Trump pocht auf 1-Prozent-Zinsen – Fed ignoriert unrealistische Forderung
US-Präsident Trump fordert erneut ultraniedrige Leitzinsen – Analysten warnen vor katastrophalen Folgen.

US-Präsident Donald Trump hat seine Forderung nach einem Leitzins von einem Prozent erneuert – und stößt damit bei Analysten und selbst engen Verbündeten auf Ablehnung. Die Federal Reserve (Fed) hatte den Leitzins erst vor wenigen Tagen auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben, die erste Zinserhöhung seit 2023. Trump bezeichnete die Entscheidung als falsch und verlangte stattdessen Zinsen von einem Prozent.
Doch ein derart niedriger Leitzins wäre nach Einschätzung von Ökonomen nicht nur unpraktikabel, sondern würde wahrscheinlich nach hinten losgehen. Ein um rund drei Prozentpunkte abgesenkter Zins könnte massive Verwerfungen im globalen Finanzsystem auslösen. Die Renditen für US-Staatsanleihen würden steigen, da Investoren mit einer höheren Inflation rechnen müssten. Länder wie Deutschland könnten Kapital anziehen, indem sie Kreditgebern nur etwas mehr bieten als die USA. Der Dollar würde „einbrechen“, warnte J. Benson Durham, Gründer des Investment-Forschungsunternehmens DASM.
Die Details
Die Fed hatte am 16. September einstimmig beschlossen, den Leitzins um einen Viertelpunkt auf 3,75 bis 4,00 Prozent anzuheben. Es war die erste Zinserhöhung seit 2023. Fed-Vorsitzender Kevin Warsh, den Trump selbst als Nachfolger von Jerome Powell eingesetzt hatte, stimmte für die Erhöhung. Das Federal Open Market Committee (FOMC) erklärte, die Maßnahme unterstütze „eine zeitnähere Rückkehr“ der Inflation zum Zwei-Prozent-Ziel der Fed – ein Ziel, das man seit fünfeinhalb Jahren verfehlt hat.
Die bevorzugte Inflationsmesszahl der Fed lag im Juli bei 3,7 Prozent. Die Bank erwartet nicht, dass diese Rate vor 2029 auf das Ziel von zwei Prozent sinkt. Das bedeutet, dass die Inflation während der gesamten Amtszeit von Trump hoch bleiben könnte.
Trump selbst argumentiert, die USA als größte Volkswirtschaft der Welt mit dem sichersten Kreditrating hätten ultra-niedrige Kreditkosten verdient. Einige dem Präsidenten nahestehende Personen sagen jedoch, seine Forderungen seien weniger als konkrete Maßnahme zu verstehen, sondern vielmehr als Mittel, um von Problemen wie hohen Verbraucherpreisen vor den Zwischenwahlen im November abzulenken.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 17.09.2026 berichtete aktien.news, dass Trump Zinssätze von einem Prozent oder weniger forderte – zu einem Zeitpunkt, als die Fed den Leitzins noch in der Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent hielt, dem höchsten Niveau seit mehr als zwei Jahrzehnten. Trump sprach damals zudem die Möglichkeit aus, den Handel mit Ländern einzustellen, die einen Handelsbilanzüberschuss mit den USA aufweisen.
Am 05.05.2026 hatte Trump erneut erklärt, die US-Zinsen seien zu hoch, und damit seine monatelange Kampagne zur Senkung des Leitzinses fortgesetzt. Eine direkte Einflussnahme auf die unabhängige Notenbank ist dem Präsidenten institutionell jedoch nicht möglich.
Am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass Trump und die Fed auf eine mögliche Konfrontation über die Zinspolitik zusteuerten. Die Entscheidung der Fed-Politiker am Mittwoch wurde als erster großer Test für das Verhältnis zwischen dem Präsidenten und seinem eigenen Kandidaten Warsh gesehen. Die Markterwartungen für eine Zinserhöhung lagen damals bei mehr als 90 Prozent, getrieben durch die jüngsten Inflationsdaten für August mit einer jährlichen Rate von 3,4 Prozent.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung an den US-Anleihemärkten von großer Bedeutung. Sollte Trump tatsächlich Druck auf die Fed ausüben können, drohen steigende Renditen für US-Staatsanleihen und ein fallender Dollar. Ein schwächerer Dollar würde den Euro stärken, was Exporte aus der Eurozone verteuert und deutsche Unternehmen belasten könnte. Gleichzeitig könnten Anleger in deutsche Staatsanleihen umschichten, wenn die USA als sicherer Hafen an Attraktivität verlieren.
Die Inflation in den USA bleibt mit 3,7 Prozent deutlich über dem Zielwert. Trump selbst hat durch seine Zölle und die Energiekosten infolge des Krieges mit dem Iran zur Inflation beigetragen. Die Fed erwartet nicht, dass die Inflationsrate vor 2029 auf zwei Prozent sinkt. Anleger sollten daher mit anhaltend hohen Inflationsraten und entsprechenden Reaktionen der Notenbanken rechnen.
Ausblick
Die Zwischenwahlen im November stehen im Fokus. Eine Umfrage von Reuters/IPSOS ergab, dass nur 17 Prozent der Befragten die Handhabung der Lebenshaltungskosten durch Präsident Trump gutheißen. Die Inflation ist das Top-Thema, das laut Amerikanern ihren Wahlentscheid in sechs Wochen beeinflussen wird.
Trump strebt zudem an, die Fed-Gouverneurin Lisa Cook, eine Ernennung von Ex-Präsident Joe Biden, zu entlassen. Er wartet auf die Ergebnisse einer Untersuchung des Inspectors General bezüglich der Aufsicht von Ex-Vorsitzendem Jerome Powell über ein Bauprojekt der Fed. Powell bleibt weiterhin Gouverneur der Fed und verhindert so, dass Trump einen neuen Kandidaten in der Zentralbank durchsetzen kann.
Kurz erklärt
- Leitzins: Der von der Zentralbank festgelegte Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld leihen können. Er beeinflusst die gesamte Zinsstruktur einer Volkswirtschaft.
- Federal Reserve (Fed): Die US-amerikanische Zentralbank, die für die Geldpolitik der Vereinigten Staaten zuständig ist und Preisstabilität sowie Vollbeschäftigung anstrebt.
- Staatsanleihen: Schuldverschreibungen, die von einem Staat ausgegeben werden. Sie gelten als sichere Geldanlage, deren Rendite von der Bonität des Staates und den Inflationserwartungen abhängt.
