TAP-Übernahme: Lufthansa und Air France-KLM legen verbesserte Gebote vor
Beide Bieter reichen verbesserte verbindliche Offerten für 44,9 Prozent an der portugiesischen Staatsairline ein.

Der Bieterwettstreit um die portugiesische Staatsfluggesellschaft TAP geht in die entscheidende Phase. Wie die staatliche portugiesische Holdinggesellschaft Parpublica am Mittwoch mitteilte, haben Lufthansa und Air France-KLM ihre Gebote nachgebessert. Beide Konzerne reichten demnach verbesserte verbindliche Offerten für einen Anteil von 44,9 Prozent an der Airline ein.
Die ersten Gebote hatten die beiden Luftfahrtkonzerne bereits im Juli eingereicht. Nachbesserungen wurden Anfang des Monats gefordert. Mit den nun vorliegenden verbesserten Offerten kommt Bewegung in einen Prozess, der seit Monaten andauert und an dessen Ende ein neuer Eigentümer für einen erheblichen Teil der portugiesischen Nationalairline stehen soll.
Parpublica prüft die eingegangenen Angebote derzeit und erstellt dazu einen Bericht für die portugiesische Regierung. Auf dieser Grundlage entscheidet die Regierung in Lissabon, welcher Bieter den Zuschlag erhält. Die Entscheidung ist bis Mitte Oktober geplant. Der Gewinner des Verfahrens wird strategischer Partner von TAP.
Die Details
Im Zentrum des Verfahrens steht ein Anteil von 44,9 Prozent an TAP. Diese Beteiligung liegt bei Parpublica, der staatlichen portugiesischen Holdinggesellschaft, die den Verkaufsprozess steuert. Sowohl Lufthansa als auch Air France-KLM haben für dieses Paket verbindliche Offerten abgegeben — zunächst im Juli, nun in nachgebesserter Form.
Dass Parpublica eine Nachbesserung verlangte, zeigt, dass die ersten Gebote dem Staat offenbar nicht ausreichten. Die Aufforderung zur Nachbesserung erging Anfang des Monats, die Reaktion der beiden Bieter liegt nun vor. Über die konkreten Konditionen der verbesserten Offerten ist bislang nichts bekannt; Parpublica machte dazu keine Angaben.
Für die Bewertung der Angebote ist ein Bericht entscheidend, den Parpublica für die Regierung erstellt. Die Regierung in Lissabon entscheidet auf Basis dieses Berichts, welchem Bieter sie den Zuschlag erteilt. Mit einer Entscheidung wird bis Mitte Oktober gerechnet. Zu den Beteiligten auf portugiesischer Seite zählt auch Miguel Pinto Luz.
Bemerkenswert ist der Ausgangspunkt des Verfahrens: TAP gehört zu den wenigen unabhängigen nationalen Fluggesellschaften Europas. Mit dem Verkauf der Beteiligung würde sich diese Landschaft weiter verändern. Der Gewinner des Bieterverfahrens wird ausdrücklich strategischer Partner der Airline — es geht also nicht nur um Kapital, sondern um eine industrielle Verbindung.
Hintergrund: Was bisher geschah
Der aktuelle Bieterwettstreit hat eine längere Vorgeschichte, über die aktien.news bereits mehrfach berichtet hat. Bereits am 03.04.2026 meldete aktien.news, dass Lufthansa offiziell ein unverbindliches Angebot für eine Minderheitsbeteiligung an der portugiesischen Staatsairline TAP eingereicht hatte. Ein Konzernsprecher bestätigte dies am Donnerstag, nannte jedoch keine konkreten Zahlen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte das Interesse bereits im Vorfeld begründet: TAP stärke das Streckennetz der Gruppe, insbesondere bei Verbindungen nach Brasilien. Damit war Lufthansa nicht allein im Rennen — auch Air France-KLM hatte bereits eine Offerte abgegeben.
Air France-KLM-Chef Benjamin Smith erklärte damals, man wolle den Betrieb am Drehkreuz Lissabon ausbauen und weitere portugiesische Städte besser anbinden. Zusätzlich wurde ein Angebot der dritten großen europäischen Airline erwartet. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt zeichnete sich also ab, dass sich mehrere Konzerne um die portugiesische Airline bemühen würden.
