Trump erwägt Diesel-Exportverbot zur Dämpfung der US-Kraftstoffpreise
Die US-Regierung prüft einen möglichen Exportstopp für Diesel, um die stark steigenden inländischen Kraftstoffpreise zu bremsen.

US-Präsident Donald Trump erwägt einer Reihe von Maßnahmen, darunter einen möglichen Exportstopp für Diesel, um die stark steigenden inländischen Kraftstoffpreise zu dämpfen. Die sich verschärfende Energiekrise übt zunehmenden politischen Druck auf seine Regierung aus, wie die Financial Times (FT) am Mittwoch berichtete. Beamte der US-Regierung hätten den Verkauf von internationalem Diesel bereits eingeschränkt und Verbündete, darunter Großbritannien, über mögliche Versorgungsengpässe informiert, zitierte die FT Personen, die mit den Beratungen vertraut sind.
Ein Beamter des Weißen Hauses soll Berichten zufolge erklärt haben, dass Trump Optionen zur Senkung der Kraftstoffpreise prüfe, aber noch keine Entscheidung zu Exporten getroffen habe. Damit bleibt offen, ob tatsächlich ein Ausfuhrverbot verhängt wird oder ob es bei den bisherigen Einschränkungen bleibt. Die Prüfung unterstreicht den wachsenden Handlungsdruck, unter dem die Regierung angesichts der Preisentwicklung steht.
Politische Fronten zwischen Landwirtschaft und Ölkonzernen
Die Debatte hat republikanische Abgeordnete aus Agrarstaaten gegen Ölkonzerne gebracht. Landwirtschaftsverbände warnen, dass hohe Dieselpreise Bauern und die Industrie vor den Midterm-Wahlen schaden könnten. Der Konflikt zeigt, wie sehr die Kraftstoffpreise inzwischen zu einem innenpolitischen Sprengsatz geworden sind – treffen sie doch eine Kernwählerschaft der Republikaner besonders hart.
Die Dieselpreise in den USA erreichten letzte Woche 6,53 US-Dollar pro Gallone. Das liegt mehr als 70 Prozent über dem Niveau vor dem Krieg, berichtete die FT. Diese Größenordnung erklärt, warum die Regierung nun zu ungewöhnlichen Mitteln greift und sogar über Eingriffe in den Exportmarkt nachdenkt.
Weitere Optionen im Gespräch
Zu den weiteren diskutierten Maßnahmen gehören laut dem Bericht weitere Ausnahmen vom Jones Act, Steuervergünstigungen sowie die Lockerung der Vorschriften für den kostengünstigeren gefärbten Diesel. Der Jones Act regelt in den USA die Küstenschifffahrt und gilt seit Langem als Kostentreiber im inneramerikanischen Transport. Ausnahmen könnten den Transport von Kraftstoff zwischen US-Häfen erleichtern und so regionale Engpässe mildern.
Gefärbter Diesel ist in den USA ein steuerlich begünstigter Kraftstoff, der eigentlich nur für bestimmte Zwecke wie die Landwirtschaft zugelassen ist. Eine Lockerung der Vorschriften könnte zusätzliche Mengen für den allgemeinen Markt freisetzen und damit preisdämpfend wirken. Steuervergünstigungen wiederum würden direkt an der Kostenseite der Verbraucher ansetzen.
Bedeutung für den Markt
Ein möglicher Exportstopp für Diesel hätte weitreichende Folgen, da die USA zu den größten Exporteuren des Kraftstoffs zählen. Sollten die Ausfuhren tatsächlich gedrosselt werden, könnte dies die globalen Dieselpreise nach oben treiben und auch europäische Märkte treffen. Großbritannien wurde nach Angaben der FT bereits über mögliche Versorgungsengpässe informiert – ein Hinweis darauf, dass die Diskussion nicht nur innenpolitische Dimensionen hat.
Für deutsche Anleger und Verbraucher ist die Entwicklung vor allem deshalb relevant, weil Diesel ein zentraler Energieträger für Industrie, Landwirtschaft und Logistik ist. Steigende Preise wirken sich auf Transportkosten und damit auf die Inflation aus. Ob Trump die Exportbremse tatsächlich zieht, ist nach Angaben aus dem Weißen Haus jedoch noch offen. Die kommenden Wochen dürften zeigen, welche der geprüften Optionen tatsächlich umgesetzt werden.
