Rubio bekräftigt transatlantisches Bündnis trotz Trump-Kritik an Europa
US-Außenminister versichert tiefe Partnerschaft, während Spannungen über NATO-Ausgaben und Grönland fortbestehen

US-Außenminister Marco Rubio hat am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz das tiefe Bündnis zwischen den USA und Europa bekräftigt. Trotz anhaltender Spannungen unter Präsident Donald Trump betonte Rubio, dass Washington kein Interesse daran habe, die transatlantische Partnerschaft aufzugeben. Die USA strebten vielmehr ein "neu belebtes Bündnis" an, das selbstbewusst für westliche Werte eintrete.
Die Versicherung erfolgt vor dem Hintergrund wiederholter Kritik Trumps an Europa. Der US-Präsident hatte die NATO-Verbündeten zuletzt massiv unter Druck gesetzt, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Auch sein Interesse am Erwerb Grönlands, eines dänischen Territoriums, hatte in den vergangenen Monaten für Irritationen bei europäischen Staats- und Regierungschefs gesorgt.
Rubio verwies auf außenpolitische Erfolge der Trump-Administration, darunter Fortschritte beim Israel-Gaza-Konflikt und bei Verhandlungen zur Beendigung des russischen Krieges gegen die Ukraine. Diese Erfolge seien dort gelungen, wo multilaterale Organisationen wie die Vereinten Nationen gescheitert seien, so der US-Außenminister vor den versammelten europäischen Staats- und Regierungschefs.
Kritik an vergangener Politik
In seiner Rede übte Rubio deutliche Kritik an der Politik vergangener Jahrzehnte. Er bemängelte die Begünstigung von Massenmigration, die Auslagerung von Lieferketten und die "Deindustrialisierung" des Westens. Diese Entwicklungen seien "nicht unvermeidlich" gewesen, betonte der Außenminister. Gleichzeitig skizzierte er Möglichkeiten für eine verstärkte transatlantische Zusammenarbeit, um in den Industrien des 21. Jahrhunderts führend zu werden.
Selenskyj dankt USA und kritisiert Biden
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj drückte seinen Dank für die amerikanische Unterstützung im Kampf gegen Russland aus. Gleichzeitig kritisierte er jedoch die Regierung von Trumps Vorgänger Joe Biden dafür, die Militärhilfe für die Ukraine nur langsam hochgefahren zu haben. Scharfe Worte fand Selenskyj auch für den Iran, der die Drohnen liefere, die Russland für Angriffe auf ukrainisches Territorium nutze.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte forderte die Mitgliedsländer auf, die militärische Unterstützung für die Ukraine im Rahmen der "Prioritised Ukraine Requirements List" (PURL) zu verstärken. Die Initiative soll sicherstellen, dass die Ukraine die dringend benötigte Ausrüstung erhält.
Von der Leyen fordert europäische Unabhängigkeit
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warnte vor "der ganz klaren Bedrohung durch äußere Kräfte", die versuchten, die Europäische Union von innen heraus zu schwächen. Europa müsse "in jeder Dimension, die unsere Sicherheit und unseren Wohlstand betrifft, unabhängiger werden", sagte von der Leyen. Dies betreffe Verteidigung und Energie ebenso wie Wirtschaft, Handel, Rohstoffe und digitale Technologie.
Die Kommissionspräsidentin betonte jedoch, dass mehr europäische Eigenständigkeit keine Schwächung der transatlantischen Bindung bedeute. Die EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas hatte am Freitag die europäischen Staats- und Regierungschefs aufgefordert, sich der russischen Aggression entgegenzustellen.
MSC warnt vor "Abrissbirnen-Politik"
Die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) hatte in ihrem Bericht für 2026 gewarnt, dass "die Welt in eine Ära der Abrissbirnen-Politik eingetreten ist". Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Organisation, sagte gegenüber CNBC, es sei Europas "eigene Schuld", dass sein Einfluss auf der Weltbühne geschwunden sei. Die Europäer stünden bei den Verhandlungen über Gaza und die Ukraine "völlig im Abseits".
Laut MSC-Bericht stehe Trump "an der Spitze derer, die versprechen, ihre Länder von den Fesseln der bestehenden Ordnung zu befreien". Er sei Teil einer Bewegung, die "von Ressentiments und Bedauern über den liberalen Kurs getrieben wird".
