller erklärte Anfang des Monats: „Ich sehe weiterhin eine Schwäche am Arbeitsmarkt, die ihn anfällig macht, angefangen bei den Daten, die niedrige Zahlen sowohl bei den Neueinstellungen als auch bei den Entlassungen zeigen." Die Mehrheit der Fed-Entscheidungsträger orientiert sich derzeit jedoch vorrangig an den Inflationsdaten.

Inflation bleibt der zentrale Streitpunkt

Warsh sagte bei seiner Anhörung, er habe das Gefühl, dass sich die Inflation „im letzten Jahr etwas verbessert hat". Diese Einschätzung steht im Widerspruch zur Mehrheit der Fed-Vertreter, die auf die neuen Importzölle der Trump-Administration als Bremse für den Inflationsrückgang verweisen. Die Kerninflation, gemessen am Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE), lag im Februar bei 3,0 Prozent. Ökonomen schätzen, dass sie im März auf 3,2 Prozent gestiegen ist. Der breite PCE-Preisindex, den die Fed bei 2 Prozent anpeilt, soll im März schätzungsweise 3,5 Prozent erreicht haben.

Warsh sprach sich bei seiner Anhörung für sogenannte „Trimmed-Mean"-Maße als bessere Indikatoren des Inflationstrends aus. Bei dieser Methode werden die am stärksten steigenden und fallenden Preise herausgerechnet, um ein klareres Bild der allgemeinen Preisentwicklung zu erhalten. Der Trimmed-Mean-Wert der Dallas Fed lag im März bei 2,3 Prozent – deutlich näher am Zielwert der Fed.

Sollte Warsh mit diesen Kommentaren andeuten wollen, das Inflationsziel von 2 Prozent neu zu definieren, dürfte er auf breiten Widerstand stoßen. Fast alle derzeitigen US-Notenbanker haben signalisiert, dass sie kein Interesse daran haben, dieses Ziel infrage zu stellen – zumal es in den letzten fünf Jahren kontinuierlich verfehlt wurde. Amtierender Fed-Chef Jerome Powell hat die aktuelle Geldpolitik zuletzt als „gut positioniert" bezeichnet. Der geldpolitische Tisch ist damit für Warshs angekündigten Familienstreit bereits gedeckt.

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