62 Prozent der Amerikaner besitzen Aktien: Warum das zu wenig ist
Gallup zufolge besaßen 2025 rund 62 Prozent der Amerikaner Aktien – ein Wert, der laut Motley Fool deutlich zu niedrig liegt.

Im Jahr 2025 besaßen 62 Prozent der Amerikaner Aktien. Das geht aus Daten des Meinungsforschungsinstituts Gallup hervor, das diese Entwicklung seit Jahren jährlich untersucht. In den vergangenen etwa 25 Jahren schwankte der Anteil der US-Bürger mit Aktienbesitz zwischen 52 Prozent und 62 Prozent.
Für viele Beobachter ist ein solcher Wert zunächst eine gute Nachricht: Ein großer Teil der Amerikaner ist an der Börse beteiligt. Der Autor eines Beitrags beim US-Finanzportal Motley Fool sieht darin jedoch keinen Grund zur Zufriedenheit. Seine These: Der Wert sollte deutlich näher bei 100 Prozent liegen. Die Argumentation ist bewusst konträr angelegt und stellt die Frage, wer eigentlich vom Wirtschaftswachstum eines Landes profitiert.
Im Zentrum der Überlegung steht ein einfacher Gedanke. Wer Aktien besitzt, ist nicht nur Zuschauer, sondern Teilhaber am wirtschaftlichen Erfolg. Wenn aber nur rund 60 Prozent der Amerikaner – und davon vorwiegend wohlhabende Haushalte – einen Anteil am Wachstum des Landes halten, dann bleiben 40 Prozent außen vor. Sie sehen zu, während andere vom Wirtschaftswachstum profitieren, das durch ihre eigene harte Arbeit mitgeneriert wird.
Die Details
Die zentrale Zahl stammt von Gallup: 62 Prozent der Amerikaner besaßen 2025 Aktien. Der Meinungsforscher erhebt diese Kennzahl seit vielen Jahren jährlich, und über einen Zeitraum von etwa 25 Jahren bewegte sich der Wert in einer Spanne zwischen 52 Prozent und 62 Prozent. Der aktuelle Stand markiert damit das obere Ende dieser Bandbreite – und ist aus Sicht des Autors dennoch zu niedrig.
Als Referenz für den richtigen Weg verweist der Beitrag auf Warren Buffett, einen der berühmtesten Investoren der Welt und ehemaligen CEO von Berkshire Hathaway (BRKA, BRKB). Buffett hat seit Langem dargelegt, dass die meisten Menschen einfach den S&P-500-Index (^GSPC) kaufen sollten und damit gut beraten wären. Seine Logik ist einfach: Die Anlage in Einzelaktien ist zeitaufwendig, emotional belastend und – offen gesagt – schwierig erfolgreich umzusetzen.
Der Kauf von Einzelaktien ist demnach keine Aufgabe, die jeder übernehmen sollte. Sinnvoll sei das vor allem für Menschen, die Freude am Investieren haben. Wer diese Freude nicht empfindet, für den kann die Auslagerung dieser Aufgabe durchaus Sinn ergeben. Der S&P 500 gilt dabei als naheliegende Wahl, weil die enthaltenen Unternehmen repräsentativ für die US-Wirtschaft stehen sollen. Der Kauf des Index ist damit im Wesentlichen eine diversifizierte Wette auf das Wirtschaftswachstum der USA.
Der Erwerb ist einfach möglich, etwa über börsengehandelte Fonds (ETFs). Genannt werden der SPDR S&P 500 ETF (SPY), der erste jemals geschaffene ETF, sowie der Vanguard S&P 500 ETF (VOO). Mit einem einzigen Handel ist man erledigt; Buffett würde jedoch wahrscheinlich empfehlen, regelmäßig weitere Beträge in den gewählten ETF zu investieren.
Die Perspektive ändert sich drastisch, wenn man den Besitz des S&P 500 nicht als Wette auf die US-Wirtschaft, sondern als Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg des Landes betrachtet. Dann zeigt sich: Nur rund 60 Prozent der Amerikaner, vorwiegend wohlhabende Amerikaner, haben einen Anteil am Wachstum des Landes. Aus Sicht des Autors wäre es besser, wenn 100 Prozent der Amerikaner davon profitieren könnten. Dann hätte jeder Amerikaner ein eigenes Interesse am Erfolg des kapitalistischen Systems der USA.
