Commerzbank unter Druck: Deutsche Bank streicht Kaufempfehlung
Commerzbank-Aktie ist Schlusslicht im DAX, während UniCredit bei der Übernahme weiter aufs Tempo drückt.

Die Commerzbank-Aktie hat den DAX angeführt – allerdings nach unten. Zeitweise verlor das Papier fast drei Prozent und war damit Schlusslicht im deutschen Leitindex. Auslöser war eine Abstufung durch die Deutsche Bank Research, die ihre Kaufempfehlung für die Aktie strich. Das Kursziel von 42 Euro ließen die Analysten hingegen unverändert.
Nach Einschätzung der Deutsche Bank sind die wesentlichen Kurstreiber für die Commerzbank-Aktie bereits eingepreist oder schon realisiert. Analyst Benjamin Goy verwies damit auf die Bewertung der Papiere. Für Anleger bedeutet das: Die Fantasie auf weiteres Kurspotenzial ist aus Sicht der Bank vorerst ausgereizt. Ein gestrichenes Kaufvotum ist dabei kein Verkaufsignal, sondern eine veränderte Einschätzung des Chancen-Risiko-Verhältnisses.
Der Gesamtmarkt lieferte kaum Rückenwind. Der DAX notierte zur Mittagszeit 0,1 Prozent tiefer bei 25.380 Punkten. Belastet wurde der Index von Inflationssorgen in Europa. Der Leitindex bleibt damit unter seiner gleitenden 21-Tage-Linie, die als kurzfristiger Trendindikator gilt. Notiert der Index unter dieser Linie, werten Charttechniker das häufig als Zeichen für eine kurzfristig schwache Verfassung.
UniCredit drückt bei Übernahme aufs Tempo
Wichtiger als die Charttechnik dürfte für die Aktionäre jedoch die Übernahmedynamik sein. Die UniCredit ist mit Zugriff auf fast 50 Prozent der Anteile längst größter Anteilseigner der Commerzbank. Die italienische Großbank will die Kontrolle in den kommenden Monaten übernehmen. Vorstandschef Andrea Orcel plant, eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen, sobald die Genehmigungen vorliegen.
Ursprünglich hatte UniCredit diesen Schritt für das zweite Quartal vorgesehen. Im besten Fall könnte die außerordentliche Hauptversammlung nun bereits im Januar stattfinden. Entscheidend ist die noch ausstehende Genehmigung der Europäischen Zentralbank (EZB), die im Oktober erwartet wird. Die EZB steht grenzüberschreitenden Bankenfusionen grundsätzlich positiv gegenüber. Gespräche mit der Finanzaufsicht BaFin zu den UniCredit-Kandidaten laufen.
Streit um Aufsichtsrat und Führungsspitze
Orcel plant weitreichende personelle Veränderungen. Er will die gesamte Kapitalseite des Aufsichtsrats auswechseln. Auf die ursprüngliche Forderung nach zwei Aufsichtsratssitzen will er dagegen verzichten. Auch an der Führungsspitze hat er offenbar andere Pläne: Er will Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp ablösen. Orlopp verweist auf ihren Vertrag, der bis 2029 läuft.
"Meine Voraussetzung ist natürlich, dass ich das Vertrauen des Aufsichtsrates habe und mir mit dem Aufsichtsrat über die Strategie einig bin", so Orlopp. Die Commerzbank-Chefin macht ihre Zukunft damit ausdrücklich vom Rückhalt des Kontrollgremiums abhängig. Genau dieses Gremium will die UniCredit nach den Plänen Orcels jedoch auf der Kapitalseite komplett neu besetzen.
Bund pocht auf Zusagen der UniCredit
Die Bundesregierung drängt auf baldige Zusagen der UniCredit. Grundlage ist ein Gespräch zwischen Orcel und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) Anfang September. Bereits damals pochte Klingbeil auf Bedingungen für die Übernahme. Orcel hatte signalisiert, dass der Frankfurter Sitz, die Börsennotierung und der Ausbau des Mittelstandsgeschäfts erhalten bleiben sollen. Der Bund bestätigt den Verbleib der Commerzbank in Frankfurt und den Ausbau des Mittelstandsgeschäfts.
Der Bund ist mit gut 13 Prozent zweitgrößter Aktionär – eine Folge der Rettung des Instituts in der globalen Finanzkrise. Bei einer Übernahme hat die Bundesregierung Mitsprache, aber kein Vetorecht. Eine Übernahme ist damit nicht verhinderbar. Für Anleger ist deshalb die entscheidende Frage, zu welchem Preis und unter welchen Bedingungen die UniCredit die Kontrolle übernimmt.
Fest steht: Die Abstufung durch die Deutsche Bank und der Übernahmekampf treffen aufeinander. Wer in die Commerzbank-Aktie investiert, sollte beide Entwicklungen eng verfolgen – die Bewertungseinschätzung der Analysten ebenso wie den Fortgang der Gespräche in Frankfurt und Brüssel. Die erwartete EZB-Entscheidung im Oktober dürfte dabei der nächste wichtige Taktgeber sein.
