BIZ warnt vor Verletzlichkeit der globalen KI-Marktdynamik
Zentralbanken-Dachgremium sieht wachsende Risiken durch steigende Schulden von Tech-Konzernen.

Die durch künstliche Intelligenz getriebene Rallye, die die weltweiten Aktienmärkte in den vergangenen zwei Jahren stark ansteigen ließ, zeigt zunehmend Anzeichen von Verletzlichkeit. Das teilte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), das globale Dachgremium der Zentralbanken, am Montag mit.
In einem neuen Bericht warnte die BIZ, dass Investoren gegenüber der Profitabilität künftiger KI-Investitionen „zunehmend vorsichtig“ werden. Dies gelte insbesondere, da die Verschuldung großer US-Technologieunternehmen weiter steige.
„Die KI-Dynamik, die die Aktienmärkte angetrieben und zur Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft im vergangenen Jahr beigetragen hat, beginnt, wachsende Anzeichen von Verletzlichkeit zu zeigen“, sagte Frank Smets, Leiter der wirtschaftlichen Analyse bei der BIZ, gegenüber Reportern. Die Äußerungen wurden am Freitag vor der Veröffentlichung des BIZ-Berichts am Montag gemacht.
Wachsende Schuldenlast der Tech-Konzerne
Der Bericht beschäftigte sich eingehend mit der privaten Marktfinanzierung, die in den letzten Jahren massiv in KI geflossen ist. Die Gesamtschuldenaufnahme der Technologieunternehmen ist von rund 22 Milliarden US-Dollar (22 Prozent des gesamten privaten Kredits) im Jahr 2010 auf über eine Billion US-Dollar (44 Prozent) bis 2025 gestiegen.
Insgesamt belaufen sich die ausstehenden Kredite jeglicher Art auf fast 2,5 Billionen US-Dollar, hieß es weiter. Die Hunderte von Milliarden US-Dollar schweren Schulden, die KI-Unternehmen emittieren, könnten zusätzlich zu den seit Langem bestehenden Bedenken hinsichtlich der Tragfähigkeit der Schuldenstände auch zu steigenden Renditen auf dem Staatsanleihemarkt beitragen.
„Was uns in diesem Bereich am meisten besorgt, ist der rasante Anstieg von Schulden und Hebelwirkung“, sagte Smets. „Und die Tatsache, dass viele dieser Finanzierungsvereinbarungen recht intransparent sind. Sie befinden sich oft außerhalb der Bilanz. Sie weisen eine gewisse Zirkularität auf.“
Fiskalische Fragilität und geopolitische Spannungen
Der BIZ-Bericht verwies zudem auf einen unsicheren globalen Hintergrund, geprägt von Belastungen der öffentlichen Finanzen, die durch geopolitische Spannungen und volatile Energiepreise verschärft werden. „Dies hängt mit der fiskalischen Fragilität zusammen, die auch mit einer höheren Unsicherheit in der Weltwirtschaft einhergeht“, sagte Smets mit Blick auf die jüngsten Druckverhältnisse auf den Anleihenmärkten.
Trotzdem fügte er hinzu, dass insgesamt „keine Anzeichen von Stress“ erkennbar seien und die Risikobereitschaft der Anleger in den letzten Monaten „bemerkenswert widerstandsfähig“ geblieben sei. Die BIZ, die als Zentralbank der Zentralbanken der Welt gilt, hat in den vergangenen Jahren regelmäßig vor globalen Schuldenständen und potenziellen Aktienmarktblasen gewarnt.
„Ob diese Widerstandsfähigkeit der Märkte aufrechterhalten werden kann, insbesondere wenn die Aufwärtsdrucke auf die Renditen anhalten, bleibt jedoch ungewiss“, sagte Smets. Er griff auch die Warnung von BIZ-Präsident Pablo Hernández de Cos von letzter Woche auf, die finanzielle Stabilitätsrisiken durch KI thematisierte.
KI-Aktien unter Druck
KI-nahe Aktien fielen am Montag deutlich, nachdem die Chefs mehrerer führender KI-Unternehmen am Wochenende gewarnt hatten, dass das Tempo der technologischen Entwicklung verlangsamt werden müsse, um Bedrohungen für die Menschheit abzuwenden. Dies verstärkte die ohnehin vorhandene Verunsicherung der Anleger zusätzlich.
Eine weitere Studie der BIZ nutzte KI, um Tausende von Reden und Berichten der Zentralbanken zu analysieren. Sie zeigte, dass Metriken der „Kerninflation“, die Spitzen und Täler der Energiepreise herausfiltern, häufiger und in größerer Vielfalt zitiert werden. Während dieser Trend sich ändernde wirtschaftliche Bedingungen widerspiegle, könne „die wachsende Komplexität der Kommunikation der Zentralbanken Herausforderungen für eine effektive Kommunikation mit der Öffentlichkeit darstellen“.
Für deutsche Anleger ist die Warnung der BIZ von besonderer Bedeutung. Die Europäische Zentralbank ist eng in das Gremium eingebunden, und die Entwicklungen an den globalen Anleihemärkten wirken sich direkt auf die Finanzierungsbedingungen in der Eurozone aus. Sollten die Renditen weiter steigen, könnte dies auch die Bewertungen deutscher Technologie- und Wachstumswerte unter Druck setzen.
