ANZEIGE

USA legen alle iranischen Fluggesellschaften ab Mittwoch still

Finanzminister Bessent kündigt Betriebsverbot für iranische Airlines an – Treibstoff- und Ticketverbot als Druckmittel.

4 Min
USA legen alle iranischen Fluggesellschaften ab Mittwoch still

Die US-Regierung verschärft ihren wirtschaftlichen Druck auf den Iran drastisch. Finanzminister Scott Bessent kündigte an, dass alle iranischen Fluggesellschaften ab Mittwoch, dem 23. September, den Betrieb einstellen müssen. Das sagte Bessent im Gespräch mit CNBCs „Squawk Box". Die Massnahme ist Teil einer noch nie dagewesenen Druckkampagne Washingtons gegen Teheran.

Die Durchsetzung des Betriebsverbots erfolgt über wirtschaftliche Hebel. „Wie setzen wir das durch? Wenn sie landen, dürfen Sie ihnen keinen Treibstoff bereitstellen. Sie dürfen ihnen keine Landeleistungen erbringen, sie dürfen ihnen keine Tickets verkaufen, sonst werden Sie aus dem Dollar-System ausgeschlossen", so Bessent wörtlich. Damit drohen internationalen Unternehmen und Staaten, die mit iranischen Airlines zusammenarbeiten, schwerwiegende Konsequenzen.

Parallel zu dieser Ankündigung weiteten die USA ihre Sanktionen weiter aus. Erst letzte Woche kündigte das Finanzministerium neue Sanktionen gegen die staatlich kontrollierte russische VTB Bank an. Dies geschieht im Rahmen der Bemühungen, den Iran wirtschaftlich zu isolieren, indem dessen Geschäftspartner und andere finanzielle „Enabler" ins Visier genommen werden.

Die Details

Der Zeitplan ist präzise: Ab dem 23. September müssen alle iranischen Fluggesellschaften ihren Betrieb einstellen. Bessent machte deutlich, dass Washington weltweit die Unterstützer des Iran zur Rede stellt, etwa durch Sanktionen gegen Banken. Die USA setzen dabei auf das Instrument der Sekundärsanktionen, um Drittländer und internationale Unternehmen von Geschäften mit dem Iran abzuschrecken.

Die Ankündigung fällt mit weiteren Entwicklungen in der Region zusammen. Die G7-Staatengruppe forderte am Montag in den USA eine Einstellung der Angriffe der von Iran unterstützten Houthi-Rebellen gegen Jemen und Saudi-Arabien. Die Gruppe verurteilte die „unakzeptablen fortgesetzten Schläge" der Houthis und forderte sie auf, alle militärischen Aktionen und Angriffe auf die zivile Schifffahrt einzustellen. Zudem forderten die G7-Staaten den Iran auf, seine Unterstützung für die Rebellengruppe zu beenden.

Berichten zufolge hatten die Houthis am Wochenende „sensible" Ziele in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad angegriffen. Dabei waren Feuer und Rauch in der Nähe des Flughafens der Stadt zu sehen. Zudem besetzten Houthi-Rebellen kürzlich die jemenitische Perim-Insel im Roten Meer und verschärften ihre Kontrolle über die strategisch wichtige Strasse von Bab el-Mandeb.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 28. April 2026 berichtete aktien.news, dass US-Finanzminister Scott Bessent eine klare Warnung an Unternehmen weltweit ausgesprochen hatte: Wer mit iranischen Fluggesellschaften zusammenarbeitet, riskiert US-Sanktionen. Bessent bezeichnete die Warnung damals als Teil einer umfassenderen Kampagne, um wirtschaftlichen Druck auf den Iran auszuüben.

Nur wenige Tage später, am 4. Mai 2026, verschärfte Bessent den Ton weiter. In der Fox-News-Sendung „Sunday Morning Futures" erklärte er, die USA würden den Iran wirtschaftlich und finanziell „erdrosseln". Er zeigte sich überzeugt, dass die Machthaber in Teheran letztlich nachgeben werden. Mit Blick auf den bisherigen Verlauf der Auseinandersetzung sagte Bessent damals: „In den vergangenen 12 Monaten sind wir einen Marathon gelaufen, und jetzt sprinten wir auf die Ziellinie zu."

