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Fed-Zinsentscheid: Inflation oder Glaubwürdigkeit im Fokus

US-Notenbank vor Zinserhöhung – doch die Gründe gehen weit auseinander

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Fed-Zinsentscheid: Inflation oder Glaubwürdigkeit im Fokus

Die US-Notenbank Fed steht vor einer richtungsweisenden Entscheidung: Nach dem jüngsten Inflationsbericht des Consumer Price Index (CPI) stiegen die Wahrscheinlichkeiten für eine Zinserhöhung von 72 Prozent am Vortag auf 86 Prozent. Doch hinter dieser scheinbaren Einstimmigkeit verbirgt sich ein tiefer Riss innerhalb der Marktbeobachter.

Während die eine Fraktion eine restriktivere Geldpolitik zur Eindämmung der hohen Inflation befürwortet, sieht die andere einen Zinsanstieg vor allem aus Gründen der Glaubwürdigkeit. Der neu ernannte Fed-Vorsitzende Kevin Warsh habe sich „selbst in eine Ecke gemalt“, wie es in Analystenkreisen heißt, und das Offenmarktkomitee müsse nun die Zinsen erhöhen, um die Reputation der Notenbank zu wahren.

Warsh' klare Worte in Jackson Hole

Erinnern wir uns an Warsh' Rede auf der Jackson-Hole-Konferenz vor zwei Wochen. Dort sagte er: „Ich bin beeindruckt von der allgemeinen Leistungsfähigkeit der Wirtschaft, die sich gestärkt hat. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,1 Prozent und bleibt nach historischen Maßstäben niedrig. Aber auf der Seite der Preisstabilität unserer Mandate sind die Zahlen besorgniserregender.“ Das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, der jährliche PCE-Preisindex, liege bei 3,7 Prozent. „Und obwohl die PCE- und CPI-Werte dieses Sommers besser als erwartet waren, sagen sie mir nicht, dass sich die zugrunde liegenden Trends signifikant verbessert haben“, so Warsh weiter.

Vor diesem Hintergrund stieg der Kern-CPI im August im Jahresvergleich um 2,4 Prozent, annualisiert monatlich um 3,5 Prozent. Im Jahresvergleich ist dies der niedrigste Wert seit der Corona-Pandemie – eine Verbesserung, wenn auch von „glazialer Geschwindigkeit“, wie Beobachter anmerken.

Einmalige Effekte oder strukturelle Inflation?

Auffällig war ein anomal großer Anstieg der Preise für drahtlose Dienste. Ohne diesen wäre der Wert um ein Zehntelprozentpunkt niedriger ausgefallen. Frederik Ducrozet, Stratege bei Pictet Wealth Management, kommentierte auf Twitter: „Verrückt, wie Warsh sich selbst in diese Situation manövriert hat. Ohne eine einmalige Anpassung der Preise für drahtlose Telekommunikationsdienste hätte die Fed pausieren können.“

Noch deutlicher wurde Albert Edwards von Société Générale: „Es wäre kriminell dumm der Fed, die Zinsen zu erhöhen, wenn der Kern-CPI jahresvergleichsweise in einem Bereich von 1–3 Prozent liegt und sich verlangsamt – ebenso wie die Löhne. Zudem liegt der Kern-CPI ohne Wohnkosten genau bei 2 Prozent, und das seit drei vollen Jahren nahe bei 2 Prozent.“

Stephen Miran, ehemaliger Vorsitzender des Council of Economic Advisors unter Trump und kurzzeitig Fed-Gouverneur, äußerte sich vor Veröffentlichung des CPI-Berichts ähnlich: „Die Fed hat sich in eine Position manövriert, in der die Politik letztlich eine Funktion des nächsten Inflationswerts sein wird. Ich denke nicht, dass eine Zinserhöhung der richtige Schritt ist; ich glaube, dass die Inflationsdaten in den letzten Monaten jeden Monat gesunken sind.“

Die Gegenposition: Inflation bleibt zu hoch

Dennoch gibt es gewichtige Argumente für eine Zinserhöhung. Das offizielle Inflationsmaß der Fed ist der PCE, nicht der CPI. Der PCE ist anders gewichtet – insbesondere hat Wohnen ein geringeres Gewicht. In letzter Zeit lag der PCE höher, und für August wird erwartet, dass er bei oder über 3 Prozent bleibt. Dies ist kein sich verbessernder Trend.

Zudem ist es riskant, unangenehm hohe Werte wie den diesmonatigen Wert für drahtlose Dienste einfach herauszurechnen. Preisanstiege sind klumpig, und wenn es nicht das eine ist, dann wahrscheinlich etwas anderes. Der wirtschaftliche Kontext deutet darauf hin, dass weitere Inflations-„Klumpen“ zu erwarten sind.

Die zyklischen Teile des Arbeitsmarktes erwärmen sich in einer Weise, die angesichts eines flachen oder schrumpfenden Arbeitskräftebestands bemerkenswert ist. Die Knappheit am Arbeitsmarkt könnte sich in höherem Lohnwachstum zeigen. Hinzu kommen steigende Frachtkosten: Der Produzentenpreisindex für Transportdienstleistungen liegt nahe bei 14 Prozent, die Seefrachtpreise steigen sogar noch schneller. Mehrere Konsumgüterunternehmen haben bereits beklagt, dass höhere Frachtkosten ihre Margen beeinträchtigen.

Fazit: Eine Frage der Perspektive

Die Debatte zeigt, dass die Inflation in den USA keineswegs als besiegt gelten kann. Ob die Fed diese Woche die Zinsen erhöht – aus Inflationsbekämpfung oder schlicht zur Wahrung der Glaubwürdigkeit –, wird die Märkte in den kommenden Tagen bewegen. Fest steht: Die wirtschaftlichen Daten liefern Argumente für beide Lager, und die Entscheidung wird richtungsweisend für die weitere Geldpolitik sein.

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