UniCredit legt Umstrukturierungsplan für Commerzbank-Übernahme vor
UniCredit-Chef Andrea Orcel präsentiert detaillierte Pläne für eine Fusion mit der Commerzbank und verspricht eine „neue, zukunftsfähige Ära".

UniCredit-Chef Andrea Orcel hat am Montag in einer Telefonkonferenz weitreichende Pläne für eine Umstrukturierung der Commerzbank vorgestellt. Der Vorstandsvorsitzende der italienischen Großbank erklärte, ein „echter Zusammenschluss" beider Institute würde einen „nationalen Marktführer und Benchmark" schaffen. Darüber hinaus würde die Transaktion eine „föderale paneuropäische Gruppe und einen europäischen Maßstab für andere" begründen.
UniCredit verfolgt eine potenzielle Übernahme der Commerzbank, seit die Mailänder Bank 2024 eine Beteiligung von zunächst 9 % erworben hat. Diese Beteiligung ist inzwischen auf über 30 % angewachsen – eine Schwelle, die nach deutschen Finanzregeln ein obligatorisches vollständiges Übernahmeangebot auslöst. Die Commerzbank hatte sich bislang gegen eine Fusion ausgesprochen und stattdessen auf „Unabhängigkeit und profitables Wachstum" gesetzt.
Milliardenpotenzial und zwei Szenarien
Orcel bezifferte das Wertschöpfungspotenzial einer Kombination auf 1,1 Milliarden Euro (rund 1,2 Milliarden US-Dollar) bis zum Jahr 2030. Beide Kreditgeber seien „hochgradig komplementär" und könnten gemeinsam einen „erheblichen grenzüberschreitenden Wert" sowie zusätzliche „Investitionskraft" entfalten. UniCredit bezeichnet seinen Ansatz intern als „Unlocked"-Vorschlag.
Konkret skizzierte Orcel zwei mögliche Szenarien für das Commerzbank-Angebot. Im ersten Szenario bliebe UniCredit unter der vollständigen Kontrolle der Commerzbank, ohne eine Mehrheit zu übernehmen. Im zweiten Szenario würde UniCredit die Kontrolle erlangen und seinen Aktionären Renditen über den Eigenkapitalkosten bieten. In diesem Fall würde die Commerzbank zunächst für 18 Monate bis 2028 „vollständig separat und eigenständig" geführt.
In einem anschließenden „Kombinations"-Szenario würde eine vollständig transformierte Commerzbank mit der zur UniCredit gehörenden HypoVereinsbank (HVB) zusammengeführt. Die neue Einheit würde dabei an der „überlegenen Performance" der HVB ausgerichtet werden. UniCredit beziffert den zusätzlichen Nettogewinn durch den „Unlocked"-Ansatz auf rund 600 Millionen Euro im Jahr 2028, was den Gesamtgewinn auf etwa 5,1 Milliarden Euro (rund 6,0 Milliarden US-Dollar) heben würde.
Orcel kritisiert Commerzbank-Strategie scharf
Orcel übte deutliche Kritik an der aktuellen Strategie der Commerzbank. Die bestehende „Momentum"-Strategie des Frankfurter Instituts priorisiere das Wachstum außerhalb der Kernmärkte und impliziere eine anhaltende Underperformance bis 2028. Der derzeitige Weg adressiere keine „zugrunde liegenden strukturellen Schwachstellen" und berge das Risiko, zu einem späteren Zeitpunkt „eine weitere schmerzhafte Restrukturierung" erforderlich zu machen.
Besonders kritisch äußerte sich Orcel zur Technologiestrategie: Der aktuelle Ansatz erhöhe die Investitionen in Technologie und Künstliche Intelligenz nicht ausreichend. Die Commerzbank laufe Gefahr, „zunehmend ungeeignet für ein sich schnell veränderndes Bankenumfeld" zu werden. UniCredit hatte bereits zuvor erklärt, die Commerzbank sei „unzureichend auf künftige Herausforderungen vorbereitet" und bleibe „zu sehr auf kurzfristige Ergebnisse fokussiert".
Die Commerzbank wies diese Einschätzungen zurück. Am 7. April erklärte das Institut, nach Gesprächen mit UniCredit „keine Basis für eine einvernehmliche, wertsteigernde Transaktion" zu sehen. Zudem habe UniCredit es versäumt, „ausreichendes Wertschöpfungspotenzial für die Aktionäre der Commerzbank" über deren eigene Standalone-Strategie hinaus aufzuzeigen.
Marktreaktion gemischt
An den Börsen zeigte sich eine geteilte Reaktion auf die Ankündigungen. Die Commerzbank-Aktie legte gegen 10:30 Uhr Londoner Zeit um 0,8 % zu. UniCredit-Papiere gaben im morgendlichen Handel hingegen um 2,2 % nach. Die unterschiedliche Kursreaktion spiegelt die Unsicherheit der Marktteilnehmer über den Ausgang der Übernahmebemühungen wider.
Der Fall UniCredit-Commerzbank gilt als einer der bedeutendsten grenzüberschreitenden Bankenfusionsversuche in Europa seit Jahren. Er steht exemplarisch für die Debatte über die Konsolidierung des europäischen Bankensektors, der im internationalen Vergleich als fragmentiert gilt. Für deutsche Privatanleger bleibt die Entwicklung rund um die Commerzbank – eines der größten deutschen Geldinstitute – von besonderem Interesse.
