Kongo will große Bergbauunternehmen ab 2027 jährlich prüfen
Die Regulierungsbehörde ARSP kündigt jährliche Audits an; ein neues Gesetz zum lokalen Anteil tritt am 1. Januar 2027 in Kraft.

Die Demokratische Republik Kongo wird große Bergbauunternehmen ab 2027 jährlichen Prüfungen ihrer Subunternehmerpraktiken und der Einhaltung von Anforderungen an den lokalen Anteil unterziehen. Das kündigte Beleshayi Kasanda Ted, Generaldirektor der Behörde zur Regulierung des Subunternehmertums im Privatsektor (ARSP), gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters an. Hintergrund ist ein neues Gesetz zum lokalen Anteil, das am 1. Januar 2027 in Kraft treten soll.
Der zentralafrikanische Staat ist der weltweit größte Kobaltproduzent und der führende Kupferproduzent Afrikas. Mit der verschärften Aufsicht will Kinshasa mehr Aufträge und Beschaffungsausgaben an lokale, von Kongolesen geführte Unternehmen lenken. Die Behörden arbeiten nach Angaben von Beleshayi an branchenspezifischen Vorschriften für den Bergbau und andere Sektoren.
Diese Regelwerke sollen Sanktionen und verbindliche Drei-Jahres-Compliance-Pläne enthalten. Damit verschärft die Regierung ihren Kurs in einem Sektor, der stark von ausländischen Investoren geprägt ist. Zu den großen Betreibern im Land gehören Ivanhoe Mines, Glencore, die Eurasian Resources Group sowie die chinesischen Konzerne CMOC und Zijin.
Die Details
ARSP hat in diesem Monat bereits gegen mehrere große Betreiber durchgegriffen. Die Behörde wies Glencore, die Zinkmine Kipushi von Ivanhoe und den chinesisch kontrollierten Kupferbergbaukonzern Sicomines an, nicht konforme Subunternehmervereinbarungen zu beenden, Korrekturpläne einzureichen und die Möglichkeiten für von Kongolesen geführte Zulieferer auszuweiten.
Ein Sprecher von Ivanhoe erklärte, das Unternehmen stehe in regelmäßigem Kontakt mit ARSP und betrachte seine Mine Kipushi als konform mit den geltenden Subunternehmerregeln. Glencore und Sicomines reagierten nicht umgehend auf Anfragen nach einer Stellungnahme.
Beleshayi zufolge rekrutiert ARSP derzeit eine neue Gruppe von Inspektoren. Zudem überprüft die Behörde zuvor ungelöste Unternehmensinspektionen im Rahmen eines umfassenderen Compliance-Ansatzes. Die personelle Aufstockung soll offenbar sicherstellen, dass die ab 2027 geplanten jährlichen Prüfungen tatsächlich flächendeckend durchgeführt werden können.
Zahlen untermauern die wirtschaftliche Bedeutung des Themas: Von den 3,7 Milliarden US-Dollar an Subunternehmerverträgen, die 167 große Unternehmen im Jahr 2025 deklarierten, gingen 3,1 Milliarden US-Dollar oder 83 Prozent an mehrheitlich von Kongolesen geführte Unternehmen. Allein auf den Bergbausektor entfielen davon 2,9 Milliarden US-Dollar.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die jüngste Ankündigung ist Teil einer längeren Reihe von Maßnahmen. Bereits am 24.06.2026 berichtete aktien.news, dass die Demokratische Republik Kongo an einem konkreten Plan arbeitet, um Bergbauarbeitern den Erwerb von Pflichtbeteiligungen an ihren Arbeitgebern zu ermöglichen. Ein Dekretentwurf sah dafür Arbeitergenossenschaften und unternehmensfinanzierte Kredite vor. Hintergrund ist ein bereits 2018 verabschiedetes Gesetz, das Bergbauunternehmen verpflichtet, 10 Prozent ihres Eigenkapitals für kongolesische Staatsangehörige zu reservieren, wovon 5 Prozent auf die eigenen Angestellten entfallen. Bislang hatte kein einziges Unternehmen diese Vorgabe erfüllt.
