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Wall Street übernimmt wieder die Führung am Aktienmarkt von Privatanlegern

Institutionelle Anleger halten ihre Aktienpositionen trotz steigender US-Staatsanleiherenditen stabil, während Privatanleger an den Rand gedrängt werden.

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Wall Street übernimmt wieder die Führung am Aktienmarkt von Privatanlegern

Nach Jahren, in denen Privatanleger den Aktienmarkt mit starken Zuflüssen prägten, verschiebt sich die Machtbalance wieder. Daten des Analysehauses Vanda Research zeigen, dass institutionelle Anleger das Ruder am Aktienmarkt übernehmen, während Privatanleger zunehmend an die Seitenlinie gedrängt werden. Große Investoren haben ihre Aktienengagements trotz sprunghaft steigender Renditen bei US-Staatsanleihen stabil gehalten.

„Institutionelle Anleger waren in dieser Woche der makroökonomischen Volatilität gegenüber überraschend resilient", schrieb Viraj Patel, globaler Market Strategist bei Vanda, am Freitag an seine Kunden. Die Optionsströme institutioneller Anleger lagen laut den Daten rund dreimal höher als im typischen September. Patel erklärte, die Geldflüsse großer Investoren hätten sich in den vergangenen fünf Handelstagen erholt, obwohl die Renditen für zehnjährige und dreißigjährige US-Staatsanleihen auf ihre höchsten Werte seit mehr als einem Jahrzehnt gestiegen sind.

Der Strategist wertet das als „hinreichend konstruktives Signal für die Risikobereitschaft" unter institutionellen Anlegern, das sich hinter der breiteren Geschichte der Risikoreduzierung verbirgt. Patel zufolge kaufen institutionelle Händler angesichts der Volatilität ausgewählte KI-Aktien. Als Top-Pick der vergangenen Woche hob er insbesondere Meta Platforms hervor.

Die Details

Die Aktien des Facebook-Mutterunternehmens sind in der Woche nach dem Start des Geräts Muse Charm um fast 13 Prozent gestiegen. Der Aufwärtstrend habe sich verstärkt, seitdem Meta Ende dieses Monats seinen persönlichen KI-Agenten Muse vorstellte. „Makroökonomische Unsicherheiten stoppen nicht die Risikobereitschaft", so Patel. Stattdessen „machen sie die Anleger weitaus selektiver".

Auf der anderen Seite stehen die Privatanleger, die 2025 eine hervorragende Performance verzeichneten. Das brachte ihnen sogar den Spitznamen des „dummen Geldes" ab – ein Titel, den einige Beobachter ihnen daraufhin absprachen. Ein Teil dieser Leistung wird der Entscheidung zugeschrieben, Kursrückschläge während der Marktabschwünge nach der Einführung der Zölle durch Präsident Donald Trump als Einstiegsmöglichkeiten genutzt zu haben.

Doch dieser Vorsprung scheint zu schmelzen. Goldman Sachs stellte fest, dass der Anteil der Privatanleger am Handelsvolumen des S&P 500 seit seinem Höchststand vor knapp einem Jahr rückläufig ist. Aktuell liegt er mehr als drei Prozentpunkte unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt, so die Bank. Der S&P 500 schloss letzte Woche trotz des Drucks durch steigende Staatsanleiherenditen um mehr als 1 Prozent höher. Dieser Anstieg hat den Leitindex wieder in den positiven Bereich für den Monat gehoben.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 20.07.2026 berichtete aktien.news, dass Privatanleger den „Magnificent Seven" den Rücken kehren. Die jahrelange Begeisterung privater Anleger für die größten Tech-Aktien der Welt kühlte demnach merklich ab. Wie Vanda Research zeigte, kauften Privatanleger zunehmend weniger Aktien der sogenannten „Magnificent Seven" – also <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft, Apple, Amazon, Meta, Nvidia, Alphabet und Tesla. Stattdessen floss das Kapital in neuere, weniger bekannte KI-Investments. Als Beispiele nannte der Bericht Chip-Aktien wie SK Hynix sowie den Roundhill Memory Exchange Traded Fund (ETF).

