CoinEx schließt: Krypto-Börse war Drehscheibe für iranische Gelder
Die Kryptobörse CoinEx stellt Betrieb ein – nach Vorwürfen, illegale iranische Transaktionen ermöglicht zu haben.

Die Kryptowährungsbörse CoinEx hat am Dienstag überraschend die Schließung ihres Betriebs bekannt gegeben. Als Gründe nannte das Unternehmen einen anhaltenden Marktrückgang im Kryptosektor sowie steigende Compliance-Kosten. Die Börse war zuvor massiv unter Druck geraten, nachdem bekannt geworden war, dass sie als Drehscheibe für illegale iranische Geldtransfers gedient hatte.
CoinEx wurde in Hongkong von einem ehemaligen Ingenieur des chinesischen Tech-Giganten Tencent gegründet. Im Juni hatte das „Wall Street Journal“ in einem Artikel aufgedeckt, wie die Plattform zur bevorzugten Börse iranischer Nutzer geworden war – darunter auch Personen mit Verbindungen zur Islamischen Republik. Nach Veröffentlichung des Artikels sperrte CoinEx nach eigenen Angaben den Zugang für iranische Nutzer.
Hintergrund: Verschärfte US-Sanktionen gegen den Iran
Die Schließung von CoinEx fällt in eine Zeit massiv verschärfter Sanktionspolitik der USA gegenüber dem Iran. Die US-Regierung hat in den vergangenen Wochen ihre Bemühungen verstärkt, das Land wirtschaftlich zu isolieren. Dies erhöht das Risiko für Banken und Krypto-Plattformen erheblich, die nach Einschätzung der Behörden dem Regime bei der Umgehung von Sanktionen helfen könnten.
US-Finanzminister Scott Bessent hatte bereits im August angekündigt, die Iran-Sanktionen im Rahmen einer als „Operation Economic Outcast“ bezeichneten Initiative zu verstärken. Seitdem hat das Finanzministerium mehrere Schritte eingeleitet: Ausländische Banken wurden vom US-Finanzsystem abgeschnitten, und es wurden Sanktionen gegen Einzelpersonen verhängt, die dem Regime bei der Sanktionsumgehung geholfen haben – unter anderem durch den Einsatz digitaler Vermögenswerte.
Behörde warnt vor Verbindungen zum Iran
Ein Beamter des US-Finanzministeriums äußerte sich auf Anfrage zum Shutdown von CoinEx und stellte klar: „Unternehmen und fremde Länder steigen in die Kampagne des Finanzministeriums ein.“ Er fügte hinzu: „Jeder, der das iranische Regime unterstützt – ob in Dollar, Rial oder Kryptowährungen – unterliegt Maßnahmen der US-Regierung.“ Die Botschaft an die Wirtschaft war unmissverständlich: „Wir empfehlen, die Verbindungen zum Iran zu trennen, bevor wir dies tun müssen.“
Bedeutung für den Kryptomarkt
Der Fall CoinEx zeigt, dass Kryptobörsen zunehmend ins Visier von Sanktionsbehörden geraten. Während Kryptowährungen oft als anonym und schwer regulierbar gelten, demonstrieren die jüngsten Maßnahmen der USA, dass auch digitale Vermögenswerte nicht außerhalb der Reichweite von Sanktionsregimen liegen. Für deutsche Anleger ist dies ein wichtiges Signal: Die Compliance-Anforderungen an Krypto-Plattformen werden weiter steigen, und Börsen mit laxen Kontrollmechanismen laufen Gefahr, vom Markt verschwinden.
CoinEx selbst hatte nach dem WSJ-Bericht noch versucht, gegenzusteuern, indem es den Zugang für iranische Nutzer sperrte. Letztlich reichten diese Maßnahmen jedoch nicht aus, um den Betrieb angesichts der regulatorischen und marktseitigen Herausforderungen aufrechtzuerhalten. Die Schließung der Börse ist ein weiteres Beispiel dafür, wie geopolitische Spannungen und verschärfte Regulierung den Kryptomarkt nachhaltig verändern.
