Volksbank Brawo: 608 Millionen Verlust durch Stützungsmaßnahmen abgefedert
Die angeschlagene Genossenschaftsbank gleicht ein dreistelliges Millionenminus mit Garantien und Rücklagen aus.

Die wirtschaftlich angeschlagene Volksbank Braunschweig-Wolfsburg (Brawo) hat ein drastisches Jahresergebnis vorgelegt. Ohne Stützungsmaßnahmen hätte die Genossenschaftsbank einen Verlust von 608,1 Millionen Euro ausgewiesen. Das teilte Interims-Vorstandssprecher Lars Berkefeld am Dienstag bei der Präsentation der Geschäftszahlen für 2025 mit.
Hohe negative Bewertungseffekte bei Krediten, Wertpapieren, Beteiligungen und Immobilien belasteten das Ergebnis massiv. Zur Kompensation löste die Bank einen Fonds für allgemeine Bankrisiken in Höhe von 136 Millionen Euro auf. Zudem greifen Stützungsmaßnahmen des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).
„Durch die Garantien werden bestehende Risiken abgeschirmt mit der Folge, dass ein ausgeglichenes Jahresergebnis ausgewiesen werden kann“, sagte Berkefeld. Die Bank kann somit ein ausgeglichenes Ergebnis präsentieren – zumindest auf dem Papier.
Strategiewechsel nach Milliardenrisiken
Die Volksbank Brawo will ihr Geschäftsmodell und die Strategie grundsätzlich überarbeiten. Der Fokus solle künftig wieder auf dem klassischen Bankgeschäft liegen, kündigte Berkefeld an. Besonders hohe Belastungen kämen aus den bankfernen Geschäftsfeldern.
Der Abbau des Beteiligungs- und Immobilienportfolios bleibe weiterhin herausfordernd. „Diese Aufgaben werden uns in 2026 und darüber hinaus beschäftigen“, sagte Berkefeld. Die Bank hatte ihren bisherigen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Brinkmann Anfang Mai mit sofortiger Wirkung freigestellt. Die bisherige Geschäftsstrategie wurde einer „kritischen Prüfung“ unterzogen.
Im August informierte die Bank, dass der Aufsichtsrat Jürgen Wache zum künftigen Vorstandsvorsitzenden bestellt habe. Ein klarer Führungswechsel als Reaktion auf die Schieflage.
Bilanzsumme unter den Top 30
Die Volksbank Brawo gehört eigenen Angaben zufolge nach Bilanzsumme zu den 30 größten Volksbanken in Deutschland. Das Institut beschäftigt rund 820 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Dimension der Verluste zeigt jedoch, dass auch große Genossenschaftsbanken vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen stehen können.
Für Anleger und Mitglieder der Bank bleibt die Lage angespannt. Die Restrukturierung wird sich voraussichtlich über mehrere Jahre hinziehen. Die Garantien des BVR verhindern zwar einen sofortigen Fehlbetrag in der Bilanz, doch die zugrundeliegenden Risiken in den bankfernen Geschäftsfeldern sind damit nicht verschwunden.
