WTO-Chefin Okonjo-Iweala fordert dringende Reform des Welthandels
Vor wichtigem Treffen in Kamerun: Generaldirektorin sieht US-Zölle als Weckruf für notwendige Systemveränderungen

Die Generaldirektorin der Welthandelsorganisation (WTO), Ngozi Okonjo-Iweala, hat sich für eine grundlegende Reform des globalen Handelssystems ausgesprochen. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz am Freitag räumte sie ein, dass die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle ein deutliches Signal für Reformbedarf seien. Das Statement erfolgt nur wenige Wochen vor einem wichtigen WTO-Treffen in Kamerun im März.
Trump hatte im vergangenen Jahr per Dekret Zölle zwischen 10 und 41 Prozent auf Importe aus Dutzenden Ländern verhängt. Der Oberste Gerichtshof der USA prüft derzeit die Rechtmäßigkeit dieser Maßnahmen. "Die Maßnahme mag uns nicht gefallen, aber wir müssen das Signal ernst nehmen, dass wir viele Aspekte des Welthandelssystems reformieren müssen", erklärte Okonjo-Iweala in München.
Die nigerianische Ökonomin beschrieb das aktuelle System als "widerstandsfähig, aber nicht robust". Durch notwendige Reformen müsse die WTO gestärkt werden, betonte sie. Konkrete Details zu den geplanten Änderungen nannte die Generaldirektorin jedoch nicht. Die Äußerungen deuten auf intensive Verhandlungen hinter den Kulissen hin.
Kritik an europäischer Passivität
Scharf kritisierte Okonjo-Iweala das "Klagen" über die US-Handelspolitik. Stattdessen forderte sie Europa und die mittleren Handelsmächte auf, mehr Führungsstärke zu zeigen. Die WTO-Chefin macht damit deutlich, dass die Reform des Welthandelssystems nicht allein von den USA ausgehen kann, sondern eine gemeinsame Anstrengung erfordert.
Das anstehende Treffen in Kamerun gilt als entscheidend für die Zukunft der multilateralen Handelsordnung. Beobachter erwarten, dass dort erste konkrete Reformvorschläge diskutiert werden. Die WTO steht unter zunehmendem Druck, ihre Streitschlichtungsmechanismen zu modernisieren und auf neue Handelsrealitäten zu reagieren.
Für deutsche Exporteure könnte eine Reform der WTO weitreichende Folgen haben. Deutschland ist als exportorientierte Volkswirtschaft besonders auf funktionierende internationale Handelsregeln angewiesen. Die Bundesregierung hat wiederholt die Bedeutung der WTO für die deutsche Wirtschaft betont und Reformen grundsätzlich befürwortet.
