Was mit Staatsanleiherenditen nach Zinserhöhungsphasen geschieht
Die Fed bereitet den ersten Zinsanstieg seit Juli 2023 vor – mit Folgen für Anleihen und Aktien.

Die Finanzmärkte stellen sich auf eine geldpolitische Zäsur ein: Die US-Notenbank Federal Reserve wird voraussichtlich am Mittwoch die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte anheben. Es wäre der erste Zinsanstieg seit Juli 2023. Viele Beobachter erwarten, dass dieser Schritt den Auftakt zu einem längeren Erhöhungszyklus bildet.
Händler positionieren sich darauf, dass die Fed die Zinsen auf eine Spanne von 3,75 bis 4,0 Prozent anhebt. Ein solcher Schritt könnte die Aktienmärkte kurzfristig belasten. Gleichzeitig drohen die Renditen von Staatsanleihen weiter zu steigen, wie eine Analyse der Deutsche Bank zeigt.
Historische Muster bei Anleiherenditen
Laut einem am Montag veröffentlichten Bericht der Deutsche Bank zeigt die Historie, dass die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen in den meisten Zinserhöhungszyklen deutlich ansteigen. Im Durchschnitt bewegen sie sich zwölf Monate nach Beginn eines solchen Zyklus um etwa 1,14 Prozentpunkte nach oben.
Die einzige Ausnahme seit 2004: Im Jahr 2004 fielen die Renditen im ersten Jahr nach Beginn eines Zinserhöhungszyklus. „Also ist es normalerweise kein positives Signal für die Renditen, wenn die Fed erhöht“, sagt Jim Reid, globaler Leiter der makroökonomischen Forschung bei der Deutschen Bank.
Mögliche Entlastung durch „Baby-Zyklus“
Es gibt jedoch Gründe, warum dieser Zyklus milder ausfallen könnte als frühere Phasen. Die Ökonomen der Deutschen Bank erwarten, dass der bevorstehende Erhöhungszyklus weniger aggressiv ausfällt als in vergangenen Jahren – sie sprechen von einem „Baby-Zyklus“. In diesem Szenario könnten die Anleiherenditen weniger dramatisch steigen.
Zudem liegt der Startpunkt bereits auf einem hohen Niveau. Anleihenhändler trieben die zehnjährigen Renditen am frühen Montagmorgen auf bis zu fünf Prozent. Dieser hohe Ausgangswert könnte laut der Deutschen Bank zu einem moderateren Effekt führen – möglicherweise zu einem Anstieg von nur etwa 0,7 Prozentpunkten, so Reid.
Auswirkungen auf Aktien und Immobilien
Stark steigende Anleiherenditen können Staatsanleihen attraktiver machen als Aktien und andere risikoreiche Anlagen. Das könnte negativ auf die US-Aktienmärkte wirken, da Anleger umschichten. Auch der Immobilienmarkt ist betroffen: Hypothekenzinsen korrelieren eng mit den Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen. Höhere Renditen verteuern damit den Immobilienkauf spürbar.
Die Geschichte spricht jedenfalls nicht dafür, dass die Renditen in den kommenden Monaten fallen werden. Anleger sollten sich auf weiter steigende Zinsen und deren Folgen für verschiedene Anlageklassen einstellen.