Nur wenige Tage zuvor, am 19.06.2026, meldete aktien.news, dass Bergbauunternehmen im Kongo auf ein Moratorium für die Regierungsrichtlinie zur 5-prozentigen Beteiligung an kongolesische Arbeitnehmer drängen. Die Frist lief am 31. Juli ab, während Gewerkschaften eine sofortige Durchsetzung forderten. Auch damals hatte laut einem Gewerkschaftsführer kein einziges Unternehmen die Richtlinie umgesetzt.
Am 16.09.2026 berichtete aktien.news über einen neuen Rekord bei den Kupferexporten: Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Ausfuhren auf 1,72 Millionen Tonnen, nach 1,65 Millionen Tonnen im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig verdoppelte sich der Anteil der Kupferverkäufe in die USA und nach Europa im Vergleich zu 2025. Am 23.09.2026 folgte die Meldung, dass der Kongo eine One-Stop-Agentur für große Bergbauinvestitionen vorbereitet — Teil der Mineralienpartnerschaft mit den USA, mit dem Ziel, Bürokratie abzubauen und mehr westliches Kapital in einen von chinesischen Unternehmen dominierten Sektor zu locken.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Kongo vor allem über internationale Bergbaukonzerne investierbar. Die genannten Betreiber — Ivanhoe Mines, Glencore, Eurasian Resources Group, CMOC und Zijin — sind teils an internationalen Börsen gelistet. Strengere lokale Anteilsvorgaben und jährliche Prüfungen können Kosten, Verwaltungsaufwand und Compliance-Risiken für diese Unternehmen erhöhen. Zugleich signalisiert die Politik des Kongo eine schrittweise Verschiebung von Aufträgen an lokale Zulieferer, was die Wertschöpfung im Land halten soll.
Kritik kommt aus der heimischen Wirtschaft. Robert Malumba Kalombo, Leiter der Föderation der Unternehmen von Kongo (FEC), des größten privaten Wirtschaftsverbands des Landes, warnte, die Umsetzung konzentriere sich zu stark auf Inspektionen und Strafen statt auf den Aufbau wettbewerbsfähiger kongolesischer Unternehmen. Jean-Claud Mputue, Sprecher der gemeinnützigen Organisation Congo Is Not for Sale, forderte mehr Transparenz bei Durchsetzungsmaßnahmen und die Offenlegung der wirtschaftlich Berechtigten von Subunternehmern. Er warnte, strengere Anforderungen an den lokalen Anteil könnten politisch verbundene Firmen dazu ermutigen, Aufträge ohne stärkere Schutzmechanismen an sich zu reißen.
Ausblick
Der zentrale Termin bleibt der 1. Januar 2027, an dem das neue Gesetz zum lokalen Anteil in Kraft treten soll. Ab 2027 sollen große Bergbauunternehmen dann jährlich geprüft werden. Die branchenspezifischen Vorschriften mit Sanktionen und verbindlichen Drei-Jahres-Compliance-Plänen befinden sich laut ARSP-Chef Beleshayi noch in Arbeit. Wie die Behörde die angekündigte Aufstockung der Inspektoren umsetzt, dürfte darüber entscheiden, wie wirksam die neuen Regeln greifen.
Kurz erklärt
- ARSP: Die kongolesische Aufsichtsbehörde, die das Subunternehmertum im Privatsektor reguliert und die Einhaltung lokaler Anteilsvorgaben überwacht.
- Lokaler Anteil (Local Content): Vorgaben, wonach ein Teil der Aufträge und Beschaffungsausgaben an einheimische Unternehmen fließen muss.
- Subunternehmer: Externe Firmen, die im Auftrag eines Bergbauunternehmens Leistungen erbringen, etwa Bau, Transport oder Dienstleistungen.
