Bank of Canada im Dilemma: US-Zölle und Inflation fordern Macklem heraus
BoC-Chef Macklem zwischen Konjunktursorgen durch US-Zölle und anhaltender Inflation

Die Bank of Canada (BoC) steckt in einem geldpolitischen Dilemma. Notenbankchef Tiff Macklem sieht sich mit zwei gegenläufigen Risiken konfrontiert: einer abkühlenden Konjunktur durch US-Zölle und anhaltenden Inflationsrisiken durch die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Die kanadische Wirtschaft gerät damit zwischen die Mühlsteine der internationalen Handelspolitik und der globalen Energiepreisentwicklung.
Die jüngste Eskalation im Handelskonflikt mit den USA trifft Kanada hart. Macklem warnte, dass die neuen US-Zölle einen signifikanten Gegenwind für die kanadische Wirtschaft darstellen. Nach dem Scheitern eines möglichen Handelsabkommens zwischen beiden Ländern habe sich der Graben weiter vertieft. Sollten die Zölle bestehen bleiben, könnte das kanadische Wirtschaftswachstum im vierten Quartal auf unter ein Prozent einbrechen – eine Halbierung der bisherigen Erwartungen.
Dabei hatte sich die kanadische Wirtschaft zuvor als erstaunlich robust erwiesen. Im zweiten Quartal lag das annualisierte Wachstum bei 3,3 Prozent, nachdem Unternehmen und Haushalte sich an das erste 18-monatige Handelskriegsumfeld angepasst hatten. Die BoC hatte für das dritte Quartal ursprünglich ein Wachstum von 1,5 Prozent prognostiziert. "Die jüngste Eskalation könnte erneut dazu führen, dass Unternehmen Investitions- und Einstellungsentscheidungen aufschieben", erklärte Macklem.
Inflationsdruck und geldpolitische Zwickmühle
Die kanadische Inflationsrate liegt aktuell bei drei Prozent und damit einen vollen Prozentpunkt über dem Zwei-Prozent-Ziel der BoC. Die Zentralbank muss nun das Risiko einer Konjunkturabschwächung gegen die Gefahr einer anhaltenden Inflation abwägen. Der Konflikt im Nahen Osten hat die Energiemärkte stark verunsichert, der Ölpreis notiert nahe der 100-Dollar-Marke.
Macklem betonte, dass es derzeit zwar keine Hinweise darauf gebe, dass höhere Treibstoffkosten auf andere Güter und Dienstleistungen übergreifen. Das Risiko einer hartnäckigeren Inflation sei jedoch gestiegen. "Wir wollen unseren Leitzins nicht anheben und das Wachstum bremsen, wenn die Inflationsrisiken begrenzt sind. Aber wir wollen auch nicht zu langsam reagieren, wenn sich die Inflation als hartnäckiger erweist", so Macklem.
Der aktuelle Leitzins von 2,25 Prozent steht unter intensiver Beobachtung. Besonders die wachsende Zinsdifferenz zwischen Kanada und den USA setzt die Währungshüter unter Druck.
Kanadischer Dollar unter Druck
Der kanadische Dollar (Loonie) gerät zunehmend unter Abwertungsdruck. Die psychologisch wichtige Marke von 1,40 zum US-Dollar wurde jüngst durchbrochen. Am Montag notierte das Währungspaar USD/CAD bei etwa 1,4007 – der tiefste Stand seit Anfang August.
Marktanalysten sprechen von einem "perfekten Sturm" für den Loonie: die wachsende Zinsdifferenz zwischen den USA und Kanada, ein nachgebender Rohölpreis und die handelspolitische Unsicherheit. Kyle Sonlin, Präsident und Mitbegründer von Global Settlement Network, erklärte: "Ein höherer Rohölpreis würde dem Loonie normalerweise direkte Unterstützung bieten. Doch das läuft der Zollunsicherheit, den Sorgen um das kanadische Wachstum und einem Zinsumfeld, das weiterhin den US-Dollar begünstigt, entgegen."
Normalerweise bietet der Ölpreis dem kanadischen Dollar eine natürliche Unterstützung. Doch der jüngste Rückgang des Brent-Öls um zwei Prozent – ausgelöst durch Berichte über eine mögliche Angebotserholung aus Saudi-Arabien und diplomatische Bemühungen im Nahen Osten – hat diese Stütze weggebrochen.
Gleichzeitig bleibt der US-Dollar durch eine hawkische Federal Reserve gestützt. Der Chicago-Fed-Präsident Austan Goolsbee bekräftigte jüngst die Aussicht auf eine verlängerte Phase restriktiver US-Geldpolitik. Solange die USA eine weitere Straffung signalisieren, bleibt die Bank of Canada in einer prekären Lage: Sie muss sowohl die wirtschaftlichen Folgen des Handelsprotektionismus im Inland als auch den externen Druck eines starken Greenbacks im Auge behalten.
Fazit: Ein schmaler Grat für die BoC
Die Bank of Canada steht vor einer der schwierigsten geldpolitischen Entscheidungen der letzten Jahre. Einerseits droht eine handelsbedingte Konjunkturabkühlung, die niedrigere Zinsen rechtfertigen würde. Andererseits bleibt die Inflation mit drei Prozent über dem Zielwert, was eigentlich für höhere Zinsen spräche. Hinzu kommt der Abwertungsdruck auf den kanadischen Dollar, der importierte Inflation weiter anheizen könnte. Für Anleger bedeutet dies: Die BoC wird in den kommenden Monaten besonders genau beobachtet werden müssen, denn ihre Entscheidungen werden weitreichende Folgen für den Devisenmarkt und die nordamerikanische Konjunktur haben.
