BCA Research: 10% Börsencrash könnte US-Konsum massiv bremsen
Ein anhaltender Kursrückgang von 10% würde rund 7 Billionen Dollar Aktienvermögen vernichten und die Gesamtnachfrage spürbar schwächen.

Ein Rückgang der US-Aktien um 10% könnte die amerikanischen Konsumausgaben erheblich belasten und das Rezessionsrisiko deutlich erhöhen. Das warnt Peter Berezin, Chefstratege bei BCA Research, in einer aktuellen Analyse. US-Haushalte halten derzeit Aktienvermögen im Wert von rund 70 Billionen US-Dollar – ein Kursrückgang von 10% würde damit etwa 7 Billionen Dollar vernichten.
Die wirtschaftlichen Folgen wären beträchtlich. Berezin kalkuliert auf Basis der Faustregel, dass jeder verlorene Dollar an Aktienvermögen den Konsum um 4 Cent reduziert. Demnach könnte die Gesamtnachfrage um rund 280 Milliarden Dollar oder etwa 0,9% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sinken – ein erheblicher Dämpfer für die weltgrößte Volkswirtschaft.
Das makroökonomische Umfeld gibt dabei durchaus Anlass zur Vorsicht. Das US-BIP-Wachstum verlangsamte sich im vierten Quartal auf 1,4% und blieb damit hinter den Erwartungen zurück. Berezin führt dies jedoch größtenteils auf Belastungen durch staatliche Haushaltsstreitigkeiten zurück. Die reale private Inlandsnachfrage, bereinigt um Staatsausgaben, Lagerbestände und Handel, legte solide um 2,4% zu – ein Zeichen für robuste Grunddynamik.
KI-Boom erinnert an den Telekommunikationsboom vor 2001
Besondere Sorgen bereitet Berezin die rasant wachsenden Investitionen in Künstliche-Intelligenz-Infrastruktur. Die sogenannten Hyperscaler – also Tech-Konzerne wie Amazon, <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft oder Google – könnten bis 2030 KI-bezogene Vermögenswerte im Wert von rund 2 Billionen Dollar angehäuft haben. Die daraus resultierenden jährlichen Abschreibungen könnten in der Größenordnung der aktuellen Gewinnniveaus liegen, während der freie Cashflow bis 2026 voraussichtlich stark sinken wird.
Der Stratege zieht dabei eine deutliche Parallele zum Telekommunikations-Investitionsboom der späten 1990er-Jahre, der dem Dotcom-Abschwung von 2001 vorausging. Investoren würden zunehmend Überinvestitionen der Unternehmen befürchten. Sollten Hyperscaler ihre Ausgaben kürzen, würde dies Hardware-Zulieferer und das allgemeine Wirtschaftswachstum belasten.
Auf der Inflationsseite bleibt das Bild gemischt. Der Kern-PCE-Deflator – die von der US-Notenbank Fed bevorzugte Inflationskennzahl – stieg im Dezember um 3,0% im Jahresvergleich. Berezin schätzt, dass US-Importzölle die Inflation um rund 50 Basispunkte erhöht haben, erwartet aber, dass dieser Effekt im Jahresvergleich nachlässt.
BCA senkt Rezessionswahrscheinlichkeit auf 30%
Trotz aller Risiken hat BCA Research die Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession innerhalb der nächsten zwölf Monate von 50% auf 30% gesenkt. Als Stützfaktoren nennt Berezin potenzielle Impulse durch Zollrückerstattungen sowie steigende Steuerrückzahlungen, die hunderte Milliarden Dollar in die Wirtschaft fließen lassen könnten.
Kurzfristig – auf Sicht von drei Monaten – bleibt BCA bei Aktien neutral positioniert und erwartet eher eine Marktrotation als einen breiten Abschwung. Mittelfristig jedoch sieht das Forschungshaus die Risiken für Aktien zunehmend nach unten gerichtet, insbesondere wenn fallende Kurse den privaten Konsum spürbar bremsen sollten.
