USA lockern Fahrzeiten für Lkw-Fahrer im Kraftstofftransport
Trump-Regierung reagiert mit 90-tägiger Ausnahme auf Rekord-Dieselpreise und Lieferketten-Sorgen.

Die US-Regierung lockert vorübergehend die Arbeitszeitbeschränkungen für Lkw-Fahrer, die Benzin und Diesel transportieren. Verkehrsminister Sean Duffy gab am Mittwoch bekannt, dass die Trump-Regierung eine 90-tägige Ausnahmeregelung von den Dienst- und Ruhezeiten-Vorschriften erlassen habe. Grund seien Sorgen um die Lieferketten und steigende Kosten.
Die Ausnahmeregelung tritt sofort in Kraft und erlaubt es Fahrern, innerhalb von 24 Stunden bis zu 16 Stunden zu fahren. Bisher lag die Höchstgrenze bei 14 Stunden unter der bestehenden Regelung, sofern die vorgeschriebenen Ruhepausen eingehalten werden. Duffy erklärte, die Maßnahme sei aufgrund kurzfristiger Störungen in den Lieferketten ergriffen worden, die die Lieferung von Benzin und Diesel verzögern könnten.
Rekordhohe Dieselpreise belasten die Wirtschaft
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund drastisch gestiegener Treibstoffkosten. Laut der Energy Information Administration (EIA) erreichte der durchschnittliche Dieselpreis in den USA einen Rekordwert von 6,29 US-Dollar pro Gallone. Vor einem Jahr lag der Preis noch bei 3,74 US-Dollar. Als Gründe für die Preisrallye nennt die Behörde den Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran sowie ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien, die das Angebot weiter einschränken.
Das Bundesamt für Straßenverkehrssicherheit (Federal Motor Carrier Safety Administration) des Verkehrsministeriums begründete die Maßnahme mit dem „Bedarf an größerer Flexibilität bei den Dienst- und Ruhezeiten". Ziel sei es, „auf globale Versorgungsstörungen und erwartete steigende Nachfrage nach Benzin und Diesel im späten Sommer und Herbst zu reagieren".
Auswirkungen auf Transport und Landwirtschaft
Die Ausnahmeregelung soll auch dazu beitragen, die Auswirkungen auf die Kosten und Verfügbarkeit von Treibstoff für Transportunternehmen, die landwirtschaftliche Ernte und die Öffentlichkeit abzumildern. Die Nachfrage wachse, während die globalen Dieselvorräte knapp blieben. Grund dafür sind fehlende Reservekapazitäten in den Raffinerien, das Exportverbot Russlands und die bevorstehende Spitzennachfrage im Winter.
Allerdings sind nicht alle Unternehmen von der Lockerung betroffen. Lkw-Unternehmen mit bedingten Sicherheitsbewertungen sind von der Ausnahmeregelung ausgeschlossen. Zudem gilt: Ein Fahrer, der sofortige Ruhe benötigt, muss vor der Wiederaufnahme der Arbeit zehn zusammenhängende Stunden außer Dienst sein, so die Behörde.
Historischer Kontext solcher Ausnahmeregelungen
Solche Anordnungen wurden in der Vergangenheit regelmäßig erlassen, um Naturkatastrophen oder Notfälle zu bewältigen. Dazu zählen Waldbrände, Hurrikane oder Winterstürme. Bereits im März 2020 hob eine nationale Notstandsverordnung die Dienstvorschriften für Fahrer von Nutzfahrzeugen auf, die Notfallhilfsgüter zur Bekämpfung des Coronavirus transportierten. Dazu gehörten Lebensmittel für den Notfall-Nachschub sowie Ausrüstung und Vorräte von Masken bis hin zu Desinfektionsmitteln.
Die aktuelle Entscheidung zeigt, wie stark die geopolitischen Spannungen und die Sanktionspolitik die Energieversorgung selbst in den USA beeinflussen. Für deutsche Anleger ist dies ein weiteres Signal, dass die globalen Lieferketten für Treibstoffe fragil bleiben und die Preise an den Tankstellen auch in Europa von diesen Entwicklungen nicht unberührt bleiben dürften.
