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Barclays: Öl und Zinsen wichtiger für Aktien als US-Mittelwahlen

Die britische Großbank erwartet nur moderate Wahlauswirkungen und verweist auf Ölpreise und Zinsen als entscheidende Treiber.

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Barclays: Öl und Zinsen wichtiger für Aktien als US-Mittelwahlen

Die US-Zwischenwahlen im November dürften nach Einschätzung der britischen Großbank Barclays nur begrenzte Auswirkungen auf die Aktienmärkte haben. Stattdessen werden Ölpreise und Zinsen in den kommenden Wochen über das Schicksal der Aktien entscheiden. Das schreibt das von Emmanuel Cau angeführte Strategenteam der Bank in einer aktuellen Analyse, über die Investing.com berichtet.

Die Strategen stellen fest, dass die globalen Aktienmärkte dem historischen Muster vor vergangenen Halbzeitwahlen gefolgt sind. Der MSCI World ist seit den Sommertiefs um 3% gefallen – das entspricht grob dem durchschnittlichen Drawdown, der typischerweise bis zur Wahl beobachtet wird. „Die Geschichte spricht dafür, nicht zu pessimistisch zu sein, da Aktien tendenziell Mitte Oktober wieder erholen, also im Grunde noch vor dem Wahltag selbst“, schreiben die Analysten.

Damit reiht sich Barclays in eine Reihe von Häusern ein, die den Wahlausgang selbst nicht als wesentlichen Kurstreiber ansehen. Die entscheidenden Impulse erwarten die Strategen vielmehr von der Entwicklung an den Rohstoff- und Rentenmärkten.

Die Details

Der Analyst für öffentliche Politik bei Barclays betrachtet eine gespaltene Regierung als Basis-Szenario. Dabei gelten die Demokraten als Favoriten für das Repräsentantenhaus, während der Senat als unentschieden eingestuft wird. Ein einheitlicher Sieg der Republikaner wird als am wenigsten wahrscheinlich angesehen.

Umfragen im Kongress zeigen, dass die Demokraten im allgemeinen Stimmzettel einen Vorsprung von acht Punkten haben. Prognosemärkte weisen den Demokraten eine Wahrscheinlichkeit von rund 60% für einen Sweep zu. Trotz dieser Datenlage seien die Implikationen für die Aktienmärkte unter beiden Szenarien wahrscheinlich „moderat“, so die Strategen.

Das Team weist darauf hin, dass eine stärkere aufsichtsrätliche Kontrolle durch den Kongress in Sektoren wie Technologie, Gesundheitswesen und Banken möglich ist. Eine solche Entwicklung könnte kopfzeilengetriebene Volatilität auslösen. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass sie bleibende Spuren in den Fundamentaldaten hinterlässt.

Auch bei der Fiskalpolitik rechnet Barclays mit begrenzten Effekten. Unter einem gespaltenen Kongress könnte die Fiskalpolitik leicht lockerer ausfallen. Die Bank gibt allerdings an, dass dieser Effekt wahrscheinlich geringer wäre als bei einem vollständigen republikanischen Sieg, der größere Auswirkungen auf die Zinsen haben könnte. Die Handelspolitik dürfte sich hingegen unter keinem Ergebnis signifikant ändern.

Stattdessen würden „Öl und Zinsen wahrscheinlich über das Schicksal der Aktien entscheiden“, sagen die Strategen. Sie verweisen darauf, dass höhere Renditen und Ölpreise die Zustimmungswerte von Präsident Trump belastet und die Unsicherheit bezüglich der Politik verstärkt hätten. Zudem sei die Sensibilität der Aktienmärkte gegenüber beiden Faktoren erneut negativ geworden. Dies könne die Trump-Administration zu einem Anreiz bewegen, die Energiepreise im Zaum zu halten, heißt es weiter.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 08.07.2026 berichtete aktien.news, dass Barclays Anleger auf ein klares historisches Muster rund um die amerikanischen Zwischenwahlen hingewiesen hat. Demnach erreicht der Gegenwind für Aktien typischerweise im Spätsommer seinen Höhepunkt, bevor eine deutliche Erholung nach dem Wahltag einsetzt. Besonders Technologiewerte zählten laut der britischen Großbank zu den größten Profiteuren dieses Zyklus. Analyst Venu Krishna bezeichnete die schwächeren Renditen des S&P 500 in Wahljahren als „gut dokumentiertes Phänomen“.