Was das für Anleger bedeutet

Die nun angekündigte Stilllegung aller iranischen Fluggesellschaften stellt eine deutliche Eskalation dar. Für Anleger an den internationalen Finanzmärkten erhöht dies die geopolitische Unsicherheit in einer ohnehin angespannten Region. Die strategische Bedeutung der beiden Meerengen – der Strasse von Hormus und der Strasse von Bab el-Mandeb – kann kaum überschätzt werden. Die Houthi-Rebellen bringen den Iran und seine Proxy-Kräfte auf Kurs, beide kritisch wichtigen Engpässe für Öl zu kontrollieren.

Die Strasse von Bab el-Mandeb ist eine wichtige Alternative für Ölexporte, um die Strasse von Hormus zu umgehen. Insbesondere für Saudi-Arabien ist dies relevant: Die Ost-West-Pipeline des Königreichs ermöglicht es, einige Ölflüsse umzuleiten, um sie über das Rote Meer zu exportieren. Sollten beide Routen unter Druck geraten, könnte dies erhebliche Auswirkungen auf die globalen Ölmärkte haben.

Das Vereinigte Königreich hat unterdessen angekündigt, Saudi-Arabien gegen die Houthi-Rebellen zu unterstützen. Die Royal Air Force stellt Luftbetankung für saudische Flugzeuge bereit. Premierminister Andy Burnham sagte Reportern, die Vereinbarung werde für einige Wochen gelten und weiterhin überprüft werden. Burnham erklärte, er handle, um die Interessen Grossbritanniens und der weiteren Region zu sichern, „da Saudi-Arabien natürlich Angriffen ausgesetzt ist und vor potenziellen weiteren Störungen steht, und wir diese Wege (für Öl) offen halten müssen".

Ausblick

Die weitere Entwicklung hängt von mehreren Faktoren ab. Die G7 hat den Iran aufgefordert, seine Unterstützung für die Houthi-Rebellen zu beenden. Das Vereinigte Königreich wird Saudi-Arabien vorerst für einige Wochen mit Luftbetankung unterstützen, wobei die Vereinbarung weiterhin überprüft wird. NATO-Generalsekretär Mark Rutte signalisierte letzte Woche, dass europäische Nationen Saudi-Arabien ebenfalls Unterstützung leisten könnten. In einem BBC-Interview sagte Rutte: „Ich wäre nicht überrascht, wenn zwischen europäischen Verbündeten Telefonate geführt würden – ‚Hey, wie gehen wir damit um?'"

US-Präsident Donald Trump lehnte die Bitte Riads um Hilfe gegen die Rebellen am Wochenende ab und sagte Berichten zufolge einen geplanten Luftangriff ab. Ob und wie die USA ihre wirtschaftliche Druckkampagne gegen den Iran weiter verschärfen werden, bleibt abzuwarten.

Kurz erklärt

  • Sekundärsanktionen: Wirtschaftssanktionen, die sich nicht nur gegen das Zielland selbst richten, sondern auch gegen Drittländer oder Unternehmen, die mit diesem Land Geschäfte tätigen.
  • Strasse von Bab el-Mandeb: Eine Meerenge zwischen Jemen und Dschibuti, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet und eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Öltransport darstellt.
  • Proxy-Kräfte: Von einem Staat indirekt unterstützte militärische oder politische Gruppen, die in dessen Interesse handeln, ohne dass der Staat selbst offen eingreift.
IranFluggesellschaftenSanktionenScott BessentHouthi-RebellenG7Saudi-ArabienGeopolitik

Meistgelesene News

  1. Volvo Cars kämpft mit EX60-Produktionsziel und Batterieplänen
  2. Jugendarbeitslosigkeit in China steigt im August auf 18,9 Prozent
  3. BlackRock-Strategin warnt: Fed-Zinsentscheidung ist nicht die entscheidende Frage
  4. Frankfurter Erbpacht-Schock: 1.900 Prozent mehr für Hausbesitzer
  5. Iran-Kriegsende droht: Insider kaufen trotz Ölpreis-Risiko Energieaktien

Disclaimer