Der Autor räumt ein, kein Idealist zu sein. Ihm ist bewusst, dass 100 Prozent der Amerikaner mit Aktienbesitz ein unmögliches Ziel sind. Es gebe zu viele einzigartige Lebenssituationen, die dies verhindern würden. Dennoch bleibt seine Einschätzung: 60 Prozent sind zu niedrig.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 02.07.2026 berichtete aktien.news, dass die jüngste US-Marktrallye die Vermögenskluft weiter vertieft hat. Präsident Donald Trump feierte die Kursgewinne als Erfolg für alle Amerikaner, doch Daten der Federal Reserve zeichneten ein anderes Bild: Das Aktienvermögen in den USA ist extrem ungleich verteilt. Im ersten Halbjahr 2026 legte der Dow Jones Industrial Average um 8,9 Prozent zu, der S&P 500 um 9,6 Prozent und der Nasdaq Composite um 12,8 Prozent. Besonders stark stieg der Small-Cap-Index Russell 2000 mit einem Plus von fast 22 Prozent – sein bestes erstes Halbjahr seit 1991.
Am 30.07.2026 berichtete aktien.news über Warren Buffetts ETF-Empfehlung. Der Starinvestor hat seinen Rat für den Durchschnittsanleger immer wieder bekräftigt: Kaufe einen ETF, der den S&P 500 abbildet. Bereits auf der Berkshire-Hathaway-Jahreshauptversammlung 2020 erklärte Buffett, dass „für die meisten Menschen das Beste ist, einen S&P 500 Indexfonds zu besitzen“. Schon 2013 gab er bekannt, dass nach seinem Tod 90 Prozent des Barvermögens für seine Frau in einen S&P 500 Indexfonds fließen sollen.
Am 06.07.2026 meldete aktien.news, dass der sogenannte Buffett-Indikator die Marke von 230 Prozent überschritten und damit ein neues Allzeithoch erreicht hat. Der Indikator setzt den Gesamtwert des US-Aktienmarktes ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt der USA. Am 30.04.2026 berichtete aktien.news zudem über ein Gedankenexperiment, wonach Sozialversicherungsbeiträge direkt in den S&P 500 investiert worden wären – mit einem Guthaben von mehr als 4 Millionen US-Dollar im Fall des Autors Quentin Fottrell.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Debatte in mehrfacher Hinsicht relevant. Sie zeigt erstens, wie stark die Beteiligung am Kapitalmarkt von der Vermögenssituation abhängt – ein Muster, das sich auch in Deutschland beobachten lässt. Zweitens verweist der Beitrag auf einen simplen, breit diversifizierten Ansatz, den Buffett seit Jahren empfiehlt: den Kauf eines Indexfonds auf den S&P 500 statt der Auswahl einzelner Aktien.
Wer sich für einen solchen ETF interessiert, sollte beachten, dass es sich um eine Investition in die US-Wirtschaft handelt – verbunden mit entsprechenden Währungs- und Marktrisiken. Der Beitrag nennt als Beispiele den SPDR S&P 500 ETF (SPY) und den Vanguard S&P 500 ETF (VOO). Eine regelmäßige Investition weiterer Beträge wird als sinnvoll beschrieben. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Der Autor betont zudem die Bedeutung finanzieller Bildung. Ein Weg, mehr Menschen zum Investieren zu bewegen, sei die Verbesserung der Finanzbildung – idealerweise bereits in der Mittelschule, wenn nicht sogar früher. Finanzwissen ließe sich leicht in Mathematikstunden integrieren. Ein früher Start würde die Botschaft vermitteln, bevor die Komplexität des Lebens das Erlernen von Finanzthemen zu einem zeitlichen Aufwand macht, den sich manche nicht leisten können.
Ausblick
Als weitere Option nennt der Beitrag die Schaffung von Konten für Kinder, die zumindest teilweise staatlich gefördert werden. Die aktuelle Regierung versuche, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Der Autor weist darauf hin, dass dies keine neue Idee ist – sie wurde bereits lange von Personen aus dem gesamten politischen Spektrum vorgeschlagen. Es sei noch zu früh, um den Erfolg solcher Konten einzuschätzen. Der Autor zeigt sich jedoch optimistisch, dass diese Konten viele Leben verändern werden.
Persönlich verbindet der Autor das Thema mit seiner eigenen Geschichte: Sein Vater habe ihm den Wert des Investierens beigebracht, etwas, das dieser wiederum von seinem eigenen Vater gelernt hatte. Nicht jeder erhalte diese Lektion, und manchmal reiche die Lehre allein nicht aus, weil das Leben schwierig und kostspielig sei. Seine Schlussfolgerung bleibt: 60 Prozent der Amerikaner mit Aktienbesitz liegen weit unter dem idealen Ziel von 100 Prozent – und lassen zu viele Menschen ohne eigenes Interesse am enormen Wohlstand zurück, den das US-Wirtschaftswachstum für so viele geschaffen hat.
Kurz erklärt
- S&P 500: Ein Aktienindex, der die Entwicklung der größten börsennotierten US-Unternehmen abbildet.
- ETF: Ein börsengehandelter Fonds, der einen Index nachbildet und wie eine Aktie gehandelt wird.
- Diversifikation: Die Streuung von Kapital über viele Anlagen, um das Risiko einzelner Positionen zu verringern.
