VOO und VUG kombinieren: Warum diese ETF-Strategie riskant ist
VOO und VUG kombinieren? Das bringt wenig Diversifizierung, sondern vor allem Dopplungen.

Immer mehr Anleger fließen in börsengehandelte Fonds (ETFs), und die Kursdaten bestätigen diesen Trend. Goldman Sachs stellte kürzlich fest, dass im ersten Halbjahr 2026 mehr als eine Billion US-Dollar in in den USA gehandelte ETFs geflossen sind. Dies treibt die Branche auf ein jährliches Zuflussvolumen von über zwei Billionen Dollar in diesem Jahr – ein Anstieg von 40 Prozent gegenüber dem Rekordwert des Vorjahres.
Doch bei aller Begeisterung für ETFs lauern Fallstricke. Besonders deutlich wird dies bei der Kombination zweier beliebter Vanguard-Fonds: dem Vanguard S&P 500 ETF (VOO) und dem Vanguard Morningstar Growth ETF (VUG). Was auf den ersten Blick nach cleverer Diversifizierung aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als riskante Doppelstrategie.
Die trügerische Bequemlichkeit von ETFs
Ein Haupttreiber für die Affinität der Privatanleger zu ETFs ist die Bequemlichkeit. Der Vanguard S&P 500 ETF, der größte ETF der Welt, ist dafür das beste Beispiel. Was spricht schon gegen 505 Aktien unter einem Dach? Andererseits kann es, ähnlich wie bei Einzelaktien, für viele Anleger, insbesondere solche mit langen Anlagehorizonten, vorteilhaft sein, mehrere ETFs zu halten.
Es ist lediglich das Prinzip der Diversifizierung, das berühmte Investoren seit Jahrzehnten predigen und das nun auf ETFs angewendet wird. In diesem Zusammenhang sollten Marktteilnehmer jedoch vorsichtig sein, wenn sie erwägen, einen S&P-500-Fonds mit dem Vanguard Morningstar Growth ETF in ihr Portfolio zu integrieren.
Diversifizierung statt Duplizierung
Der 227 Milliarden Dollar schwere Vanguard Morningstar Growth ETF, der den Morningstar US Large Cap Growth Index nachbildet, ist einer der kosteneffizientesten und solidesten Wachstums-Aktien-ETFs im Vanguard-Programm. Sein Name impliziert, dass es sich um einen Wachstumsfonds handelt – und genau das sollte man sich merken.
Typischerweise werden S&P-500-nachbildende Fonds als „Blend“-Fonds (Mischfonds) eingestuft, da sie sowohl Wachstums- als auch Wertaktien-Exposure bieten. Streng nach den Regeln der Style-Box-Klassifikation ist der Vanguard S&P 500 ETF ein Blend-Fonds. Doch Anleger, die ihn mit dem Wachstums-ETF kombinieren wollen, dürfen hier nicht stehen bleiben. Tun sie dies, riskieren sie ein Portfolio, das an Diversifizierung mangelt und stattdessen stark in Fonds investiert, die ähnliche Bewegungen vollziehen.
Hohe Überschneidungen, geringe Diversifikation
Die entscheidende Zahl: Diese beiden ETFs halten einen großen Teil derselben Aktien, genau genommen 118. Die Überlappung zwischen diesen beiden Vanguard-Fonds beträgt 57 Prozent. Das bedeutet, dass keine Diversifizierung erreicht wird, wenn diese beiden ETFs kombiniert werden. Einfach ausgedrückt bedeutet der gemeinsame Besitz eine Verdopplung vieler derselben Aktien.
Besonders deutlich wird dies bei den Schwergewichten: Nvidia und Apple machen zusammen 25,4 Prozent des Vanguard Growth ETF und 14,6 Prozent des S&P-500-Fonds aus. Sinken diese Aktien, folgen beide ETFs diesem Beispiel. Es geht dann nur noch um das Ausmaß des Verlustes. Die gleichzeitige Haltung beider Fonds birgt erhebliche Risiken und bietet wenig Diversifizierung.
Fazit für Anleger
Das Fazit lautet, dass der Vanguard S&P 500 ETF und der Vanguard Morningstar Growth ETF keine ideale Kombination darstellen, da die Fonds zu viele identische Aktien halten. Anleger müssen sich daher für einen der beiden entscheiden – „beide“ ist nicht die richtige Antwort.
Für diejenigen, die sich für den Wachstumsfonds entscheiden, kommen als potenzielle Ergänzungen Wertaktien oder -fonds, Small-Cap-Fonds sowie Low-Volatility-Strategien infrage. Anleger, die sich für „VOO and Chill“ entschieden haben, fügen häufig internationale und Small-Cap-Aktien sowie ETFs hinzu, um Portfolios zu diversifizieren, die sich stark auf den Vanguard S&P 500 ETF konzentrieren. Letztendlich können viele Satellitenpositionen Portfolios diversifizieren, die einen dieser Vanguard-ETFs halten.
