Chinas Zentralbank weist Banken zur Ausweitung der Kreditvergabe an
Die PBOC forderte Geschäftsbanken in einer seltenen Sitzung auf, die Kreditvergabe im April zu steigern.

Chinas Zentralbank, die People's Bank of China (PBOC), hat mehrere Geschäftsbanken angewiesen, ihre Kreditvergabe im April auszuweiten. Das berichten Insider, die anonym bleiben wollten, da sie nicht befugt waren, mit den Medien zu sprechen. Ziel der Maßnahme ist es, eine deutliche Verlangsamung des Kreditwachstums in einer wirtschaftlich angespannten Phase zu verhindern.
Die PBOC forderte die Banken in einer Sitzung auf, sicherzustellen, dass die ausstehenden Kreditbestände im April im Vergleich zum Vormonat ein positives Wachstum aufweisen. Eine solche direkte Anweisung der Zentralbank an Geschäftsbanken zur Kreditausweitung gilt als selten. Die PBOC selbst reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.
Schwaches Kreditwachstum als Warnsignal
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Sorgen über die wirtschaftliche Lage der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. China kämpft bereits mit schwachem Konsum und einer anhaltenden Schuldenkrise im Immobiliensektor. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Nahost-Konflikts, der die Unternehmensgewinne zu belasten und die Auslandsnachfrage zu schwächen droht.
Analysten erwarten für April ohnehin schwächere Kreditdaten, da der Monat traditionell eine „Nebensaison" für die Kreditnachfrage darstellt. Banken vergeben Kredite in der Regel verstärkt im ersten Quartal im Rahmen traditioneller Vertriebskampagnen, wodurch die Folgemonate im Vergleich schwächer erscheinen. Bereits im März stieg die Neukreditvergabe weniger stark als erwartet – ein Hinweis auf eine schwächere zugrunde liegende Kreditnachfrage.
Die Vorgabe der PBOC deutet darauf hin, dass die Entscheidungsträger über eine ungleichmäßige wirtschaftliche Erholung und eine verhaltene effektive Finanzierungsnachfrage besorgt sind. Indem die Behörden die Finanzinstitute anweisen, ein angemessenes Tempo bei der Kreditvergabe beizubehalten, wollen sie einen deutlichen Rückgang der Kredite verhindern und die Rolle der Kreditgeber bei der Stabilisierung des Wachstums sichern.
Chinas Wirtschaft unter Druck
Chinas Wirtschaft hatte im ersten Quartal 2026 dank solider Exporte wieder an Schwung gewonnen. Allerdings wird erwartet, dass sich das Wachstum im weiteren Jahresverlauf abkühlt. Eine Reuters-Umfrage zeigt, dass die Iran-Krise als wesentlicher Belastungsfaktor für die Auslandsnachfrage und die Unternehmensgewinne gilt.
Peking hat für 2026 ein Haushaltsdefizit von rund 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts festgelegt und umfangreiche Anleiheemissionen zur Wachstumsunterstützung vorbereitet. Die PBOC hat zugesagt, ihre Geldpolitik akkommodierend zu halten. Der Spielraum für weitere Zinssenkungen ist jedoch begrenzt, da die Inflation leicht anzieht.
Die Kombination aus fiskalpolitischen Maßnahmen und dem direkten Eingriff in die Kreditvergabe zeigt, wie ernst die chinesischen Behörden die aktuelle Wachstumsschwäche nehmen. Für internationale Investoren und Exporteure bleibt die Entwicklung der chinesischen Binnennachfrage ein entscheidender Faktor.
