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Anthropic vor Milliarden-IPO: KI-Chef bremst bei Rekordbewertung

KI-Pionier Anthropic will an die Börse – CEO Amodei bremst die Entwicklung

3 Min
Anthropic vor Milliarden-IPO: KI-Chef bremst bei Rekordbewertung

Der KI-Vorreiter Anthropic steht vor einem historischen Börsengang – doch ausgerechnet CEO Dario Amodei bremst die Euphorie. Der Mitgründer des Unternehmens hinter dem Sprachmodell Claude fordert eine Verlangsamung der KI-Entwicklung, während sein Unternehmen eine Bewertung von bis zu zwei Billionen Dollar anstrebt. Ein schwieriger Balanceakt.

Anthropic hat seinen IPO-Prospekt im Juni vertraulich bei der US-Börsenaufsicht eingereicht. Als Handelsplatz wurde die Nasdaq ausgewählt, wie CNBC bestätigte. Branchenbeobachter rechnen mit einer Notierung der Aktien bereits im nächsten Monat. Das erst fünf Jahre alte Unternehmen, das zu Jahresbeginn noch mit 965 Milliarden Dollar bewertet wurde, peilt nun eine Bewertung von zwei Billionen Dollar an – ein atemberaubender Sprung.

Amodeis Dreipunkteplan zur Verlangsamung

Ausgerechnet auf dem Höhepunkt der IPO-Vorbereitungen veröffentlichte Amodei am Wochenende einen Essay, in dem er die KI-Branche zu mehr Zurückhaltung aufruft. Sein Dreipunkteplan sieht vor, dass Modellunternehmen Dritten Evaluatoren Zugang zu ihren Systemen gewähren, führende Unternehmen gemeinsame Sicherheitsstandards etablieren und demokratische Regierungen mit autoritären Regierungen koordinieren. Dabei betont Amodei, dass dies nicht zulasten "kommerzieller Vorteile oder der führenden Position der USA in der KI" gehen dürfe.

Die Forderung kommt zu einer Zeit wachsender öffentlicher Besorgnis. Mehr als die Hälfte der Amerikaner gibt in einer aktuellen Pew-Umfrage an, dass sie durch die zunehmende KI-Nutzung im Alltag besorgter als begeistert sind – ein Anstieg von 37 Prozent im Jahr 2021. Branchenforscher hatten zuletzt mehrfach vor potenziellen Gefahren für das menschliche Überleben gewarnt.

Unterstützung von Altman und Musk

OpenAI-CEO Sam Altman äußerte öffentlich seine Unterstützung für Amodeis Vorschlag, ebenso wie Tech-Milliardär Elon Musk. Allerdings erklärte Altman gegenüber "Fortune" auch, dass es derzeit "ein unkluger Moment wäre, an die Börse zu gehen". OpenAI selbst hat seinen IPO-Prospekt ebenfalls vertraulich eingereicht, will aber nach Aussage von Finanzvorstand Sarah Friar erst "2027 ein börsennotiertes Unternehmen sein".

Die Skepsis gegenüber den KI-Chefs ist groß. Eine CNBC-Umfrage unter 18- bis 34-Jährigen ergab, dass mehr als 75 Prozent der Befragten Amodei nicht zutrauen, verantwortungsvoll zu handeln. Bei Altman äußerten rund 70 Prozent diese Ansicht.

Wachstum oder Verantwortung?

Anthropic erzielte im Juli annualisierte Umsätze von 65 Milliarden Dollar – eine etwa siebenfache Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Die "Financial Times" berichtete zudem, dass das Unternehmen im aktuellen Zeitraum zum zweiten Quartal in Folge einen operativen Gewinn erzielen werde. Matt Murphy, Partner bei Menlo Ventures und Anthropic-Investor, bezeichnete die Wachstumsrate als "außerordentlich hoch".

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Gil Luria, Equity-Analyst bei D. A. Davidson, wirft Anthropic und OpenAI "monopolistisches Verhalten" vor. "Es fühlt sich immer mehr nach einem Ziehen der Leiter an", sagte Luria. Kleinere Wettbewerber könnten die rigorosen Sicherheitsinvestitionen schlicht nicht stemmen. Auch Arun Chandrasekaran von Gartner sieht einen möglichen Vorteil für die Marktführer: Strengere Standards könnten "Anthropic und OpenAI begünstigen, wenn kleinere Wettbewerber die Investitionen in Sicherheit nicht leisten können".

IPO trotz Bedenken

Brad Gerstner, CEO von Altimeter Capital und Investor in beiden Unternehmen, rechnet fest mit einem Börsengang von Anthropic. "Der Markt weiß, wie man Risiken preist – siehe SpaceX", schrieb er auf X. "Es besteht ein enormes Verlangen, in die KI-Führer zu investieren." SpaceX war im Juni mit dem größten Börsengang der Geschichte an die Börse gegangen und wird nun mit zwei Billionen Dollar bewertet.

Lise Buyer von der IPO-Beratungsfirma Class V Group sieht die jüngsten Ängste nicht als Hindernis für den Zeitplan, wohl aber als Faktor für die Bewertung. "Die Wette hier liegt auf den langfristigen Horizont – nun mit gedämpften Gedanken über die Kontrolle der Technologie", sagte sie.

Gene Munster von Deepwater Asset Management bleibt gelassen: "Die langfristige Chance der KI ist zu groß, als dass sie langsamer werden würden." Er vermutet, dass Amodeis Äußerungen vor allem dazu dienten, "den regulatorischen Druck zu reduzieren".

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