Bernstein startet National Grid mit Outperform und Kursziel 1.310 Pence
Analysten sehen reguliertes Wachstum und attraktive Bewertung beim britischen Versorger.

Bernstein hat die Berichterstattung über National Grid Plc am Dienstag mit einem „Outperform“-Rating und einem Kursziel von 1.310 Pence wieder aufgenommen. Das Wertpapierhaus begründet dies damit, dass der Versorger bei einer unaufwendigen Bewertung Zugang zu attraktiven regulierten Geschäftsfeldern bietet. Dies spreche für das Wachstum, die Transparenz und die Resilienz des Unternehmens.
Die Analysten stufen National Grid als Top-Pick unter den europäischen Regulierungsnetzen ein. Der Portfolio-Mix des Unternehmens bestehe nun zu etwa 75 Prozent aus Strom und zu 25 Prozent aus Gas, so Bernstein mit Blick auf das seit 2015 laufende Programm zur Veräußerung von Vermögenswerten.
Stromnachfrage soll massiv steigen
Der Broker erwartet, dass die Stromnachfrage sowohl im Vereinigten Königreich als auch in den USA über das kommende Jahrzehnt um mehr als 30 Prozent wachsen wird. Dies werde zu einem Investitionsbedarf in Höhe von 70 Milliarden Pfund über die fünf Jahre bis zum Ende des Geschäftsjahres 2031 beitragen. Hinzu komme eine erwartete jährliche Wachstumsrate der regulierten Anlagebasis von rund 10 Prozent.
Bernstein betonte, dass das Vereinigte Königreich aufgrund eines attraktiven regulatorischen Rahmens eine hohe Planungssicherheit biete. Für National Grid werde mindestens eine nominelle Eigenkapitalrendite von 9 bis 10 Prozent angestrebt, begleitet von einem jährlichen Wachstum der regulierten Vermögenswerte im Vereinigten Königreich von rund 10 Prozent.
Britische Vermögenswerte als Knappheitsfaktor
Die britischen Vermögenswerte machen etwa 55 Prozent der Gesamtaktivitäten von National Grid aus, was Bernstein als wertsteigerndes Knappheitsmerkmal einstuft. Das US-Geschäft, das rund 45 Prozent der Vermögenswerte ausmacht, biete zwar eine geringere Planungssicherheit, jedoch stabile Renditen und starke Cashflows.
Das Unternehmen verzeichnete im Geschäftsjahr 2026 eine gewichtete durchschnittlich erzielte US-Eigenkapitalrendite von 9,1 Prozent, was mehr als 95 Prozent des zulässigen Niveaus entspricht.
Aktie mit deutlichem Abschlag
Die Aktie sei gegenüber den jüngsten Hochs um etwa 20 Prozent gefallen und handele trotz verbesserter Wachstumsaussichten mit einem 18-prozentigen Abschlag zu ihren langfristigen durchschnittlichen Bewertungsrelationen. Dies stelle einen Einstiegspunkt für Anleger dar, die bereit seien, die makroökonomische Schwäche im Vereinigten Königreich zu ignorieren, so Bernstein.
Risiken im Blick
Risiken für das Rating und das Kursziel umfassen die Sensibilität gegenüber den Renditen und der Inflation im Vereinigten Königreich sowie in den USA. Zudem bestehe die Gefahr weniger günstiger politischer Rhetorik im Vereinigten Königreich unter Premierminister Andy Burnham, der nach „mehr öffentlicher Kontrolle“ über Versorgungsunternehmen strebe.
Auch Preisdruck in den USA wird genannt: National Grid reichte im Mai 2026 einen Rate Stabilisation Proposal für ein Jahr statt eines längerfristigen Tarifverfahrens ein. Hinzu kommt ein Ausführungsrisiko bei den Kapitalausgaben im Zusammenhang mit seinen 17 ASTI-Übertragungsprojekten. Eines dieser Projekte, Eastern Green Link 1, ein Gemeinschaftsunternehmen mit Scottish Power von Iberdrola, hatte bereits Verzögerungen erfahren und wird sein ursprüngliches Lieferdatum verpassen.
Positive Gesamtrendite erwartet
Bernstein prognostiziert eine fünfjährige voraussichtliche Gesamtrendite für Aktionäre von rund 14 Prozent, mit einem jährlichen EPS-Wachstum von etwa 10 Prozent und einer Dividendenrendite für das Geschäftsjahr 2027 von rund 4 Prozent. Zum Vergleich: Die erwartete Sektor-Gesamtrendite für Aktionäre liegt bei etwa 11 Prozent.
