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Texas weitet Moratorium für Rechenzentren massiv aus

Gouverneur Abbott stoppt alle Umweltgenehmigungen – 470 Gigawatt Projekte warten auf Netzanschluss

4 Min
Texas weitet Moratorium für Rechenzentren massiv aus

Der texanische Gouverneur Greg Abbott hat seine Gangart gegenüber der Rechenzentrumsbranche drastisch verschärft. Mit einer am Montag erlassenen Direktive ordnete er einen vollständigen Stopp aller staatlichen Umweltgenehmigungen für neue Rechenzentren an. Die Anordnung erweitert ein bereits im August verhängtes Moratorium, das neuen Rechenzentren den Anschluss an das Stromnetz des Electric Reliability Council of Texas (ERCOT) untersagte. Die neue Pause bleibt so lange in Kraft, bis ERCOT eine umfassende Prüfung der bestehenden Warteliste für Rechenzentren abgeschlossen hat. Die Texas Commission on Environmental Quality (TCEQ) muss bis zum 19. Oktober über den Stand der Umsetzung berichten.

Der Schritt markiert eine fundamentale Kehrtwende für die texanische Administration, die den Bundesstaat zuvor als globalen Vorreiter bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz und als erstklassigen Standort für Rechenzentren positioniert hatte. Abbott hatte die wirtschaftlichen Vorteile dieser Anlagen stets hervorgehoben, darunter Steuerbefreiungen und das Potenzial für niedrigere Strompreise. Nun priorisiert die Politik die Netzstabilität, die Kontrolle des Wasserverbrauchs und die öffentliche Sorge um steigende Energiekosten.

Die Details

Der Umfang des Genehmigungsstopps ist gewaltig. Nach Angaben aus dem Bericht liegt ein Rückstau von über 470 Gigawatt an geplanten Rechenzentrums- und Großverbraucherprojekten vor, die auf einen Netzanschluss warten. Diese Zahl übersteigt die derzeitige Spitzennachfrage des Bundesstaates um mehr als das Fünffache. Analysten von BloombergNEF schätzen, dass durch die regulatorische Unsicherheit fast 50 Gigawatt an geplanter Kapazität gefährdet sind – das entspricht rund 20 Prozent der gesamten US-Pipeline.

Sollten die Projekte blockiert bleiben, drohen der Branche Einnahmeverluste von bis zu acht Milliarden US-Dollar bis zum ersten Quartal 2027. Bereits im vorangegangenen Quartal wurden laut Data Center Watch 68 Milliarden US-Dollar an Entwicklungen verzögert oder gestrichen, was auf wachsenden lokalen Widerstand zurückzuführen ist.

Gouverneur Abbott begründete den Schritt mit deutlichen Worten: „Einfach gesagt: Die Texaner müssen an erster Stelle stehen." Rechenzentren müssten nachweisen, dass sie „ihren eigenen Weg bezahlen" und die kritische Infrastruktur des Staates schützen könnten. Die Administration hat zudem signalisiert, in der kommenden Sitzung mit der Legislative zusammenzuarbeiten, um die derzeitigen finanziellen Anreize für Rechenzentrumsentwickler abzuschaffen.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 14.08.2026 berichtete aktien.news, dass Abbott ein Moratorium für den Bau neuer Rechenzentren verhängt hatte. Damals überraschte der Schritt viele Beobachter, da Abbott bislang als einer der größten Befürworter der Branche galt. Erst im November hatte er eine milliardenschwere Investition der Google-Muttergesellschaft <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AGOOG">Alphabet in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar öffentlichkeitswirksam angekündigt und Texas als „Epizentrum der KI-Entwicklung" bezeichnet.

Am 05.08.2026 folgte die Nachricht, dass der Gouverneur einen sofortigen Stopp für die Genehmigung neuer Rechenzentren angeordnet hatte, die das staatliche Stromnetz ERCOT nutzen wollten. Ein zuvor eingeführtes Schnellverfahren, bekannt als „Batch Zero", wurde ausgesetzt.

