Bank of England: Taylor warnt vor hartnäckiger Dienstleistungsinflation
MPC-Mitglied Alan Taylor zeigt sich besorgt über das schleppende Tempo beim Rückgang der Dienstleistungsinflation.

Alan Taylor, Mitglied des geldpolitischen Ausschusses (MPC) der Bank of England, hat auf einer Veranstaltung der Deutschen Bank Besorgnis über die Entwicklung der Dienstleistungsinflation geäußert. Die Kennzahl sei in den vergangenen Monaten nicht so schnell gesunken wie erwartet, erklärte Taylor am Montag. Der Verbraucherpreisindex für Dienstleistungen habe weder so stark noch so zügig nachgegeben wie erhofft.
Aktuellen Daten zufolge verlangsamte sich die Dienstleistungsinflation im Januar lediglich von 4,5 auf 4,4 Prozent – ein minimaler Rückgang. Der Wert bleibt damit deutlich erhöht und stellt für die Bank of England während ihres laufenden Zinssenkungszyklus eine zentrale Herausforderung dar. Taylor gilt innerhalb des MPC als eher taubenhaftes Mitglied, das grundsätzlich für eine lockerere Geldpolitik eintritt.
Lohnwachstum als Schlüsselfaktor
Taylor erwartet eine Normalisierung der Dienstleistungsinflation, sobald sich das Lohnwachstum weiter abschwächt. Das Lohnwachstum verlangsamte sich zuletzt auf 4,2 Prozent, liegt damit aber noch immer über dem Niveau, das die Währungshüter als vereinbar mit einer dauerhaften Rückkehr der Inflation zum Zielwert von 2 Prozent ansehen. Eine nachhaltige Annäherung an dieses Ziel hält Taylor dennoch für wahrscheinlich.
Gleichzeitig wies Taylor darauf hin, dass sich der Arbeitsmarkt im Einklang mit pessimistischeren Prognosen abschwäche. Er sehe nun sogar das Risiko, dass die Inflation das 2-Prozent-Ziel unterschreiten könnte – ein Hinweis auf wachsende Deflationssorgen. Ausbleibende Produktivitätssteigerungen nannte er als weiteres Risiko für die Prognosen der Bank of England.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Entwicklung in Großbritannien relevant, da sie Rückschlüsse auf den breiteren europäischen Zinspfad erlaubt. Die Bank of England und die Europäische Zentralbank stehen vor ähnlichen Herausforderungen bei der Inflationsbekämpfung, während beide Institutionen ihre Zinssenkungszyklen vorsichtig steuern.