Am 09.07.2026 berichtete aktien.news über einen weiteren Vorgang, der den europäischen Luftfahrtmarkt in Bewegung hält: Der britische Billigflieger Easyjet stand laut einem Bericht der Wirtschaftswoche vor einem tiefgreifenden Eigentümerwechsel. Easyjet-CEO Kenton Jarvis und seine Vorstandskollegen gaben demnach grünes Licht für eine mögliche Übernahme durch den US-Investmentfonds Castlelake.
Nur wenige Wochen später, am 02.08.2026, folgte ein weiterer Bericht: Air France-KLM plante, die Unsicherheiten rund um die erwartete Übernahme von easyJet zu nutzen, um verlorene Passagiere zurückzugewinnen. Konzernchef Ben Smith erklärte gegenüber der Financial Times, dass easyJet in den vergangenen Jahren Kunden sowohl von Air France als auch von KLM abgeworben habe. Dies habe die französisch-niederländische Gruppe gezwungen, ihr Billigflugangebot grundlegend zu überarbeiten. Smith zeigte sich zuversichtlich, dass der laufende Übernahmeprozess seinem Unternehmen eine günstige Ausgangslage verschafft. In diesem Zusammenhang steht auch der Hinweis auf einen weiteren Artikel, in dem es um Easyjet als Streichkandidat in Deutschland geht.
Diese Vorgeschichte macht deutlich: Der Kampf um TAP ist Teil einer größeren Konsolidierungswelle im europäischen Luftverkehr, in der mehrere große Konzerne gleichzeitig um Zukäufe und Marktanteile ringen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der TAP-Bieterprozess vor allem ein Signal für die Strategie der beteiligten Konzerne. Lufthansa und Air France-KLM sind börsennotiert, und ein Zuschlag für TAP hätte Folgen für ihre künftige Netz- und Wachstumsplanung. Ob und in welchem Umfang eine Übernahme die Erträge der Konzerne beeinflusst, lässt sich anhand der bislang bekannten Informationen allerdings nicht beziffern.
Zu beachten ist, dass es sich um einen mehrstufigen, staatlich gesteuerten Prozess handelt. Die Entscheidung liegt bei der portugiesischen Regierung, nicht bei den Bietern. Anleger sollten daher die angekündigten Termine im Auge behalten und die offiziellen Mitteilungen von Parpublica und der Regierung verfolgen. Konkrete Konditionen der verbesserten Offerten sind bislang nicht veröffentlicht.
Da der Gewinner strategischer Partner von TAP wird, geht es bei dem Verfahren nicht nur um eine Finanzbeteiligung. Für die beteiligten Airlines steht der Zugang zu einem Drehkreuz und zu Strecken im Mittelpunkt, wie die früheren Äußerungen der Konzernchefs zeigen. Solche strategischen Überlegungen können die Bewertung eines Unternehmens langfristig prägen — kurzfristige Kursreaktionen sind davon jedoch nicht abzuleiten.
Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht ableiten. Wer in Luftfahrtaktien investiert ist, sollte die weitere Entwicklung des Verfahrens als einen von mehreren Faktoren in seine Einschätzung einbeziehen.
Ausblick
Der nächste konkrete Schritt liegt bei Parpublica: Die Holdinggesellschaft prüft die verbesserten Offerten und erstellt ihren Bericht für die Regierung. Auf dieser Grundlage fällt die Regierung in Lissabon die Entscheidung. Geplant ist, dass diese bis Mitte Oktober fällt. Danach steht fest, welcher der beiden Bieter — Lufthansa oder Air France-KLM — strategischer Partner von TAP wird.
Bis dahin bleibt offen, wie die Regierung die beiden Angebote bewertet und welchen Zuschlag sie erteilt. Weitere Details zu den Konditionen der Offerten wurden bislang nicht mitgeteilt. Anleger und Marktbeobachter werden daher vor allem auf die offiziellen Verlautbarungen aus Lissabon achten.
Kurz erklärt
- Verbindliche Offerte: Ein rechtlich bindendes Kaufangebot, das der Bieter nach der Abgabe nicht ohne Weiteres zurückziehen kann.
- Strategischer Partner: Ein Investor, der sich nicht nur finanziell beteiligt, sondern auch operativ und industriell mit dem Unternehmen zusammenarbeitet.
- Staatsholding: Ein staatliches Beteiligungsunternehmen, das im Auftrag des Staates Anteile an Unternehmen hält und verwaltet.
