Starboard Value drängt Bauunternehmen Knife River zu Margenverbesserung oder Verkauf
Der aktivistische Investor hat einen bedeutenden Anteil am US-Baustoffkonzern erworben und fordert höhere Margen.

Der aktivistische Investor Starboard Value hat einen bedeutenden Anteil am Bauunternehmen Knife River erworben. Nach Angaben mit der Angelegenheit vertrauter Personen will Starboard das Unternehmen dazu drängen, seine Margen zu verbessern oder einen Verkauf zu prüfen. Über die Pläne berichteten die genannten Personen gegenüber Medien.
Knife River hat seinen Sitz in Bismarck im US-Bundesstaat North Dakota und kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 3 Milliarden US-Dollar. Die Aktie hat im laufenden Jahr fast 30 Prozent an Wert eingebüßt. Für Starboard ist das offenbar ein Ansatzpunkt: Der Investor sieht erheblichen Handlungsbedarf bei der Ertragskraft des Unternehmens.
Das Unternehmen wurde 2023 aus der MDU Resources Group ausgegliedert und seither als eigenständige Gesellschaft an der Börse geführt. Knife River produziert Baustoffe, darunter gebrochenen Stein, Sand und Kies, die für die Herstellung von Asphalt und Beton verwendet werden. Zudem ist das Unternehmen als Auftragnehmer sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor tätig.
Die Details
Im Zentrum der Forderungen von Starboard steht die Profitabilität. Laut den genannten Personen möchte der Investor, dass sich Knife River verpflichtet, die Lücke zwischen seinen EBITDA-Margen und denen der Wettbewerber in den kommenden Jahren zu schließen. EBITDA steht für Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und AfA – eine Kennzahl, die die operative Ertragskraft eines Unternehmens unabhängig von Finanzierung und Bilanzpolitik abbildet.
Die Aktivisten sind der Auffassung, dass die Ausgliederung von Knife River in ein eigenständiges Unternehmen die Margen nicht signifikant verbessert habe. Genau dieser Punkt dürfte den Kern der Auseinandersetzung bilden: Starboard argumentiert offenbar, dass die erhofften Effekte der Abspaltung ausgeblieben sind und das Management nun nachliefern muss.
Die genaue Höhe der Beteiligung wurde nicht offengelegt. Klar ist jedoch, dass Starboard mit dem Engagement einen neuen Schwerpunkt im Bau- und Baustoffsektor setzt. Der Kursverfall der Aktie um fast 30 Prozent im laufenden Jahr dürfte die Ausgangslage für den Investor verbilligt haben – ein Muster, das sich bei früheren Engagements der Firma wiederfindet.
Hintergrund: Was bisher geschah
Starboard Value ist für seine aktivistischen Kampagnen bekannt und hat in diesem Jahr bereits mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Bereits am 09.03.2026 berichtete aktien.news, dass Starboard Value eine beträchtliche Beteiligung am Pommes-Frites-Hersteller Lamb Weston aufgebaut hat und das Unternehmen zu schnelleren Verbesserungen sowie Kostensenkungen drängt. Starboard bestätigte die Beteiligung damals und zählte damit zu den größten Aktionären des Unternehmens. In einem Brief an das Management erklärte Starboard, bereits seit geraumer Zeit in Lamb Weston investiert zu sein und zuletzt weitere Aktien erworben zu haben.
Ein weiteres prominentes Engagement betrifft den Reiseportalbetreiber Tripadvisor. Bereits am 17.02.2026 berichtete aktien.news, dass Starboard Value seinen Kurs gegen Tripadvisor verschärft und eine umfassende Neubesetzung des Verwaltungsrats plant. Die von Jeff Smith geführte Investmentfirma kündigte an, eine Mehrheit der Kandidaten für das achtköpfige Kontrollgremium zu nominieren. Starboard hielt damals bereits mehr als 9 Prozent der Anteile an Tripadvisor.
Am 19.02.2026 folgte ein weiterer Bericht: Starboard Value verschärfte den Kurs gegenüber dem Reiseportal-Betreiber und plante, eine Mehrheit der Sitze im achtköpfigen Verwaltungsrat zu besetzen, wie aus einem Schreiben hervorging. Der Anteil belief sich mittlerweile auf über 9 Prozent des Unternehmens. Am 20.02.2026 meldete aktien.news schließlich, dass Starboard eine Mehrheitsliste für das achtköpfige Board von Tripadvisor nominieren will und die Position seit dem Aufbau im vergangenen Jahr deutlich ausgebaut hat.
Diese Serie zeigt ein klares Muster: Starboard baut Beteiligungen auf, formuliert öffentlich Forderungen und erhöht den Druck auf das Management schrittweise. Bei Knife River befindet sich die Kampagne offenbar noch in einer früheren Phase – die Forderung nach Margenverbesserung oder einem Verkauf steht am Anfang.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht vor allem als Signal zu lesen. Ein Engagement von Starboard Value lenkt in der Regel die Aufmerksamkeit des Marktes auf ein Unternehmen und kann kurzfristig für erhöhte Kursbewegungen sorgen. Die Aktie von Knife River hat im laufenden Jahr bereits fast 30 Prozent verloren, was die Bewertung aus Sicht des Investors attraktiv gemacht haben dürfte.
Interessant ist die Kombination aus zwei möglichen Wegen: Starboard fordert entweder eine operative Verbesserung der Margen oder die Prüfung eines Verkaufs. Beide Szenarien zielen darauf ab, den Unternehmenswert zu heben. Ob und in welchem Umfang das gelingt, hängt maßgeblich davon ab, wie das Management von Knife River auf den Druck reagiert.
Anleger sollten beachten, dass die genaue Höhe der Beteiligung nicht offengelegt wurde. Damit ist unklar, wie viel Einfluss Starboard tatsächlich geltend machen kann. Klar ist nur, dass der Investor das Thema Margen ins Zentrum stellt und die bisherige Entwicklung seit der Abspaltung von MDU Resources im Jahr 2023 als unzureichend bewertet.
Ausblick
Konkrete Termine oder Fristen nennt die Quelle nicht. Starboard möchte, dass sich Knife River verpflichtet, die Lücke zwischen seinen EBITDA-Margen und denen der Wettbewerber in den kommenden Jahren zu schließen. Ob das Unternehmen eine solche Zusage macht oder einen Verkaufsprozess einleitet, ist offen.
Für Beobachter bleibt spannend, ob Starboard sein Engagement ausbaut und den Druck – wie bei Tripadvisor – über eine öffentliche Kampagne oder eine Board-Nominierung erhöht. Der weitere Verlauf dürfte auch davon abhängen, wie sich die Aktie von Knife River entwickelt, die im laufenden Jahr bereits deutlich nachgegeben hat.
Kurz erklärt
- Aktivisten: Investoren, die sich mit einer Beteiligung an einem Unternehmen einkaufen und Veränderungen beim Management durchsetzen wollen.
- EBITDA-Marge: Kennzahl, die den Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und AfA ins Verhältnis zum Umsatz setzt.
- Ausgliederung: Abspaltung eines Unternehmensteils in eine eigenständige, separat börsennotierte Gesellschaft.
- Marktkapitalisierung: Der Börsenwert eines Unternehmens, berechnet aus Aktienkurs und Anzahl der ausgegebenen Aktien.
