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Zentralbanker: Gold bleibt trotz steigender Staatsanleiherenditen strategische Währungsreserve

Notenbanker aus Italien und Deutschland betonen auf der LBMA-Konferenz in Sorrento den sicheren Hafen – trotz des Renditeanstiegs bei Staatsanleihen.

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Zentralbanker: Gold bleibt trotz steigender Staatsanleiherenditen strategische Währungsreserve

Gold bleibt nach Einschätzung führender Notenbanker ein strategisches Reserveaktivum. Auf der Jahreskonferenz der London Bullion Market Association (LBMA) in Sorrento in Italien verwiesen zwei Zentralbanker am Montag auf anhaltende Bedenken hinsichtlich steigender Staatsverschuldung und geopolitischer Instabilität. Diese Faktoren stärken nach ihren Worten die Anziehungskraft des Edelmetalls als sicherer Hafen – und das, obwohl die Renditen von Staatsanleihen in diesem Jahr deutlich gestiegen sind.

Normalerweise gerät der Goldpreis unter Druck, wenn die Anleiherenditen steigen. Der Grund dafür sind die Opportunitätskosten: Höhere Renditen erhöhen den entgangenen Ertrag für das Halten einer zinslosen Anlage. In diesem Jahr griff dieser Mechanismus jedoch nur teilweise. Zwar fielen die Goldpreise um 4%, nachdem die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen auf mehrjährige Höchststände gesprungen waren. Gestützt durch Käufe der Zentralbanken und die Nachfrage nach sicheren Häfen blieben die Notierungen Analysten zufolge jedoch über $4 000.

„Gold ist ein sicherer Hafen, wahrscheinlich der sicherste Hafen, wie seine Performance im Laufe der Zeit und in einer breiten Palette von Krisen beweist“, sagte Sergio Nicoletti Altimari, stellvertretender Gouverneur der Bank of Italy, auf der Konferenz. „Diese Rolle ist heute in einem Umfeld mit hohem geopolitischen Risiko und Sorgen wegen wirtschaftlicher Fragmentierung besonders relevant.“

Die Details

Der Präsident der Bundesbank, Joachim Nagel, erklärte, dass steigende Renditen die relative Attraktivität von Anleihen unter den Verwaltern von Reserveanlagen erhöhten. Allerdings bleibe das Argument für eine Diversifizierung in Gold signifikant, angesichts anhaltender geopolitischer Spannungen und des Kreditrisikos, das mit hohen Schuldenständen verbunden sei, fügte er hinzu.

Auf der Nachfrageseite rechnen Analysten mit einem Rückgang, aber auf hohem Niveau. Laut der Juni-Prognose der Beratungsfirma Metals Focus soll die Nachfrage der Zentralbanken nach Gold im Jahr 2026 um 15% jährlich sinken und auf 720 metrische Tonnen fallen. Dennoch wird sie damit über dem Niveau vor 2022 liegen.

Altimari zufolge hat der Goldmarkt seit 2022 einen strukturellen Wandel erfahren, der durch Käufe der Zentralbanken in Schwellenländern getrieben wurde. Die Nachfrage sei zudem durch Bedenken hinsichtlich hoher öffentlicher Verschuldung und fiskalischer Expansion gestützt worden. Dadurch habe sich die traditionelle inverse Beziehung zwischen Gold und realen Anleiherenditen abgeschwächt. „Diese Kräfte wurden letzten Jahr und zu Beginn dieses Jahres besonders deutlich, als die traditionelle Beziehung zwischen Gold und realen Renditen erheblich schwächer wurde“, sagte der stellvertretende Gouverneur der Bank of Italy.

Auch aus Asien kam auf der Konferenz ein Hinweis auf veränderte Marktstrukturen. Der Vizepräsident der Shanghai Gold Exchange, Zeng Hui, sagte, der Goldmarkt habe in den letzten Jahren tiefgreifende Veränderungen in seiner Nachfragestruktur und seinem Preisfindungsrahmen erlebt. In China, dem größten Goldverbraucher der Welt, werde der Markt zunehmend von Investitionsnachfrage und institutionellen Anlegern getrieben. Der Kauf von Barren und Münzen habe die Schmucknachfrage im Jahr 2025 zum ersten Mal übertroffen, so Zeng Hui.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 13.06.2026 berichtete aktien.news, dass der Goldpreis in den letzten Jahren durch eine Kombination aus exzessiven Staatsausgaben, gestiegenen geopolitischen Risiken und einem schwindenden Vertrauen in den US-Dollar angetrieben wurde. Während die breiteren Aktienmärkte zuletzt nachgaben, hielt sich Gold stabil – ein Muster, das sich in Krisenzeiten seit Jahrhunderten wiederholt. An den fundamentalen Treibern habe sich dabei nichts geändert, das geopolitische Risiko sei sogar weiter gestiegen.

