Anthropic sichert sich 3,4-Milliarden-Dollar-Deal für Gasturbinen in Rechenzentren
Das KI-Unternehmen übernimmt 1,7 Gigawatt schwere Generatoren von OnePWR Solutions und baut damit die Kontrolle über seine Stromversorgung aus.

Anthropic hat einen Deal im Wert von 3,4 Milliarden US-Dollar abgeschlossen, um gasbetriebene Generatoren für seine Rechenzentren zu sichern. Wie die Financial Times unter Berufung auf eine mit den Umständen vertraute Person berichtete, sicherte sich das KI-Unternehmen Ende September Zusagen für 1,7 Gigawatt schwere Generatoren von dem in San Antonio ansässigen Unternehmen OnePWR Solutions. Die Transaktion umfasst zudem Engineering- und Baukapazitäten, die für die Installation der Ausrüstung erforderlich sind.
Mit dem Schritt vertieft Anthropic sein Engagement in der Energiewirtschaft. KI-Entwickler wollen angesichts steigender Nachfrage und Engpässen bei der Ausrüstung die Kontrolle über die Stromversorgung ausbauen. Der Deal stellt den bekanntesten Einzelkauf von Stromerzeugungsanlagen durch ein KI-Labor dar.
Der Kauf erfolgt vor dem Hintergrund, dass Technologieunternehmen zunehmend traditionelle Lieferanten umgehen, um die elektrische Infrastruktur zu sichern. Die Lieferzeiten für die Fertigung reichen laut dem Bericht mehrere Jahre in die Zukunft. Wer heute bestellt, erhält die Anlagen also möglicherweise erst in einigen Jahren – ein Zeitraum, der mit dem Tempo des KI-Ausbaus kollidiert.
Anthropic übernimmt bestehende Caterpillar-Bestellungen von OnePWR
Bemerkenswert ist die Vorgeschichte der Transaktion. OnePWR hatte die Generatoren vor etwa zwei Jahren bei Caterpillar bestellt, benötigte jedoch Finanzierungsmittel, um die Transaktion abzuschließen. Laut dem Bericht plante Anthropic ursprünglich, Kunde von OnePWR zu werden, entschied sich dann jedoch dafür, die bestehenden Gerätebestellungen zu übernehmen.
Anthropic habe OnePWR selbst nicht übernommen, und keine der Mitarbeiter des Zulieferers sei an das KI-Unternehmen gewechselt, so die Financial Times weiter. Der Deal ist damit kein Unternehmenskauf, sondern der Erwerb von Ausrüstung und Kapazitäten. Für Anthropic bedeutet das einen direkten Zugriff auf Hardware, die am Markt knapp ist.
Anthropic hat bis 2045 fast 900 Milliarden Dollar an Rechenkapazität zugesagt
Der Generator-Deal ist Teil einer deutlich größeren Strategie. Das Unternehmen gab Verpflichtungen in Höhe von nahezu 900 Milliarden US-Dollar an Rechenkapazitäten bis zum Jahr 2045 bekannt. Bisher hatte sich Anthropic stark auf Partner verlassen, um Strom, Chips, Rechenzentren und Grundstücke zu beschaffen. Mit dem Kauf der Generatoren verschiebt sich dieses Modell: Das Unternehmen will die Kontrolle über die Infrastruktur zur Unterstützung seiner KI-Betriebstätigkeiten ausbauen.
Wettbewerber sichern sich ebenfalls eigene Stromerzeugung
Anthropic ist mit diesem Vorgehen nicht allein. Die KI-Tochtergesellschaft von SpaceX, xAI, kaufte im Laufe dieses Jahres mobile Gasturbinen für 2 Milliarden US-Dollar. Der Mutterkonzern von Google, Alphabet, übernahm Ende 2025 den Energieentwickler Intersect. Beide Transaktionen zeigen, dass der Zugriff auf Strom zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor geworden ist.
Anthropic ist zudem ein wichtiger Kunde von SpaceX. Seine monatlichen Zahlungen zur Miete von Rechenkapazität sollen laut Financial Times bis zum Jahresende 3,1 Milliarden US-Dollar erreichen. Auch hier wird deutlich, wie stark die Kosten für Infrastruktur inzwischen in die Höhe gehen.
