Wüst reist mit Wirtschaftselite an den Golf
Wasserstoff, KI und stille Diplomatie in Katar und den Emiraten

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst ist mit einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation in die Golfregion gereist. Ziel der fünftägigen Reise nach Katar und in die Vereinigten Arabischen Emirate ist es, die wirtschaftlichen Beziehungen auszubauen, Investitionen anzustoßen und politische Gesprächskanäle zu erneuern. In den Fokus rücken dabei vor allem die Themen Wasserstoff, künstliche Intelligenz und internationale Kapitalflüsse. Die Reise gilt als Teil einer strategischen Neuausrichtung, nachdem die Abhängigkeit von russischem Gas und steigende Energiepreise die deutsche Wirtschaft unter Druck gesetzt haben.
Wüst wird von Spitzenvertretern bedeutender deutscher Unternehmen begleitet, darunter Markus Krebber von RWE, Michael Lewis von Uniper, Miguel Lopez von Thyssenkrupp, Mark Lohweber von Adesso sowie Frank Koch von der SwissSteel-Group. Auch Vertreter von Messe Düsseldorf, DHL, Westenergie und dem Duisburger Hafen nehmen teil. Hinzu kommen Wissenschaftler wie Astrid Lambrecht vom Forschungszentrum Jülich und Matthias Wessling von der RWTH Aachen. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, bestehende Partnerschaften zu vertiefen und neue Kooperationsfelder zu erschließen.
Ein konkretes Beispiel für die laufende Zusammenarbeit ist die Erweiterung einer Thyssenkrupp-Anlage zur Produktion von blauem Ammoniak in Doha. Dieser chemische Wasserstoffträger entsteht mithilfe von Erdgas, wobei das dabei entstehende Kohlendioxid abgeschieden und gespeichert wird. Ab 2026 sollen dort täglich rund 3500 Tonnen produziert werden. Der Zugriff auf kostengünstigen Wasserstoff gilt als Schlüssel zur nachhaltigen Transformation der industriellen Produktion in Deutschland.
Auch politische Aspekte spielen eine Rolle bei der Reise. Besonders die Beziehungen zu Katar sollen verbessert werden. Die Kritik aus Deutschland im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 hatte die diplomatischen Kontakte belastet. NRW setzt nun auf einen politischen Neuanfang, ohne dabei menschenrechtliche Themen auszuklammern. Laut Angaben aus Düsseldorf sollen entsprechende Gespräche jedoch vertraulich geführt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Technologiebereich. Nordrhein-Westfalen strebt danach, ein führender Standort für Anwendungen künstlicher Intelligenz zu werden. Dabei sind sowohl Investitionen als auch Forschungskooperationen mit den Golfstaaten vorgesehen. Der künftige wirtschaftliche Kurs beider Seiten wird mit ähnlichen Leitsätzen beschrieben: Während NRW von „Kohle zu KI“ spricht, lautet das Motto in Katar „From Oil to AI“.
