Thailändische Zentralbank: Geldpolitik „sehr, sehr expansiv“ – Prognose unverändert
Thailands Zentralbank hält an expansivem Kurs fest – Leitzins bei 1,00 Prozent

Die thailändische Zentralbank hält an ihrer expansiven Geldpolitik fest, um die schwächelnde Wirtschaft des Landes zu stützen. Der stellvertretende Gouverneur für Geldpolitik, Don Nakornthab, bezeichnete den aktuellen Kurs in einem Reuters-Interview als „sehr, sehr expansiv“ und notwendig, um die Erholung zu unterstützen. Der Leitzins liegt mit 1,00 Prozent auf einem der niedrigsten Niveaus weltweit.
Die Bank of Thailand hatte ihren Leitzins zuletzt im September unverändert bei 1,00 Prozent belassen – es war die dritte Sitzung in Folge ohne Zinsänderung. Begründet wurde dies mit einem niedrigen und ungleichen Wirtschaftswachstum. Zwischen Oktober 2024 und Februar 2026 hatte die Notenbank den Leitzins insgesamt sechsmal um 150 Basispunkte gesenkt, um die Konjunktur anzukurbeln.
Die thailändische Wirtschaft leidet unter einer schwachen Binnennachfrage und einer Haushaltsverschuldung, die zu den höchsten in Asien zählt. Im zweiten Quartal dieses Jahres wuchs die zweitgrößte Volkswirtschaft Südostasiens nur noch um 1,9 Prozent im Jahresvergleich – ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorquartal, als das Wachstum noch bei 2,8 Prozent gelegen hatte.
Keine Änderung der Wachstumsprognose
Trotz der schwachen Konjunkturdaten hält die Zentralbank an ihren bisherigen Prognosen fest. Don Nakornthab erklärte, die Bank of Thailand gehe weiterhin von einem BIP-Wachstum von 2,3 Prozent in diesem Jahr und 1,8 Prozent im nächsten Jahr aus. Diese Projektionen stammen aus dem Juni. Aktualisierte Prognosen sollen auf der nächsten Zinssitzung am 28. Oktober vorgelegt werden.
Für das laufende Quartal erwartet der stellvertretende Gouverneur ein Wachstum von über 3 Prozent. Im vierten Quartal 2026 rechnet die Notenbank mit einer Expansion von rund 2 Prozent. Die Inflationsrate könnte in diesem Jahr bei etwa 2 Prozent liegen – unter der bisherigen Prognose von 2,8 Prozent aus dem Juni.
Alle Optionen bleiben offen
Auf die Frage nach einer möglichen längeren Pause bei Zinsanpassungen antwortete Don Nakornthab, der Privatsektor erwarte dies, doch alle Optionen blieben offen. „Im Moment ist dies durchaus angemessen, aber das bedeutet nicht, dass wir nicht tiefer gehen oder höher bewegen können. Alles ist möglich“, so der Zentralbankvertreter.
Die nächste geldpolitische Überprüfung steht am 28. Oktober an. Analysten rechnen damit, dass die Notenbank den Leitzins dann erneut unverändert lassen könnte.
Schwacher Baht als Konjunkturstütze
Ein wichtiger Faktor für die thailändische Wirtschaft ist die Entwicklung der Landeswährung. Der Baht hat sich in diesem Jahr bereits um 5,7 Prozent gegenüber dem US-Dollar abgeschwächt. Don Nakornthab bewertet diese Entwicklung positiv: „Im Moment ist ein schwacher Baht gut für die thailändische Wirtschaft, solange er nicht zu volatil ist oder nicht erheblich einbricht. Dann sind wir mit dem, was wir beim Baht sehen, ziemlich zufrieden“, sagte er.
Die Schwäche des Baht sei gut für die Exporte und die Wirtschaft insgesamt, und ihre Entwicklung verlaufe recht geordnet. Die Exporte könnten in diesem Jahr sogar höher ausfallen als das im Juni prognostizierte Wachstum von 14 Prozent, so der stellvertretende Gouverneur.
Für Anleger bleibt die thailändische Geldpolitik damit auf absehbare Zeit expansiv ausgerichtet. Die Kombination aus niedrigen Zinsen und einem schwachen Baht soll die Exportwirtschaft stützen und die Binnennachfrage beleben. Ob die Notenbank auf der Oktobersitzung an ihrem Kurs festhält oder doch eine überraschende Zinsänderung vornimmt, bleibt abzuwarten.
