Adam Parker: Warum die Buy-and-Hold-Strategie vor dem Aus steht
Der Anteil der Aktien, die den S&P 500 langfristig schlagen, sinkt – Adam Parker von Trivariate Research sieht die klassische Buy-and-Hold-Regel infrage gestellt.

Seit Jahrzehnten gilt an der Wall Street eine goldene Regel: Siegreiche Aktien kaufen und für immer halten. Doch diese Strategie könnte nach Einschätzung von Adam Parker, dem Gründer von Trivariate Research, ihrem Ende entgegengehen. Der Grund liegt in einer strukturellen Veränderung des Marktes, die den Abstand zwischen Gewinnern und Verlierern immer weiter vergrößert.
Nach Parkers Analyse haben der Aufstieg kurzfristiger Optionen und gehebelter ETFs entscheidend dazu beigetragen, die Kluft zwischen den erfolgreichen und den schwachen Titeln im Aktienmarkt auszuweiten. Diese Instrumente sorgen dafür, dass sich Kursbewegungen verstärken und sich die Schere zwischen einzelnen Aktien weiter öffnet. Für Anleger, die auf breite Streuung und langes Durchhalten setzen, wird es dadurch schwieriger, verlässlich vom Gesamtmarkt zu profitieren.
Die unmittelbare Folge dieser Entwicklung: Der Anteil der Aktien, die den S&P 500 über einen langen Zeitraum übertreffen, ist zurückgegangen. Mit anderen Worten – immer weniger Einzelwerte schaffen es, den breiten US-Index langfristig zu schlagen. Wer früher auf eine Handvoll starker Titel setzte und diese einfach hielt, konnte damit noch zuverlässig den Markt übertreffen. Diese Logik verliert nach Parker an Tragfähigkeit.
Was das für Anleger bedeutet
Aus dieser Verschiebung ergibt sich für Parker eine klare Konsequenz: Die Notwendigkeit, dass aktive Manager flexibel bleiben, nimmt zu. Wenn weniger Aktien den Index langfristig übertreffen, reicht es nicht mehr aus, einmal eine Position aufzubauen und sie dauerhaft zu halten. Stattdessen gewinnt die Fähigkeit an Bedeutung, Positionen anzupassen und auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren.
Für deutsche Privatanleger ist diese Debatte insofern relevant, als die Buy-and-Hold-Strategie hierzulande als klassische Empfehlung für den langfristigen Vermögensaufbau gilt. Breit gestreute Indexfonds setzen genau auf die Annahme, dass der Markt über lange Sicht steigt und Einzeltitelauswahl kaum Mehrwert bringt. Parkers Argument stellt diese Grundannahme nicht grundsätzlich infrage, deutet aber an, dass die Auswahl und das aktive Management von Einzelaktien anspruchsvoller geworden sind.
Die entscheidenden Punkte im Überblick:
- Der Aufstieg kurzfristiger Optionen vergrößert die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern.
- Gehebelte ETFs verstärken diese Entwicklung zusätzlich.
- Immer weniger Aktien übertreffen den S&P 500 langfristig.
- Für aktive Manager wird Flexibilität damit wichtiger als starres Festhalten.
Ob sich Parkers Einschätzung als dauerhaftes Marktphänomen erweist, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass die Bedingungen, unter denen die klassische Buy-and-Hold-Regel entstanden ist, sich verändert haben. Anleger, die auf langfristigen Vermögensaufbau setzen, sollten diese Debatte aufmerksam verfolgen – sie berührt eine der grundlegendsten Annahmen des Investierens.
