USA und China einigen sich auf Zollabkommen
Neue Handelszölle und ungelöste Rohstoffabhängigkeit belasten beide Volkswirtschaften weiter

Die USA und China haben sich auf ein vorläufiges Handelsabkommen geeinigt, das zwar eine Eskalation im Handelskonflikt abwendet, jedoch zentrale Probleme ungelöst lässt. Das Abkommen, das noch endgültiger Zustimmung auf beiden Seiten bedarf, sieht unter anderem vor, dass die Vereinigten Staaten Zölle in Höhe von 55 Prozent auf Importe aus China erheben dürfen, während China im Gegenzug 10 Prozent auf Importe aus den USA ansetzen kann.
Diese Regelung bedeutet eine deutliche Verschärfung der bisherigen Zollpolitik. Als Präsident Donald Trump im Januar ins Weiße Haus zurückkehrte, betrugen die US-Zölle auf chinesische Waren noch 25 Prozent. Die neuen Sätze könnten den bilateralen Handel stark belasten, das Wachstum in beiden Ländern dämpfen und in den USA für zusätzlichen Inflationsdruck sorgen.
Besonders kritisch wird die Lage bei US-Energieexporten. Sollten die chinesischen Zölle auf diesem Niveau bleiben, ist davon auszugehen, dass kaum noch Rohöl, Kohle oder Flüssigerdgas aus den Vereinigten Staaten nach China gelangen wird. Dabei handelt es sich um Produkte, die China theoretisch in großen Mengen importieren könnte.
Ein weiterer Knackpunkt bleibt die Dominanz Chinas im Bereich der sogenannten seltenen Erden. Präsident Trump betonte zwar, dass China „up front“ diese für viele Elektronik- und Fahrzeugprodukte unverzichtbaren Metalle liefern werde. Doch das Abkommen verändert nichts an der grundsätzlichen Abhängigkeit des Westens von chinesischen Lieferketten. China kontrolliert 85 Prozent der weltweiten Raffinierungskapazitäten für seltene Erden – ein Vorteil, von dem westliche Unternehmen bisher durch niedrige Preise profitiert haben.
Das Abkommen wird von Beobachtern als kurzfristige Beruhigung der Lage gewertet, das aber keine langfristige Lösung bietet. Sollte es erneut zu Spannungen kommen, könnte China jederzeit seine Lieferungen einschränken – eine Bedrohung, die auch andere kritische Rohstoffe wie Lithium, Kobalt oder Kupfer betrifft. Obwohl viele dieser Metalle in westlichen Ländern als strategisch wichtig eingestuft sind, fehlen bislang konkrete Maßnahmen zum Aufbau unabhängiger Lieferketten. Investitionen in neue Förderstätten und Verarbeitungskapazitäten bleiben aus, nicht zuletzt wegen der dominierenden Preisvorgaben aus China.
Die USA und ihre Verbündeten stehen somit vor der Herausforderung, ihre Abhängigkeit von China zu verringern, ohne dabei wirtschaftlich ins Hintertreffen zu geraten. Chinas Verhandlungsführung hat dabei verdeutlicht, dass auch Peking über Druckmittel verfügt. Ein dauerhaft stabiles Verhältnis beider Wirtschaftsmächte bleibt unter diesen Bedingungen fraglich.