Am 14.09.2026 berichtete aktien.news, dass Texas alle neuen Genehmigungen für Rechenzentren ausgesetzt hatte, bis eine Prüfung ihrer Eignung für den Netzanschluss abgeschlossen sei. Der Lone Star State, der lange als Paradies für Rechenzentrumsentwickler galt, verfügt über mehr Rechenzentrumskapazität im Bau als jeder andere US-Bundesstaat. Seit 2024 wurden mehr als 100 Milliarden US-Dollar zur Finanzierung neuer Projekte aufgebracht.

Nur einen Tag später, am 15.09.2026, berichtete aktien.news, dass Abbott die staatlichen Aufsichtsbehörden angewiesen hatte, gegen Rechenzentren vorzugehen, die keine Angaben zu ihrem Wasserverbrauch offenlegen. Der Texas Water Development Board wurde angewiesen, „rechtliche Konsequenzen" gegen Rechenzentren und andere große Wasserverbraucher zu verhängen.

Was das für Anleger bedeutet

Die Entwicklung in Texas ist für deutsche Privatanleger von erheblicher Bedeutung. Der Bundesstaat galt als einer der dynamischsten Märkte für Rechenzentren weltweit. Die nun eingeleitete regulatorische Kehrtwende gefährdet nicht nur die direkt betroffenen Projekte, sondern sendet ein Signal an die gesamte Branche. Mit fast 50 Gigawatt gefährdeter Kapazität und möglichen Einnahmeverlusten von acht Milliarden US-Dollar bis 2027 stehen erhebliche wirtschaftliche Werte auf dem Spiel.

Die negative öffentliche Wahrnehmung von KI und Rechenzentren wird zunehmend als materieller Risikofaktor für große Technologieunternehmen behandelt. Der bevorstehende IPO-Prospekt von Anthropic soll die öffentliche Opposition gegen den Ausbau von Rechenzentren voraussichtlich formell als Risiko für die Unternehmensaussichten aufführen. Anleger sollten die politischen Entwicklungen in den USA daher genau im Auge behalten, da sie direkte Auswirkungen auf die Aktienkurse von Technologieunternehmen und Rechenzentrumsbetreibern haben können.

Ausblick

Die TCEQ ist derzeit damit beauftragt, ein breites Spektrum an Faktoren zu untersuchen, darunter den Stromverbrauch, den Wasserverbrauch und die Wirksamkeit bestehender Steueranreize. Das Büro des Gouverneurs hat keinen konkreten Zeitplan für den Abschluss der Prüfung oder die Wiederaufnahme der Genehmigungserteilung genannt. Der für den 19. Oktober erwartete Bericht der TCEQ dürfte das erste klare Signal zur Dauer des Genehmigungsstopps liefern.

Die politische Dimension des Themas ist erheblich. Der Datenzentren-Boom ist zu einem zentralen Streitpunkt vor den Zwischenwahlen 2026 geworden. Gouverneur Abbott, der eine vierte Amtszeit anstrebt, sieht sich einem Wettbewerb gegen die Abgeordnete Gina Hinojosa gegenüber. Eine aktuelle NBC News-Umfrage ergab, dass 64 Prozent der Amerikaner weniger geneigt sind, Kandidaten zu unterstützen, die den Bau lokaler Rechenzentren befürworten.

Kurz erklärt

  • ERCOT: Der Electric Reliability Council of Texas betreibt das Stromnetz für den Großteil des Bundesstaates Texas und ist unabhängig von den beiden großen US-Stromnetzen.
  • Moratorium: Ein befristeter Aufschub oder Stopp von bestimmten Maßnahmen oder Genehmigungen, der in der Regel durch eine behördliche Anordnung verhängt wird.
  • TCEQ: Die Texas Commission on Environmental Quality ist die Umweltbehörde des Bundesstaates Texas und zuständig für die Genehmigung und Überwachung von Umweltauflagen.
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