Bereits am 03.11.2026 berichtete aktien.news über die 900-Milliarden-Verpflichtung
Die aktuelle Transaktion ist Teil einer Entwicklung, die aktien.news in den vergangenen Monaten mehrfach begleitet hat. Bereits am 03.11.2026 berichtete aktien.news, dass Anthropic sich verpflichtet hat, in den kommenden Jahren nahezu 900 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur zu investieren. Die Angaben stammten aus einer Aktualisierung des S-1-Berichts vor einem geplanten Börsengang in diesem Monat. Dem Bericht zufolge stiegen die Einnahmen von Anthropic im dritten Quartal um fast 50 Prozent auf 17 Milliarden US-Dollar, während die Ausgaben für Chips, Energie und Infrastruktur von 5,6 Milliarden auf 9,9 Milliarden US-Dollar sprangen – ein Anstieg von 77 Prozent.
Am 12.02.2026 berichtete aktien.news, dass Anthropic sämtliche Kosten für die Netzaufrüstung übernimmt, die für den Anschluss seiner Rechenzentren erforderlich sind. Statt die Kosten weiterzugeben, erhöht das Unternehmen seine eigenen monatlichen Stromgebühren. Die Ankündigung fiel in eine Zeit wachsender Bedenken in den USA über die Auswirkungen energieintensiver Rechenzentren.
Am 23.09.2026 meldete aktien.news, dass Anthropic in frühen Verhandlungen über die Anmietung von bis zu einer Gigawatt Rechenkapazität bei Stream Data Centers steht. An dem Datenzentrenbetreiber hält Apollo Global Management die Mehrheitsbeteiligung.
Am 31.10.2026 berichtete aktien.news über eine Warnung von Blackstone an Investoren: Anthropic könnte unmittelbar nach seinem Börsengang keine Investment-Grade-Bewertung erhalten. Blackstone informierte Investoren im Rahmen der jüngsten Chip-Finanzierungsvereinbarung von Anthropic in Höhe von 63 Milliarden US-Dollar. Demnach wird das Unternehmen nach seinem IPO voraussichtlich ein „hohes“ Junk-Rating von großen Ratingagenturen erhalten.
Für Anleger steht die Finanzierung der Infrastruktur im Fokus
Für deutsche Privatanleger ist der Deal vor allem ein Signal zur Kostenstruktur des KI-Sektors. Anthropic bindet erhebliche Summen in physische Infrastruktur – Generatoren, Rechenkapazität, Netzanschlüsse. Diese Ausgaben sind langfristig angelegt und wenig flexibel. Gleichzeitig wächst das Unternehmen laut dem S-1-Bericht langsamer als zu Beginn des Jahres, während die Ausgaben deutlich zulegen.
Die von Blackstone geäußerte Erwartung eines Junk-Ratings verweist auf ein zweites Thema: die Finanzierung. Eine Bewertung unterhalb des Investment-Grade-Bereichs würde die Kapitalkosten erhöhen. Anleger, die den geplanten Börsengang verfolgen, sollten daher sowohl die Wachstumszahlen als auch die Investitions- und Finanzierungsseite im Blick behalten. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Der geplante Börsengang könnte bereits im November stattfinden
Anthropic bereitet sich auf einen potenziellen Börsengang bereits im November vor, der zu den größten Notierungen der Geschichte zählen könnte. Ob und wann dieser tatsächlich stattfindet, ist damit noch offen. Klar ist, dass die ehrgeizigen Pläne für Infrastrukturinvestitionen auf Finanzierungsprobleme stoßen.
Diese Fachbegriffe helfen beim Verständnis des Deals
- Gigawatt: Einheit für elektrische Leistung, mit der die Kapazität großer Kraftwerksblöcke beschrieben wird.
- Rechenkapazität: die Menge an Rechenleistung, die ein Unternehmen für den Betrieb von KI-Modellen bereitstellen kann.
- Junk-Rating: eine Bonitätsbewertung unterhalb des Investment-Grade-Bereichs, die höhere Finanzierungskosten bedeutet.
- Börsengang: der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse.
