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Amazon und Intel unter Druck: Zweifel am KI-Boom wachsen

Nasdaq-Anleger strafen Amazon und Intel ab – die Börse hinterfragt hohe KI-Investitionen zunehmend kritisch.

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Amazon und Intel unter Druck: Zweifel am KI-Boom wachsen

Die Quartalszahlen von Amazon und Intel sind an der Nasdaq auf wenig Gegenliebe gestoßen. Beide Tech-Konzerne mussten deutliche Kursverluste hinnehmen, weil die Anleger die hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) nicht mehr kritiklos akzeptieren. Vor allem die Schuldenfinanzierung der KI-Ausgaben stößt an der Börse auf Ablehnung. Der DAX gab am frühen Nachmittag rund 0,7 Prozent nach, liegt auf Wochensicht aber noch rund 2,5 Prozent im Plus.

Besonders hart traf es Intel: Die Aktie verlor nach dem Q3-Bericht über ein Fünftel ihres Werts. Ein Grund ist der Ausfall des Werks in Kirjat Gat, das seit einer Explosion vor zwei Wochen stillsteht. Dieser Produktionsausfall schmälert den Quartalsgewinn um etwa 300 Millionen Dollar. Zusätzlich erwartet der Konzern eine verschärfte Absatzschwäche bei PC-Prozessoren, weil sich Kunden wegen explodierender Komponentenkosten zurückhalten.

Nachfrage nach Server-CPUs trifft auf Lieferprobleme

Ganz anders sieht es im Servergeschäft aus: Server-Zentralprozessoren (CPUs) sind stark gefragt, weil sie für den Betrieb trainierter KI-Modelle und sogenannter KI-Agenten benötigt werden. KI-Agenten sind Programme, die komplexe Aufgaben weitgehend eigenständig erledigen. Intel-Chef Lip-Bu Tan zeigte sich enttäuscht darüber, dass sein Unternehmen diese Nachfrage nicht bedienen kann. Die PC-Nachfrage soll im laufenden Quartal um etwa 25 Prozent einbrechen, der PC-Markt in diesem Jahr um zwölf Prozent und 2027 um zehn Prozent schrumpfen.

Auch Amazon geriet unter Druck. Der Barmittelabfluss des Konzerns hat sich in drei Monaten nahezu versechsfacht – auf 42,4 Milliarden Dollar. Die Aktie gab rund sieben Prozent nach. Amazon-Chef Andy Jassy kündigte dennoch an, die Investitionen im kommenden Jahr weiter zu steigern. Für das laufende Jahr plant Amazon 220 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur ein. Zum Vergleich: Google veranschlagt bis zu 205 Milliarden Dollar, Meta 135 bis 145 Milliarden Dollar. Microsoft senkte seine Investitionsprognose am Mittwoch leicht von 175 auf 170 Milliarden Dollar.

Warum Anleger jetzt genauer hinschauen

Der entscheidende Punkt für Privatanleger: Die Börse bewertet die atemberaubenden KI-Investitionssummen zunehmend kritisch. Alphabet und Meta wiesen im dritten Quartal einen negativen Free Cash Flow aus – das bedeutet, dass die laufenden Investitionen das operativ erwirtschaftete Geld übersteigen und teils schuldenfinanziert sind. Genau diese Finanzierungslücke macht Investoren nervös.

Dave Wagner, Portfoliomanager bei Aptus, bringt die Lage auf den Punkt: "Das operative Geschäft erwirtschaftet reichlich Geld, aber die Investitionen verschlingen es komplett." Der Wettbewerb verschiebt sich damit zunehmend zu der Frage, wer pro investierter Milliarde den höchsten Umsatz und Gewinn erzielt. Amazon ist mit seiner Cloud-Sparte AWS im Cloud-Geschäft besonders stark positioniert – ein Vorteil, der sich auszahlen könnte, wenn der Markt wieder stärker auf Rendite statt auf reines Wachstum achtet.

Marcel Tietjen, Technologie-Experte bei BearingPoint, sieht einen grundlegenden Wandel: "Die Kriterien dafür, wer im KI-Zeitalter gewinnt, verändern sich." Und weiter: "Entscheidend ist nicht mehr allein, wer das beste Modell oder das größte Rechenzentrum hat." Für Anleger heißt das, den Blick stärker auf Kapitaldisziplin und echte Erträge zu richten statt allein auf die Höhe der Investitionen.

Die Reaktion an der Nasdaq zeigt, dass die Phase der ungebremsten KI-Euphorie vorerst vorbei sein könnte. Wer in Tech-Aktien investiert ist, sollte die Cashflow-Entwicklung und die Finanzierungsstruktur der Unternehmen künftig genau im Auge behalten.

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