Am 27.07.2026 meldete aktien.news, dass Goldman Sachs die Erwartungen an große Marktbewegungen durch das Wahlergebnis selbst dämpft. Die Investmentbank erwartete zwar im Vorfeld der Abstimmung im November eine zunehmende politische Unsicherheit und erhöhte Marktvolatilität. Das Wahlergebnis werde jedoch voraussichtlich kein wesentlicher Treiber für die Aktienperformance sein. Historische Daten stützten diese Einschätzung: Der S&P 500 verzeichnete seit 1974 zwischen Anfang August und dem Wahltag eine mediane Rendite von 0%.

Schon am 17.04.2026 hatte aktien.news über eine Barclays-Analyse berichtet, wonach vor allem die sogenannte FOMO-Mentalität – die „Fear of Missing Out“ – die Anleger antrieb. Barclays-Analyst Emmanuel Cau fasste es damals so zusammen: „FOMO hat die Aktien auf neue Höchststände getrieben.“ Ausschlaggebend für die Aufhellung der Marktstimmung war damals die Ankündigung eines Waffenstillstands.

Am 18.09.2026 berichtete aktien.news zudem, dass Barclays nach dem Zinsbeschluss der Bank of England seine Prognose angepasst hat. Die Experten erwarten nun Zinsschritte um jeweils 25 Basispunkte im November sowie im Februar 2027. Diese Einschätzung stützt sich auf eine deutlich veränderte mittelfristige Energiepreisprognose sowie die zunehmenden Inflationsrisiken durch den eskalierenden Nahostkonflikt.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ergibt sich aus der Analyse ein differenziertes Bild. Wer auf einen klaren Richtungsimpuls durch den Wahlausgang setzt, dürfte enttäuscht werden – Barclays selbst rechnet mit moderaten Folgen. Die eigentliche Messlatte bleiben die Kapitalmarktzinsen und der Ölpreis. Solange beide Größen nicht nachhaltig stabilisieren, dürften sich breitere Marktrotationen schwer durchsetzen.

Die Strategen betonen, dass widerstandsfähige Gewinne und eine bereinigte Anlegerpositionierung den Aktienmärkten etwas Puffer bieten. Eine breitere Rotation zurück nach Europa und in zyklische Nachzügler wie Konsumaktien würde jedoch voraussichtlich eine nachhaltigere Stabilisierung bei Öl und Zinsen erfordern.

Vor diesem Hintergrund favorisiert das Team von Cau weiterhin eine „moderate Beta-Position“. Bevorzugt werden Banken, Value-Aktien sowie Begünstigte von Kapitalausgaben gegenüber Konsumexposition. Ergänzt wird diese Ausrichtung durch defensive Absicherungen wie Telekommunikations- und Versorgungsunternehmen. Diese Einschätzung ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, sondern spiegelt die Haltung einer einzelnen Bank wider.

Ausblick

Der Blick der Barclays-Strategen richtet sich auf den November. Nach dem historischen Muster erholen sich Aktien tendenziell Mitte Oktober – also noch vor dem eigentlichen Wahltag. Ob sich dieses Muster wiederholt, hängt aus Sicht der Bank maßgeblich von der Entwicklung der Ölpreise und der Zinsen ab. Sollte die Trump-Administration Anreize haben, die Energiepreise im Zaum zu halten, könnte dies den Aktienmärkten zugutekommen.

Für die Handelspolitik erwarten die Analysten unter keinem Wahlausgang eine signifikante Änderung. Die Fiskalpolitik könnte bei einem gespaltenen Kongress leicht lockerer ausfallen als bislang. Ein vollständiger republikanischer Sieg hätte dagegen potenziell größere Auswirkungen auf die Zinsen – gilt aber als am wenigsten wahrscheinlich.

Kurz erklärt

  • Zwischenwahlen: Alle zwei Jahre stattfindende US-Wahlen, bei denen der gesamte Abgeordnetenhaus-Sitz und ein Teil der Senatssitze neu vergeben werden.
  • Basispunkt: Kleinste gebräuchliche Maßeinheit für Zinssätze, ein Basispunkt entspricht einem Hundertstel Prozentpunkt.
  • Value-Aktien: Als günstig bewertete Aktien, deren Kurs im Verhältnis zu Gewinn oder Buchwert niedrig ausfällt.
  • Beta: Kennzahl, die angibt, wie stark ein Wertpapier im Vergleich zum Gesamtmarkt schwankt.
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