Amazon-Aktie: Wie sich 10.000 Dollar bis 2035 entwickeln könnten
AWS, KI-Infrastruktur und neue Geschäftsfelder könnten die Amazon-Aktie laut Motley Fool bis 2035 deutlich steigen lassen.

Amazon (AMZN -0,35%) gehört zu den herausragenden Unternehmen dieser Generation und führt heute sowohl im E-Commerce als auch im Cloud-Computing-Markt. Obwohl die Aktie in den vergangenen fünf Jahren hinter dem Markt zurückblieb, hat sie laut einer Analyse des US-Portals The Motley Fool das Fundament für starkes Wachstum im kommenden Jahrzehnt gelegt. Für etwas mehr als 10.000 US-Dollar könnten Anleger rund 40 Aktien des Konzerns erwerben.
Die wichtigste Wachstumsquelle ist die Cloud-Computing-Sparte Amazon Web Services (AWS). Amazon hat das Konzept der Infrastructure-as-a-Service (IaaS) begründet und verfügt heute über den größten Marktanteil im Cloud-Computing-Bereich. Besonders bemerkenswert: Diese Sparte ist die profitabelste und zugleich am schnellsten wachsende Einheit des Konzerns.
Im letzten Quartal kletterte der AWS-Umsatz um 37% auf 42,2 Milliarden Dollar, während das operative Segmentergebnis um 63% auf 16,6 Milliarden Dollar anstieg. AWS-Chef Andy Jassy sieht AWS zu einem Geschäft mit einem Umsatzvolumen von einer Billion Dollar werden. Um mit der steigenden Nachfrage Schritt zu halten, investiert das Unternehmen aggressiv in die KI-Infrastruktur.
Milliardenschwere Investitionen und voller Auftragsbestand
Für dieses Jahr plant Amazon massive 220 Milliarden Dollar in Sachanlagen (Capex) — eine Zahl, die bis 2027 voraussichtlich noch steigen wird. Hinzu kommt ein gewaltiger Auftragsbestand in Höhe von 496 Milliarden Dollar, wobei die Kapazitäten für das nächste Jahr bereits größtenteils ausgebucht sind.
Das Unternehmen erzielt nach eigener Darstellung eine starke Rendite auf seine Investitionen. Die Investitionen sollen sich innerhalb von zwei bis drei Jahren amortisieren, während Verträge mit einer Laufzeit von fünf Jahren oder länger abgeschlossen werden; Investitionen in Chips haben typischerweise eine nutzbare Lebensdauer von sechs Jahren. Amazon verfügt zudem über ein starkes Geschäft mit eigenen Chips, was das Renditeprofil weiter verbessern könnte. Bereits im April sagte Jassy, dies sei ein Geschäft mit einem Jahresdurchsatz von 20 Milliarden Dollar, beziehungsweise etwa 50 Milliarden Dollar unter Einbeziehung der internen Nutzung.
Amazon hat Partnerschaften sowohl mit Anthropic als auch mit OpenAI geschlossen und ist damit gut für weiteres starkes Wachstum bei AWS positioniert. Bemerkenswert ist zudem der Anteil von rund 20% an Anthropic, der bei einem Börsengang (IPO) mehr als zwei Billionen Dollar wert sein könnte.
Robustes E-Commerce und neue Geschäftsfelder
Neben dem starken AWS-Wachstum läuft das E-Commerce-Geschäft weiterhin robust. Die Sparte weist solide Absatzzahlen auf und verzeichnet ein kräftiges Umsatzwachstum durch ihr hochmargiges Geschäft mit gesponserten Anzeigen. Am beeindruckendsten ist jedoch die operative Hebelwirkung aus den Investitionen in künstliche Intelligenz und Robotik. Sie führt dazu, dass das Gewinnwachstum das Umsatzwachstum deutlich übertrifft.
Für die Zeit bis 2035 nennt die Analyse zusätzliche Wachstumschancen: den Satelliten-Internetdienst Amazon Leo, die Tochtergesellschaft für autonome Fahrzeuge Zoox sowie ein neues Frachtunternehmen im Bereich Less-than-Truckload (LTL).
Was aus 10.000 Dollar werden könnte
Der letzte konsolidierte Analystenschätzwert für den Gewinn je Aktie (EPS) bezieht sich auf das Jahr 2031. Dabei prognostizieren die Analysten einen EPS von 24,49 Dollar, mit einer unteren Schätzung von 15,02 Dollar und einer oberen Schätzung von 29,88 Dollar. Unter der Annahme, dass Amazon seinen bereinigten EPS bis 2034 um rund 20% und anschließend bis 2036 um 15% wachsen lässt, würde das Unternehmen im Jahr 2036 einen bereinigten EPS von rund 56,20 Dollar generieren.
Historisch handelte Amazon mit einer Prämienbewertung und notierte in den vergangenen zwei Jahren meist mit einem Forward-KGV zwischen 25 und 40. Wendet man ein 25-faches Multiple auf den projektierten EPS der Aktie an, könnte sie bei 1.405 Dollar handeln. Das entspricht einem Anstieg auf mehr als das Vierfache gegenüber dem aktuellen Kurs. Bei diesem Multiplikator wäre eine Investition von etwas mehr als 10.000 Dollar im Jahr 2035 mehr als 56.000 Dollar wert.
Natürlich könnte Amazon dieses bereinigte EPS-Wachstum verfehlen und/oder das Bewertungsmultiple könnte schrumpfen. Dennoch handelt es sich um eines der bestgeführten Unternehmen der Welt, und das langfristige Aufwärtspotenzial erscheint beträchtlich. Der Autor der Analyse fasst sein Fazit entsprechend zusammen: "Ich wäre ein Käufer der Aktie."
Für deutsche Anleger ist dabei wichtig: Die genannten Dollar-Beträge und Bewertungskennzahlen stammen aus einer US-Analyse und sind keine Prognosegarantie. Derartige Szenariorechnungen beruhen auf Annahmen zum Gewinnwachstum und zur Bewertung, die sich jederzeit ändern können. Wer in Amazon investiert, sollte sowohl die Chancen im KI- und Cloud-Geschäft als auch das Risiko einer möglichen Neubewertung der Aktie im Blick behalten.
