Bank of England ändert Strategie: QT-Endspiel mit überraschender Wende
BoE stoppt aggressiven Anleihenverkauf und hält 341 Milliarden Pfund bis zur Fälligkeit.

Die Bank of England (BoE) hat am Freitag die Zinssätze bei 3,75 Prozent belassen, zugleich aber weitere Zinserhöhungen angedeutet. Damit bleibt sie neben der kanadischen Notenbank die einzige G7-Zentralbank, die seit Beginn des Iran-Krieges die Zinsen nicht angehoben hat. Für echte Finanzmarkt-Insider gab es jedoch eine noch bedeutendere Ankündigung: eine grundlegende Änderung ihrer Bilanzstrategie.
Bislang verfolgte die BoE eines der aggressivsten Programme zur Reduzierung ihrer Bilanzsumme unter den großen Zentralbanken, die Quantitative Easing (QE) betrieben hatten. Der Grund dafür war simpel: Die Laufzeitstruktur der erworbenen Anleihen hätte neun Jahre benötigt, um das Portfolio um die Hälfte zu schrumpfen. Zudem war die Haltung dieses Portfolios mit erheblichen Zinsrisiken und realen fiskalischen Implikationen verbunden.
Ein strategischer Rückzug vom aktiven Verkauf
Am Freitag verkündete die BoE, dass sie einen Großteil ihrer Anleihen – rund 341 Milliarden Pfund aus dem 488-Milliarden-Pfund-Portfolio – nun bis zur Fälligkeit halten wird, anstatt sie aktiv zu verkaufen. Dies markiert einen deutlichen Rückzug vom bisherigen pragmatischen Ansatz zur Bilanznormalisierung. Die Maßnahme wird die Menge an Schulden reduzieren, die Anleger in den kommenden Jahren absorbieren müssen, und könnte damit eine gewisse Entlastung für den Druck auf die langfristigen Zinssätze bieten.
Zusätzlich erklärte die BoE, dass sie erwägt, die verbleibenden rund 147 Milliarden Pfund an britischen Staatsanleihen (Gilts) an das UK Debt Management Office (DMO) zu übertragen, anstatt sie direkt am Markt zu verkaufen. Das DMO könnte dann selbst entscheiden, wie mit diesen Schulden zu verfahren ist – etwa sie zu tilgen und stattdessen mehr kurzlaufende Anleihen zu emittieren, wo die Nachfrage höher ist. Dies würde bedeuten, dass es wieder nur einen öffentlichen Verkäufer von Gilts am Markt gäbe, was aus Sicht der Markteffizienz und der fiskalisch-monetären Harmonie vorteilhaft wäre.
Schaumkunst oder echter Wendepunkt?
Man könnte argumentieren, dass diese Änderungen lediglich kosmetischer Natur sind. In wirtschaftlicher Hinsicht wird es wahrscheinlich keinen großen Unterschied machen. Das Rechnungslegungsrahmenwerk für die Asset Purchase Facility – das Vehikel, in dem die Gilts gehalten werden – bleibt unverändert. Das britische Finanzministerium (HM Treasury) muss weiterhin vierteljährliche Zahlungen an die BoE leisten, solange der Marktwert der Gilts unter den Kosten der Verbindlichkeiten der Bank liegt.
Dennoch sollten diese Anpassungen etwas von der Luft aus der Kritik nehmen, der sich die BoE in letzter Zeit ausgesetzt sah. Ja, solange die Renditen weiter steigen, muss das Treasury die Zentralbank für ihre Verluste entschädigen. Aber weniger dieser Verluste werden durch tatsächliche Verkäufe realisiert. Zudem wird das Argument, dass die Anleihenverkäufe groß genug seien, um den Markt zu drücken, noch schwerer aufrechtzuerhalten sein.
Die Unabhängigkeit der Zentralbank als Risikofaktor
Gouverneur Andrew Bailey hat oft betont, dass die Lebensdauerwirkung von QE positiv sein werde, wenn die endgültige Abrechnung erfolgt. Er mag damit recht haben. Doch seine Bemühungen, die Öffentlichkeit und zunehmend skeptische Politiker davon zu überzeugen, sind gescheitert. Die Unempfindlichkeit der BoE gegenüber Kritik ist zu einem Risiko für die Unabhängigkeit der Zentralbank geworden.
Es gibt möglicherweise noch einige Marktteilnehmer, die auf einen vollständigen Stopp der quantitativen Straffung (QT) vor 2034 hoffen – dem neuen Enddatum der Strategie. Im Sommer hatten mehrere Analysten ein permanentes Anleiheportfolio der BoE als Möglichkeit vorgeschlagen, um den Bestand an Reserven bereitzustellen. Doch das einzige permanente Anleiheportfolio, an dem die Zentralbank interessiert ist, ist jenes zur Sicherung des Währungswerts – zunächst bestehend aus 120 Milliarden Pfund der zurückgehaltenen Gilts.
Für alle, die darauf hoffen, dass die BoE die Rolle des strukturellen Käufers von Gilts übernimmt, ist dies das Maximum des Möglichen. Vielleicht kann QT nun endlich „im Hintergrund“ fortgesetzt werden, wie es der geldpolitische Ausschuss ursprünglich wünschte, als er den Prozess startete.
