US-Konjunktur auf Fünfjahreshoch – Inflationsdruck steigt deutlich
US-Wirtschaftsaktivität erreicht im September höchsten Stand seit Juli 2021.

Die US-amerikanische Wirtschaftsaktivität hat im September ein Mehrjahreshoch erreicht. Der Flash-US-Composite-PMI-Ausgangsindex von S&P Global stieg auf 58,4 Punkte – der höchste Stand seit Juli 2021. Im August hatte der Wert noch bei 56,0 gelegen. Ein Wert über 50 signalisiert Expansion im privaten Sektor.
Der starke Anstieg wurde durch einen kräftigen Zuwachs der Neuaufträge getrieben. Allerdings belastet die hohe Nachfrage zunehmend die Lieferketten und treibt die Preise nach oben. Laut S&P Global steht der PMI im Einklang mit einem annualisierten Wirtschaftswachstum von rund fünf Prozent. Die Schätzung der Atlanta Federal Reserve für das Bruttoinlandsprodukt liegt aktuell bei 5,1 Prozent. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal war die Wirtschaft mit einer Rate von 1,5 Prozent gewachsen.
Die Details
Der Index für neue Aufträge schoss auf 58,2 Punkte – der höchste Stand seit März 2022 – nach 55,2 im August. Der Anstieg betraf sowohl Dienstleistungs- als auch Fertigungsunternehmen. Auch die Auftragsbestände legten deutlich zu: Unvollständige Aufträge erreichten das höchste Niveau seit Mai 2022, ein wichtiger Indikator für die Kapazitätsauslastung und das künftige Unternehmenswachstum.
Gleichzeitig steigt der Preisdruck erheblich. Der Index für gezahlte Inputpreise sprang auf 66,4 Punkte – der höchste Stand seit Oktober 2022 – nach 59,9 im August. Sowohl Dienstleistungs- als auch Fertigungsunternehmen meldeten höhere Inputpreise. S&P Global führt die hohen Rohstoffpreise im Fertigungssektor auf Lieferengpässe zurück. Die Lieferzeiten der Zulieferer hätten sich erheblich verlängert, „wobei die Häufigkeit von Lieferkettenverzögerungen die weitverbreiteteste seit Juli 2022 ist."
Die Versorgungsengpässe gehen laut S&P Global größtenteils auf den Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran zurück, der sich nun im siebten Monat befindet. Zudem treiben die Rekordhoch-Dieselpreise die Kosten für den Transport von Gütern weiter in die Höhe.
Chris Williamson, Chief Business Economist bei S&P Global Market Intelligence, sagte: „Das Geschäft boomt derzeit eindeutig sowohl im Fertigungs- als auch im Dienstleistungssektor." Er fügte hinzu: „Dieses Wachstum geht jedoch mit einigen der schwerwiegendsten Engpässe in den Lieferketten einher, wie sie in der fast zwei Jahrzehnte langen Geschichte der Umfrage, wenn man die Pandemie ausklammert, zu sehen waren."
Die Unternehmen stellen zwar vermehrt Personal ein, um die Auftragsbestände abzuarbeiten. S&P Global vermeldete jedoch zunehmende Berichte über Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Arbeitskräften.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 21.05.2026 berichtete aktien.news, dass der US-Industrie-PMI im Mai auf ein Vierjahreshoch gestiegen war. Der vorläufige Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe war damals von 54,5 im April auf 55,3 gestiegen – ebenfalls der höchste Wert seit Mai 2022. Treiber war damals vor allem der Aufbau von Sicherheitsbeständen als Reaktion auf Preis- und Lieferrisiken durch den US-israelischen Konflikt mit dem Iran.
Am 04.08.2026 folgte die Meldung, dass die US-Industrie im Juli ein überraschend starkes Wachstum verzeichnet hatte. Der ISM-Index erreichte 55,6 Punkte – das schnellste Wachstumstempo seit mehr als vier Jahren. Besonders stark zeigten sich damals die neuen Exportaufträge, die Auftragsbestände und die Produktion.
Am 24.04.2026 hatte aktien.news über die Erholung der US-Wirtschaft im April berichtet. Der Composite PMI war damals auf 52,0 Punkte gestiegen, nachdem der März-Wert mit 50,3 nahe an einer Stagnation gelegen hatte.
Bereits am 18.09.2026 berichtete aktien.news über die Rekord-Dieselkosten: Der Dieselpreis hatte einen Allzeithöchststand von 6,31 Dollar pro Gallone erreicht. Ökonomen sagten damals voraus, dass die steigenden Transportkosten langfristig die Preise für fast alle Güter nach oben treiben würden.
Was das für Anleger bedeutet
Die aktuellen PMI-Daten zeigen eine US-Wirtschaft, die auf der einen Seite kräftig wächst, auf der anderen Seite aber mit zunehmenden Lieferkettenproblemen und steigendem Preisdruck kämpft. Der Präsident der Chicagoer Federal Reserve, Austan Goolsbee, hatte bereits am Montag gesagt, dass Schocks auf der Angebotsseite sich als persistenter erweisen und dass die starke Nachfrage das Problem nun weiter verschärfe.
Die Federal Reserve hatte in der Vorwoche ihren Leitzins für Overnight-Geschäfte um 25 Basispunkte auf den Bereich von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben und weitere Erhöhungen in den kommenden Monaten angekündigt. Für Anleger bedeutet dies: Die Notenbank bleibt unter Druck, die Geldpolitik weiter zu straffen, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Die hohe Preisgestaltungsmacht der Unternehmen, die Williamson in der Umfrage sieht, könnte die Inflationserwartungen zusätzlich anheizen.
Ausblick
Die Federal Reserve hat weitere Zinserhöhungen in den kommenden Monaten angekündigt. Die anhaltenden Lieferkettenprobleme, die Rekord-Dieselpreise und der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran, der sich nun im siebten Monat befindet, dürften den Preisdruck vorerst hochhalten. S&P Global erwartet weitere Steigerungen bei den gezahlten Preisen, da die Rekordhoch-Dieselpreise unter anderem die Transportkosten erhöhen werden.
Kurz erklärt
- PMI (Purchasing Managers' Index): Ein Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in der Industrie und im Dienstleistungssektor, der auf monatlichen Unternehmensbefragungen basiert.
- Leitzins: Der von der Zentralbank festgelegte Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld leihen können und der die Richtung für die gesamten Zinsen in der Volkswirtschaft vorgibt.
- Auftragsbestand: Die Menge an bereits erteilten, aber noch nicht abgearbeiteten Kundenaufträgen, die als Indikator für die künftige Auslastung der Unternehmen gilt.