Am 12.04.2026 berichtete aktien.news über einen Sonderbericht von BCA Research, wonach Gold weit über seine traditionelle Rolle als „sicherer Hafen“ hinausgewachsen ist. Demnach bietet das Edelmetall eine überlegene Liquidität und Diversifikationsvorteile, die das Fehlen von Renditen selbst in einem Hochzinsumfeld überwiegen. BCA Research stellte in dem Bericht klar, dass der Goldmarkt weiterhin außergewöhnlich tief ist – ein Argument, das auch für institutionelle Anleger mit großen Positionen relevant ist.

Am 01.10.2026 berichtete aktien.news, dass sich die klassische inverse Beziehung zwischen Gold und Anleihen verändert hat. Diese Einschätzung vertraten Sprott Managing Partner John Hathaway und Incrementum-Partner Ronald-Peter Stöferle am 22. September auf dem Precious Metals Summit in Beaver Creek im US-Bundesstaat Colorado. Nach ihrer Darstellung gewinnt das gelbe Edelmetall zunehmend an Bedeutung als monetäre Alternative zu Staatsanleihen und zum US-Dollar. Dies könnte auf einen strukturellen Wandel hindeuten und nicht auf einen weiteren zyklischen Bullenmarkt.

Am 13.08.2026 berichtete aktien.news, dass Gold im Jahr 2026 bislang eine turbulente Reise hinter sich hat. Zu Jahresbeginn erreichte das Edelmetall laut Goldprice.org ein Zehnjahreshoch von über 5.300 US-Dollar pro Unze, bevor es um bis zu 18 % einbrach. Die damals vergangene Woche markierte die stärkste Wochenperformance seit Januar, und Goldminenaktien erlebten ihre kräftigste Fünf-Tage-Rally seit 2008. Die Performance seit Jahresbeginn war damit wieder nahezu ausgeglichen, und im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lag der Goldpreis noch immer um über 1.000 US-Dollar höher.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger verschiebt sich damit die Interpretationsfolie für Gold. Wer das Edelmetall bislang vor allem als Gegenposition zu fallenden Anleiherenditen betrachtete, muss zur Kenntnis nehmen, dass diese Mechanik nach Einschätzung der Konferenzteilnehmer an Kraft verloren hat. An ihre Stelle treten andere Treiber: die Nachfrage von Zentralbanken, insbesondere in Schwellenländern, sowie die Sorge um hohe öffentliche Schuldenstände und geopolitische Risiken.

Gleichzeitig bleibt Gold ein zinsloses Investment. Steigende Renditen erhöhen die Opportunitätskosten, wie Nagel indirekt bestätigte, als er auf die gestiegene relative Attraktivität von Anleihen unter Reserveverwaltern verwies. Der Preisrückgang von 4% in diesem Jahr zeigt, dass dieser Effekt nicht verschwunden ist. Dass die Notierungen dennoch über $4 000 blieben, verweist auf eine Nachfragebasis, die sich von der reinen Renditebetrachtung abgekoppelt hat.

Die Metals-Focus-Prognose ist in diesem Zusammenhang kein Widerspruch, sondern eine Niveauaussage: Ein Rückgang der Zentralbanknachfrage um 15% jährlich auf 720 metrische Tonnen im Jahr 2026 wäre immer noch mehr als vor 2022. Für Anleger bedeutet das, dass ein Teil der außergewöhnlichen Nachfrage nachlassen könnte, ohne dass die strukturelle Unterstützung vollständig wegfällt. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.

Ausblick

Der Blick richtet sich laut der Metals-Focus-Prognose auf das Jahr 2026, für das die Beratungsfirma mit der beschriebenen Entwicklung der Zentralbanknachfrage rechnet. Bereits am 13.08.2026 hatte aktien.news berichtet, dass Fed-Zinserwartungen und Inflation die nächste Richtung des Goldpreises bestimmen dürften. Auf der LBMA-Konferenz in Sorrento wurden keine weiteren konkreten Termine oder Prognosen genannt.

Kurz erklärt

  • Opportunitätskosten: der entgangene Ertrag, der entsteht, wenn Kapital in einer Anlage ohne laufende Zinsen gebunden wird statt in eine verzinsliche Alternative.
  • Währungsreserve: die von einer Zentralbank gehaltenen Vermögenswerte, mit denen sie die eigene Währung stützt und Zahlungsfähigkeit nach außen sichert.
  • Inverse Beziehung: ein Zusammenhang, bei dem sich zwei Größen gegenläufig entwickeln – steigt die eine, fällt tendenziell die andere.
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