Am selben Tag dokumentierte aktien.news einen zweiten Aspekt dieses Trends: Retail-Trader richteten ihren Blick auf kleinere, spezialisierte KI-Profiteure – Chiphersteller, Speicherlieferanten und Infrastrukturunternehmen. Exemplarisch stand dafür Alex Cardona, ein 50-jähriger Direktor eines Softwareunternehmens, der einen Teil seines Portfolios gezielt in KI-Infrastrukturunternehmen umschichtete – darunter der Rechenzentrumsbetreiber Equinix und der Halbleiterhersteller Marvell Technology. Die „Magnificent Seven" spielten in seinem Portfolio kaum noch eine Rolle.

Am 21.07.2026 griff aktien.news den Befund erneut auf: Frisches Kapital strömte in Chiphersteller, Rechenzentrumsbetreiber und Speicheranbieter, während die großen Megacap-Tech-Aktien bei Anlegern wie Cardona kaum noch auf der Liste standen. Bereits am 29.04.2026 hatte aktien.news über eine Analyse der Bank of America (BofA) berichtet. Demnach waren deren Kunden in der vergangenen Woche erneut Nettoverkäufer von US-Aktien, obwohl der S&P 500 im selben Zeitraum um 0,5 Prozent zulegte. Laut Jill Carey Hall, Strategin für Aktien und quantitative Analyse bei der BofA, verzeichneten die Kunden in der sechsten Woche in Folge Abflüsse bei Einzelaktien – in einem Gesamtvolumen von 3,9 Milliarden US-Dollar. Teilweise ausgeglichen wurde dieser Trend durch Zuflüsse.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger zeigt sich damit ein Umfeld, in dem die großen institutionellen Adressen wieder stärker die Richtung vorgeben. Wer sich an deren Verhalten orientiert, sollte die von Patel beschriebene Selektivität ernst nehmen: Nicht der breite Markt, sondern einzelne KI-Titel stehen im Fokus der Profis. Gleichzeitig ist der Rückgang des Privatanleger-Anteils am Handelsvolumen des S&P 500 ein Signal dafür, dass die breite Retail-Nachfrage, die den Markt über Jahre gestützt hat, an Kraft verliert.

Bemerkenswert ist die Kombination aus hohen Staatsanleiherenditen und stabilen Aktienpositionen der Institutionellen. Normalerweise locken steigende Renditen Kapital aus riskanteren Anlagen ab. Dass dies laut Vanda diesmal nicht in größerem Umfang geschieht, deutet auf eine weiterhin vorhandene, aber deutlich wählerischere Risikobereitschaft hin. Für Anleger bedeutet das: Die Titelauswahl wird wichtiger als die reine Marktrichtung.

Ausblick

Konkrete Termine nennt der Quelltext nur wenige. Meta hat seinen persönlichen KI-Agenten Muse Ende des Monats vorgestellt, nach dem Start des Geräts Muse Charm. Wie sich die Optionsströme der institutionellen Anleger und der Anteil der Privatanleger am Handelsvolumen des S&P 500 weiter entwickeln, hängt laut Vanda maßgeblich davon ab, ob die makroökonomische Unsicherheit anhält. Patel erwartet, dass diese Unsicherheit die Anleger nicht von Risiko abhält, sie aber selektiver macht.

Kurz erklärt

  • Institutionelle Anleger: Große Profi-Investoren wie Fonds, Banken und Versicherungen, die mit sehr hohen Volumina handeln.
  • Privatanleger: Private Investoren, die mit eigenem Geld am Markt agieren und auch als Retail-Trader bezeichnet werden.
  • Staatsanleiherendite: Die Rendite, die Anleger mit Anleihen eines Staates erzielen, hier der USA.
  • Optionsströme: Das Handelsvolumen mit Optionen, also Terminkontrakten auf Aktien oder Indizes.
  • Magnificent Seven: Sammelbegriff für sieben große US-Tech-Konzerne, darunter Microsoft, Apple, Amazon, Meta, Nvidia, Alphabet und Tesla.
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